Lokal betäubender Wirkstoff

Gesundheitslexikon: Lidocain

Lidocain wird häufig in der Lokalanästhesie eingesetzt und darf dann auch nur von Medizinern eingesetzt werden.
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07. Oktober 2019 - 9:48 Uhr

Wenn schnelle Hilfe notwendig ist, kommt Lidocain ins Spiel

Ob beim Zahnarzt, während der Geburt oder beim Nähen einer Platzwunde – manchmal soll der Schmerz ganz schnell nachlassen. Mit Lidocain steht der Medizin ein Wirkstoff zur Verfügung, der in kurzer Zeit an Ort und Stelle zu einer Schmerzminderung führt.

Was ist Lidocain?

Das Betäubungsmittel Lidocain ist seit vielen Jahrzehnten am Markt. Es ist ein Lokalanästhetikum vom Typ der sogenannten Amide. Das Mittel kann äußerlich eingesetzt werden, wenn es darum geht, eine bestimmte Hautstelle ganz schnell zu betäuben. Aber auch zur innerlichen Anwendung wird Lidocain verabreicht; es wirkt bei Herzrhythmusstörungen und Herzrasen beruhigend auf das Herz-Kreislauf-System. Der Wirkstoff Lidocain kann in Salben, Sprays, Injektionen oder Infusionen gebunden sein.

Wie wirkt Lidocain auf den Körper?

Das Arzneimittel wirkt auf die Natriumkanäle der Zellen und sorgt hier für eine Blockade der Reizweiterleitung. Normalerweise werden Reize wie Schmerz, Temperaturempfinden und Druck von den Zellen verarbeitet, indem eine Art Kommunikation untereinander stattfindet. Diese Kommunikation geschieht über den Austausch von Botenstoffen, beispielsweise mit Hilfe von Natrium. Werden diese speziellen Natriumkanäle blockiert, kann der Reiz an die Zellmembran nicht weitergegeben werden. Die Zelle reagiert also nicht. Lidocain sorgt für eine Blockade dieser Natriumkanäle. Informationen wie Schmerzen oder Druckempfinden werden an das Gehirn nicht weitergegeben.

Dabei reagieren feine Nervenfasern schneller auf Lidocain als dickere Nerven. Wird Lidocain also beispielsweise auf die Haut aufgetragen, so nimmt zunächst das Schmerzempfinden ab, danach das Temperaturempfinden und zuletzt das Druckempfinden. Letztlich könnte sich auch die tief darunterliegende Muskulatur entspannen, insofern die verabreichte Dosis hoch genug wäre.

Bei welchen Beschwerden kann Lidocain eingesetzt werden, gibt es eine Verschreibungspflicht?

Lidocain wird häufig in der Lokalanästhesie eingesetzt und darf dann auch nur von Medizinern eingesetzt werden. Soll beispielsweise beim Zahnarzt eine Betäubung gesetzt oder in der Chirurgie eine Platzwunde genäht werden, dann wird Lidocain mittels Injektion direkt in den betroffenen Nerv gespritzt und unterbricht die Reizweiterleitung. Diese Vorgehensweise hat sich deshalb bewährt, weil Lidocain nur knapp drei Minuten braucht, um den Schmerz auszuschalten.

In der Herzgesundheit wirkt Lidocain stabilisierend auf den Herzrhythmus. In diesem Fall wird es intravenös verabreicht. Lidocain unterdrückt Herzrhythmusstörungen, in dem es die Natriumkanäle des umliegenden Herzgewebes anspricht und so für eine Entspannung der Membranen sorgt. Im Umkehrschluss muss allerdings beobachtet werden, dass der Wirkstoff seinerseits auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Diese negative Wirkweise ist allerdings noch unzureichend erforscht.

Lidocain wird zudem bei Vergiftungen mit Antidepressiva verabreicht.

Aber auch im Hausgebrauch hat sich Lidocain bewährt und ist in speziellen Präparaten mit verringerter Dosis zur Eigenmedikation erhältlich. So werden spezielle Salben für Säuglinge angeboten, um ihnen das Zahnen zu erleichtern. In Verbindung mit Kamillenblütenextrakt sind auch Spülungen erhältlich, die bei leichten Entzündungen des Mund- und Rachenraumes eingesetzt werden. Auch nutzen manche Männer Salben mit Lidocain, um ihr Genital weniger empfindlich zu machen und so einem verfrühten Samenerguss vorzubeugen.

Was sollte man bei der Anwendung von Lidocain beachten?

Der Wirkstoff kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Wird Lidocain als Lokalanästhetika eingesetzt, so können allergische Reaktionen und auch Reizungen des Nervensystems wie Unruhe oder Kampfanfälle auftreten. Bei der Behandlung von Rhythmusstörungen kann es als Nebenwirkung zu einem Abfallen des Blutdrucks kommen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.