Gesundheitslexikon: Minipille

29. November 2018 - 15:50 Uhr

Die Minipille – eine östrogenfreie Alternative zur Kombinationspille

Die Minipille ist wie die klassische Kombinationspille ein Empfängnisverhütungsmittel. Sie enthält nur Gestagene, aber keine Östrogene. Daher ist sie geeignet für Frauen, die das Hormon Östrogen nicht vertragen oder dieses als Stillende über die Muttermilch an ihre Kinder weitergeben. Die Einnahmekriterien bei der Minipille sind strenger als bei der Kombinationspille, da geringe zeitliche Abweichungen bereits den Empfängnisschutz infrage stellen könnten. Wir erklären, was eine Minipille ist, wie sie wirkt, wann sie angewendet wird und was bei ihrer Einnahme beachtet werden muss.

Was ist eine Minipille?

Die Minipille enthält im Gegensatz zur Kombinationspille keine Östrogene, die zusätzlich der Ovulationshemmung dienen. Der Empfängnisschutz wird ausschließlich durch die synthetisch hergestellten Gestagene Levonorgestrel oder Desogestrel gewährleistet. Die herkömmliche Minipille enthält Levonorgestrel, in der neuen Minipille wird Desogestrel verwendet. Insgesamt ist die Wirkstoffkonzentration im Vergleich zur Kombinationspille niedriger dosiert. Darum gibt es weniger Nebenwirkungen. Allerdings muss die herkömmliche Minipille möglichst immer zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden, weil sonst der Empfängnisschutz gefährdet ist. Die tägliche Abweichung des Einnahmezeitpunktes darf drei Stunden nicht überschreiten. Wie bei der Kombinationspille geht der Schutz bei der neuen Minipille allerdings erst nach zwölf Stunden Abweichung verloren.

Wirkungsweise

Die Wirkung der Minipille erfolgt über synthetisch hergestellte Gestagene. Das Wirkprinzip der Gestagene beruht auf einer Konsistenzänderung des Zervixschleims. Dabei verändert sich dessen Konsistenz so, dass die Wanderung der Spermien durch den Schleimpfropf des Gebärmutterhalses verhindert wird. So gelangen sie nicht bis in die Gebärmutter und können auch keine Eizelle befruchten. Gleichzeitig wird die Gebärmutterschleimhaut verändert, sodass eine Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle nicht mehr möglich ist. Da die Veränderungen nur einen Tag anhalten, ist bei der herkömmlichen Minipille eine regelmäßige tägliche Einnahme möglichst zur gleichen Uhrzeit für die Sicherheit des Empfängnisschutzes entscheidend. Das in der neuen Minipille eingesetzte Desogestrel kann zusätzlich auch den Eisprung verhindern und wirkt daher ähnlich wie eine Kombinationspille mit einer weniger strengen zeitlichen Einnahmeregel.

Anwendungsgebiete der Minipille

Das einzige Anwendungsgebiet der Minipille ist die Empfängnisverhütung. Somit stellt die Minipille eine Alternative zur Kombinationspille dar. Während die herkömmliche Minipille etwas unsicherer ist als die Kombinationspille, gilt die neue Minipille jedoch als vergleichbar sicher. Minipillen sind unter folgenden Bedingungen besser geeignet als Kombinationspillen:

- wenn Östrogene nicht gut vertragen werden

- wenn ein erhöhtes Thromboserisiko besteht

- wenn Blutgerinnungsstörungen vorliegen

- bei übergewichtigen Frauen

- bei Frauen, die häufig rauchen

- wenn ein erhöhter Blutdruck besteht

- wenn Diabetes vorliegt

- bei stillenden Frauen

Hinweise zur Anwendung der Minipille

Bei der Anwendung von Minipillen ist Folgendes zu beachten:

- Die Anwendung der Minipille sollte gleich am ersten Tag der Regelblutung beginnen.

- Grundsätzlich darf es keine Pausen bei der Einnahme geben.

- Herkömmliche Minipillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sollten jeden Tag zur gleichen Zeit eingenommen werden. Lediglich bei einer zeitlichen Verzögerung bis zu drei Stunden ist ein sicherer Empfängnisschutz gewährleistet.

- Die neue Minipille ermöglicht dagegen eine Verzögerung der Einnahme von bis zu zwölf Stunden ohne Beeinträchtigung der Verhütung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.