Rechtzeitig erkannt, kann chronischen Schmerzen vorgebeugt werden

Gesundheitslexikon: Nervenschmerzen (Neuropathische Schmerzen, Neuralgie)

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22. Oktober 2019 - 13:17 Uhr

Schädigung der Leitbahnen – die Nervenschmerzen

Werden Nervenstrukturen beschädigt, können sogenannte neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) entstehen. Allein in Deutschland leiden circa 300.000 Menschen unter neuropathischen Schmerzen. Dabei können Personen jedes Alters und Geschlechts betroffen sein.

Was sind Nervenschmerzen?

Im Vergleich zu anderen Schmerzreizen ist bei Nervenschmerzen das für die eigentliche Schmerzweiterleitung verantwortliche System involviert. Das Nervensystem kann durch traumatische Einwirkungen, Infektionen und Stoffwechselerkrankungen beschädigt werden. Bei der Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben kann, handelt es sich um ein häufig auftretendes Krankheitsbild. Die Schädigungen können einzelne oder mehrere Nerven betreffen – dies ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Wenn mehrere Leitbahnen des peripheren Nervensystems verletzt sind, definiert die Schulmedizin das als Polyneuropathien. Doch auch Schädigungen des zentralen Nervensystems sind möglich – diese treten meist durch Traumata des Rückenmarks oder Gehirns hervor.

Ursachen

Da die Nervenschmerzen meistens als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auftreten, können die Ursachen vielfältiger Natur sein. Einerseits können traumatische Einwirkungen, beispielsweise Unfälle oder ärztliche Kunstfehler bei Operationen, zu einer Beschädigung des Nervensystems führen. Andererseits sind auch häufig Vorerkrankungen wie Gürtelrosen, Diabetes mellitus oder Tumore, die auf die Nervenbahnen drücken, dafür verantwortlich. Bandscheibenvorfälle zählen ebenfalls zu den möglichen Ursachen für eine Neuralgie. Ganz gleich, durch welchen Faktor die Symptomatik entsteht – alle neuropathischen Schmerzen werden grundsätzlich durch eine Schädigung des Nervensystems hervorgerufen.

Symptome

Nervenschmerzen können sich durch eine Vielzahl von Symptomen bemerkbar machen. Zu den häufigsten zählt ein Schmerz, welchen die Betroffenen wie Feuer oder Nadelstiche auf der Haut beschreiben. Dieser tritt episodisch oder dauerhaft auf. Ein charakteristisches Anzeichen ist auch eine verminderte Sensibilität der Haut. Dadurch kann eine Unempfindlichkeit gegenüber Wärme-, Druck- und Berührungsreize entstehen. Doch auch das genaue Gegenteil ist manchmal der Fall –hierbei reagieren die Betroffenen überempfindlich auf taktile Reize. In selteneren Fällen beklagen Patienten Kribbelparästhesien, die im Volksmund auch als Ameisenlaufen bekannt sind. Des Weiteren kann es zu Muskelkrämpfen und Juckreizen kommen.

Diagnose

Um das genaue Krankheitsbild zu ermitteln, ist zunächst eine ausgiebige Anamnese vonnöten. Bei akuten Schmerzen, zum Beispiel nach einem Knochenbruch oder einer Quetschung, kann der Hausarzt oder ein Facharzt die Untersuchung durchführen. Bei chronischen Leiden hingegen ist mehr Aufwand notwendig. Ein Schmerzfragebogen oder -tagebuch wird oft eingesetzt, um die genaue Lokalisation und Art der Schmerzen zu ermitteln. Anschließend können diverse Sensibilitätstests durchgeführt werden, die ein genaues Bild über die Nervenschmerzen liefern. Auch die Untersuchung der Wirbelsäule kann der Diagnosestellung dienen.

Behandlung/Therapie

Es bieten sich diverse Möglichkeiten an, um eine Neuralgie adäquat zu therapieren. Zunächst müssen die Optionen einer ursächlichen Therapie – beispielsweise per Operation oder Blutzuckereinstellung – ausgeschöpft werden. Wenn die ursächliche Therapie nicht (mehr) möglich ist, gilt es, die weiteren Maßnahmen so früh wie möglich einzuleiten. Nur so kann chronischen Schmerzen vorgebeugt werden. Hierbei können eine spezifische Medikation und eine Physio- und Psychotherapie Linderung verschaffen. Ein Patentrezept gegen Nervenschmerzen ist der Schulmedizin jedoch nicht bekannt. In vielen Fällen erproben Ärzte verschiedene Behandlungsmethoden, um die sinnvollste für den jeweiligen Patienten zu finden. Die Heilungsaussichten variieren von Person zu Person.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.