Gesundheitslexikon: Procain

29. November 2018 - 15:50 Uhr

Procain für die gezielte Schmerzunterdrückung

Wenn es darum geht, an Ort und Stelle einen Schmerz auszuschalten, hilft nur eine örtliche Betäubung. Betäubt wird ein kleines Areal, normalerweise im Bereich von Haut- oder Schleimhäuten. Mit einem kleinen Einstich gelangt der Wirkstoff zielgenau an die zu behandelnde Stelle und unterbindet dort für einige Zeit die Schmerzübertragung. Der Vorteil ist, dass der Patient dabei ansprechbar und aktiv bleibt. Ein beliebtes Schmerzmittel der vergangenen Jahrzehnte ist Procain.

Was ist Procain?

Procain ist ein Lokalanästhetikum, also ein Schmerzmittel zur örtlichen Betäubung. Es wirkt räumlich begrenzt und setzt dabei die Erregbarkeit der Nerven herab. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und damals flächendeckend eingesetzt, vor allem in der Zahnmedizin oder bei der Wundversorgung. Mittlerweile wird es als Betäubungsmittel kaum noch genutzt, weil zuverlässigere Wirkstoffe erhältlich sind. Lediglich im Bereich der Neuraltherapie, also einer alternativmedizinischen Behandlungsform, wird noch auf Procain zurückgegriffen. Hier soll der Wirkstoff bestimmte fehlgeleitete Schmerzareale "entstören" können. Ferner gibt es neuere Therapieansätze, die Procain als Anti-Aging-Mittel nutzen wollen.

Wie wirkt Procain?

Procain wirkt nur dort, wo es injiziert wird. Hier unterbindet es konkret die Reizweiterleitung des Nervs. Der Schmerzimpuls wird also nicht an das Gehirn weitergegeben, sodass der Patient den Schmerz schlichtweg nicht spürt. Dies geschieht, weil Procain in die Zellen eindringt und dort erst die Natriumkanäle blockiert und danach auch die Kaliumkanäle abriegelt. Der Patient bemerkt an der betroffenen Stelle augenblicklich eine Herabsetzung der Schmerzempfindung. Anschließend verändert sich seine Temperatur- und Druckwahrnehmung. Procain wirkt allerdings nur im gesunden Gewebe. Spritzt man den Wirkstoff in einen entzündeten Bereich, passt der pH-Wert der Umgebung nicht und das Mittel kann nicht wirken.

Anwendungsgebiete

Ab der vorletzten Jahrhundertwende wurde Procain sehr häufig eingesetzt. Die Schmerztherapie befand sich noch in den Kinderschuhen und die Patienten waren dankbar für jede Möglichkeit der Schmerzlinderung. Heute greift man jedoch eher auf Lidocain zurück, wenn eine örtliche Betäubung ansteht. Dieses Mittel wirkt noch zuverlässiger und weist ein geringeres Allergierisiko auf. Traditionell wird Procain lediglich im Bereich der Alternativmedizin eingesetzt. Weil der Wirkstoff nur in einem bestimmten pH-Bereich wirkt, wird er im Rahmen der Neuraltherapie gezielt in erkrankte Nerven oder Muskeln injiziert. Sehr selten werden Procain-haltige Salben im ästhetischen Bereich aufgetragen, wenn beispielsweise ein Tattoo (Permanent-Make-up) angebracht werden soll.

Wichtige Hinweise

Procain ist apothekenpflichtig und wird als Injektionslösung oder Salbe angeboten. Es gibt einige nicht unerhebliche Nebenwirkungen, die zu beachten sind. So zeigen manche Patienten nach dem Injizieren von Procain Schleimhautanschwellungen, Wassereinlagerungen in den Extremitäten (Ödeme, die bis hin zur Nesselsucht gehen können), Symptome von Atemnot oder eine Bronchienverengung. Auch kann es zu allergischen Reaktionen auf den Wirkstoff selbst kommen. Diese können sich in Juckreiz, Hautausschlag, Missempfindungen, Erregungszuständen, Krämpfen, einem erhöhten Muskeltonus oder einem Abfall des Blutdrucks äußern. In seltenen Fällen klagen Patienten nach der Verabreichung von Procain über Schwindel, Übelkeit, Magenschmerzen oder Unruhe. Vereinzelt wurde das Auftreten von Regelblutungen während der Wechseljahre beobachtet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.