Abwehrmechanismus für psychische KonflikteGesundheitslexikon: Konversion (in der Psychologie)

ILLUSTRATION - Eine Frau sitzt am 12.02.2019 in einem Studio in Hamburg und versteckt ihr Gesicht hinter ihren Haenden (gestellte Szene). Foto: Christin Klose | Verwendung weltweit
RK, picture alliance / dpa Themendie, Christin Klose

Sie kennen die Konversion in der religiösen Wortbedeutung als Übertritt von einer Konfession in eine andere? In der Psychologie hat die Konversion nichts mit einem Glaubenswechsel zu tun, sondern ist ein Abwehrmechanismus für psychische Konflikte. Betroffene entwickeln dabei körperliche Symptome, die symbolisch für den psychologischen Konflikt stehen. Freud beschrieb die Konversion als einen Mechanismus, dessen „Erregungssumme ins Körperliche umgesetzt wird“. Die Symptome eines Konversionspatienten scheinen zwar körperlich bedingt zu sein, lassen sich mit körperlichen Erkrankungen allerdings nicht in Zusammenhang bringen und stehen vielmehr mit Belastungssituationen der Psyche in Verbindung.

Was ist eine Konversion?

Bei der Konversion handelt es sich um einen Abwehrmechanismus im Kontext psychischer Belastungen. Das Bewusstsein des Betroffenen will sich der Belastungssituation aus Angst vor den Folgen nicht stellen. Um sich mit dem Konflikt nicht konfrontieren zu müssen, wandelt der Patient das eigentlich psychische Problem in körperliche Beschwerden um. Das Bewusstsein muss die psychische Konfliktsituation dadurch nicht als solche erkennen und ebenso wenig als echte Belastung akzeptieren. Die daraus resultierenden Symptome und Beschwerden auf der körperlichen Ebene stehen oft symbolisch für die Schwierigkeit, zum Beispiel anhaltende Übelkeit für eine übel machende Belastungssituation.

Ursachen

Die Primärursache für Konversion ist der fehlende Wille zur Akzeptanz bestimmter Situationen und Belastungen. Stirbt beispielsweise eine nahestehende Person, wehren sich die Hinterbliebenen oft über gewisse Zeit gegen die Akzeptanz des Vorfalls als Realität. Auch Belastungssituationen wie fremdgehende Partner können Abwehrmechanismen wie die Konversion hervorrufen. Die Betrogenen wollen den Betrug nicht bewusst akzeptieren, weil sie Angst vor den Folgen haben. Annähernd jede Belastungssituation kann Konversion hervorrufen. Ängstliche Personen sind generell konversionsanfälliger. Die daraus entstehenden Symptome des Körpers sind nicht nur situations-, sondern auch persönlichkeitsabhängig.

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Symptome einer Konversion

Konversionssymptome können beinahe sämtlichen Körperbeschwerden entsprechen und spiegeln meist den Grundcharakter des ursächlichen Konflikts. Verbreitete Symptome sind neben Lähmungserscheinungen, Blindheit und Taubheit beispielsweise Krampfanfälle oder anhaltende Übelkeit. Auch Schmerzsymptomatik kommt vor. Blindheit kann symbolisch so gedeutet werden, dass der Betroffene seine Augen vor der psychischen Konfliktsituation verschließen möchte. Bei Taubheit wollen die Patienten nichts von bestimmten Problemen hören. Lähmungen verdeutlichen das Gefühl, von der Belastungssituation gelähmt zu sein und Kontrollverluste zu erleben. Auch das Gefühl des Ausgeliefertseins kann sich in Lähmungserscheinungen äußern. Die Diagnose einer Konversion basiert auf dem Ausschluss körperlicher Ursachen.

Behandlung

Bei der Behandlung von Konversionsbeschwerden geht es um die Rückverlagerung der körperlichen Symptome auf die psychische Ebene. Die Patienten müssen Konflikte erkennen und sich ihnen im sicheren Umfeld einer Psychotherapie stellen. Verdrängtes wird gemeinsam mit einem Psychotherapeuten ins Bewusstsein gerufen. Die Aufarbeitung und Akzeptanz des ursächlichen Konflikts lässt häufig sämtliche Symptome auf körperlicher Ebene verschwinden. Durch bewusste Neubewertungen der Problemsituation vergehen Angstzustände im Kontext der Konfrontation. Um Konversionssituationen vorzubeugen, setzen Sie sich bewusst mit Ihrem Innenleben, möglichen Belastungen und Konflikten auseinander. Falls Sie dazu selbst nicht in der Lage sind, kann Ihnen ein Psychotherapeut helfen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.