Wichtiger Vitalstoff in unserem Organismus

Gesundheitslexikon: Glycin

Die Allround-Aminosäure Glycin: Mehr Beweglichkeit und Energie im Alltag
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13. August 2019 - 14:19 Uhr

Glycin - die einfachste proteinogene Aminosäure

Glycin stellt die einfachste proteinogene Aminosäure dar. Wir erklären, welche Bedeutung es für den Organismus hat, wo es vorkommt und wie es medizinisch genutzt wird.

Was ist Glycin?

Glycin gilt als einfachste und kleinste proteinogene Aminosäure, die auch unter der Bezeichnung Aminoessigsäure bekannt ist. Es ist in fast allen Proteinen vertreten und spielt dabei eine zentrale Rolle für alle Lebewesen. Bei Glycin handelt es sich außerdem um eine nicht essenzielle Aminosäure. Dies bedeutet, dass es im menschlichen Organismus aus anderen Verbindungen hergestellt werden kann. Des Weiteren stellt es eine wichtige Schaltzentrale im Stoffwechsel dar. Der Name Glycin leitet sich aus dem griechischen Wort "glycis" für süß" ab, da es süßlich schmeckt.

Wo kommt Glycin vor?

Glycin ist in fast allen Eiweißverbindungen vorhanden. Dabei gibt es jedoch Proteine mit einem besonders hohen Glycingehalt, wozu unter anderem das Bindegewebsprotein Kollagen zählt. Dort spielt Glycin bei der Strukturbildung eine entscheidende Rolle. Erstmalig wurde es im Jahr 1820 aus einem sauer aufgeschlossenen Kollagenhydrolysat, welches als Gelatine bezeichnet wird, gewonnen. Aus dieser Gelatine konnte es der damalige Direktor des Botanischen Gartens von Nancy unter der Ausbildung süß schmeckender Kristalle isolieren. Der Körper wird immer mit genügend Glycin über die Nahrung versorgt, da es praktisch in allen Lebensmitteln vorkommt. Im Organismus jedoch kann es auch aus Serin synthetisiert werden.

Welche Funktionen übt Glycin aus?

Glycin ist sowohl Ausgangsstoff für viele biologisch aktive Verbindungen als auch Bestandteil in fast allen Proteinen. Es dient unter anderem als Ausgangsstoff für die Bildung der Aminosäure Serin. Gleichzeitig kann es jedoch auch aus Serin synthetisiert werden. Glycin wird auch als Ausgangsstoff für die Bildung von Purinen, den wichtigen Bestandteilen der Erbsubstanz, benötigt. Aus Glycin wird außerdem Häm gebildet, welches eine herausragende Bedeutung für das Hämoglobin innehat. Ebenso ist es wichtig für die Synthese von Kreatin, dem Energiespeicher im Muskel, sowie von Glutathion, dem wichtigsten Antioxidans im Körper. Im Nervensystem dient es als inhibitorischer Neurotransmitter zur Herabsetzung der Erregungsweiterleitung.

Mangel und Überschuss von Glycin

Einen Überschuss an Glycin gibt es nicht. Der Körper wandelt überschüssiges Glycin schnell um. Einen Mangel an Glycin hingegen kann es zwar geben, dieser ist jedoch sehr selten, weil Glycin praktisch überall vorhanden ist. Nur bei extremer Unterernährung kann es zu einem echten Glycinmangel kommen. Allerdings gibt es auch einen relativen Glycinmangel, der als Folge von Vergiftungen mit Strychnin, Alkohol oder dem Tetanuserreger auftreten kann. Hier wird die Wirkung von Glycin gehemmt. Es folgen Bindegewebsabbau, Schwächung des Immunsystems, eine verminderte Entgiftungsleistung der Leber und neurologische Beschwerden.

Medizinische Anwendung von Glycin

Glycin wird häufig in Form von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten, um eventuelle Mangelzustände auszugleichen. Eine Überdosierung kann nicht stattfinden, weil es sehr schnell umgesetzt wird. Zudem gibt es keine negative Wirkung von Glycin. In vielen Lebensmitteln ist es daher auch als Lebensmittelzusatzstoff ohne Höchstmengenbeschränkung enthalten. Auch findet es Anwendung als Geschmacksverstärker. Des Weiteren ist Glycin Bestandteil von Nährlösungen zur künstlichen intravenösen Ernährung bei schweren Erkrankungen. Bei Harnblasen- oder Prostataoperationen wird Glycin zusammen mit Sorbitol und Mannitol in Spüllösungen eingesetzt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht immer sinnvoll und kann Ihnen bei falscher Dosierung oder Kombination sogar schaden. Lassen Sie sich daher von einem Arzt oder Apotheker beraten. Schwangere sollten mit ihrem Frauenarzt sprechen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine gesunde Ernährung oder Lebensweise.