Gruppe von speziellen Sexualhormonen

Gesundheitslexikon: Gonadotropine

Gonadotropine sind trophische Sexualhormone, welche die Funktion der Keimdrüsen (Ovarien bzw. Hoden) stimulieren
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14. August 2019 - 12:26 Uhr

Gonadotropine spielen bei der Erfüllung des Kinderwunsches eine große Rolle

Die Gruppe der Gonadotropine umfasst Hormone, welche die Funktion der Geschlechtsorgane beeinflussen. Nicht nur die Sexualhormone Östrogen, Testosteron und Gestagen steuern die Sexualfunktion im Menschen. Diese Sexualhormone sind gemeinsam mit den Gonadotropinen Bestandteil eines fein abgestimmten Zusammenspiels, durch welches das Wachstum und die Tätigkeit der Eierstöcke und der Hoden beeinflusst werden. Die in zwei Untergruppen unterteilten Hormone sind vorwiegend für die Erfüllung eines Kinderwunsches verantwortlich, weshalb eine Fehlversorgung oft bei einer ausbleibenden Schwangerschaft auffällt.

Was sind Gonadotropine?

Gonadotropine tragen ihren Namen, weil sie das Wachstum der männlichen und weiblichen Keimdrüsen (Gonaden) anregen. Zu dieser Hormongruppe gehören das follikelstimulierende Hormon (FSH), das luteinisierende Hormon (LH), das Prolaktin und das humane Choriongonadotropin (hCG). Zusammen regulieren sie den Hormonhaushalt und die Geschlechtsfunktionen. Für die Produktion und Freisetzung ist ein weiteres Hormon verantwortlich, das sich im Zwischenhirn (Hypothalamus) befindet. Gonadotropine werden als Proteohormone eingeordnet, da sie chemisch gesehen als Proteine gelten. FSH, LH und hCG haben eine identische alpha-Untereinheit in der Proteinstruktur, jedoch unterschiedliche beta-Untereinheiten.

Welche Arten von Gonadotropinen gibt es und was bewirken sie im Körper?

Es werden zwei Arten von Gonadotropinen unterschieden: Die hypophysären Gonadotropine FSH, LH und Prolaktin werden in der Hirnanhangdrüse, der Hypophyse gebildet. Sie gilt als Schaltzentrale vieler Hormone und bildet mit dem Zwischenhirn (Hypothalamus) einen komplexen Regelkreis für die Herstellung und Freisetzung von Hormonen. Das humane Choriongonadotropin (hCG) hingegen wird als extra-hypophysäres Hormon während der Schwangerschaft in der Plazenta hergestellt. Auch die Bildung von Prolaktin, das für die Milchbildung zuständig ist, wird während der Schwangerschaft angekurbelt. LH und FSH sorgen bei Frauen und Männern für die Reifung der Geschlechtszellen, der Eizellen (Follikel) der Frau und der Spermien des Mannes.

Was passiert bei einem Mangel oder Überschuss an Gonadotropinen?

Ein Mangel an Gonadotropinen führt zu Funktionsstörungen in den Eierstöcken beziehungsweise im Hoden. Auffällig wird eine Unterversorgung bei einem unerfüllten Kinderwunsch. Magersucht und eine massive Testosteronzufuhr bei Männern können Ursachen für verringerte LH Konzentrationen sein. Eingeschränkte Funktionen der Hoden (Hodenunterfunktion) und Eierstöcke (Eierstockinsuffizienz) können sowohl von erhöhten als auch erniedrigten Werten begleitet sein. Das Klinefelter Syndrom ist eine genetische Erkrankung, die mit einer Unterfunktion der Keimdrüsen einhergeht und zu einer Erhöhung der Gonadotropine führt. Starke Anstiege der hCG Konzentration sollten abgeklärt werden, da sie neben einer Schwangerschaft auf eine Plazentafehlbildung, eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter oder ein Tumor hinweisen können.

Wie werden Gonadotropine in der Medizin eingesetzt?

Nicht in jedem Fall eines Mangels wird das fehlende Hormon durch entsprechende Gonadotropin-Gaben ersetzt. Bei Männern oder Frauen mit deutlicher Minderversorgung fehlen gleichfalls die Sexualhormone. Sie erhalten zunächst Testosteron beziehungsweise Östrogene und erst bei einem Kinderwunsch werden Gonadotropine gegeben. Abkömmlinge von LH und FSH müssen in einem bestimmten Rhythmus als Spritze oder über eine Pumpe zugeführt werden. Sie sorgen dafür, dass der Menstruationszyklus beziehungsweise die Spermien-Produktion wieder angestoßen werden. Zusätzlich zum LH und FSH wird Choriongonadotropin gespritzt, das nach der Bildung der Follikel einen Eisprung auslösen soll. Gonadotropine kommen zudem zur Unterstützung bei einer in-vitro-Fertilisation (Reagenzglasbefruchtung) zur Anwendung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.