Schlaf- und Beruhigungsmittel

Gesundheitslexikon: Barbiturate

© (C) Bojan Vujicic ((C) Bojan Vujicic (Photographer) - [None]

16. April 2019 - 9:27 Uhr

Was sind Barbiturate?

Barbiturate sind chemisch gesehen Salze der Barbitursäure oder ihrer Derivate. Sie zählen zu den Arzneimitteln mit beruhigender, narkotisierender, krampflösender und schlaffördernder Wirkung. Entgegen der möglichen Annahme wirken sie jedoch nicht muskelrelaxierend, also muskelentkrampfend. Lange Zeit galten sie als beliebtes Schlaf- und Beruhigungsmittel, wurden aufgrund der möglichen Nebenwirkungen jedoch teilweise von anderen, besser verträglichen Wirkstoffen abgelöst. Dennoch gibt es noch immer viele Einsatzgebiete, aus denen die Barbiturate nicht wegzudenken sind, da sie zuverlässig wirken. Da es sich bei Barbituraten um Präparate mit starker Wirkung und gefährlichen Nebenwirkungen handelt, sind diese verschreibungspflichtig.

Wirkungsweise von Barbituraten

Barbiturate wirken auf relativ komplexe Weise an verschiedenen Rezeptoren im Körper, insbesondere am sogenannten GABAA-Rezeptor. Dieser liegt in den Nervenzellen und bindet einen Botenstoff namens ?-Aminobuttersäure. Barbiturate verstärken die hemmende Wirkung dieser Rezeptoren, wodurch der Zellstoffwechsel, vor allem die Atmungskette, gestört und Natriumkanäle blockiert werden. Die Folgen können, insbesondere bei einer Überdosierung oder einem Missbrauch, weitreichend sein. Durch die gestörten Zellfunktionen kann es zu Funktionsstörungen der Leber oder Vergiftungen, die einen Herz- und Atemstillstand zur Folge haben können, kommen. In angemessener Dosierung jedoch kann ein Barbiturat eine Hilfe bei Operationen sein, indem es als Narkotikum oder Beruhigungsmittel wirkt.

Verschiedene Arten von Barbituraten und ihre Indikation

Barbiturate können zunächst nach ihrer Wirkungsdauer eingeteilt werden: Kurz wirkende, mittellang wirkende und lang wirkende Barbiturate. Letztere wirken mehrere Stunden lang, die mittleren Barbiturate haben eine Wirkdauer von ein paar Stunden, die kurzzeitig wirkenden nur von einigen Minuten. Darüber hinaus werden Barbiturate in unterschiedliche Wirkstoffe eingeteilt: Pentobarbital beispielsweise findet in der Sterbehilfe und in der Tiermedizin Anwendung. Phenobarbital wird in Tablettenform oder als Injektion genutzt, wenn Patienten unter Epilepsie leiden oder einen Entzug machen. Secobarbital wird in der Anästhesie und kurzfristig auch bei starken Einschlafstörungen eingesetzt. Thiopental wird als Narkosemittel für kurze Eingriffe und zur Vorbereitung anderer Narkosemittel eingesetzt.

Das müsen Sie beachten

Das Missbrauchsrisiko von Barbituraten ist sehr hoch, da deren Wirkung recht stark ausfällt. So können sie als dämpfende Rauschmittel oder gar für Suizidversuche missbraucht werden. Da Barbiturate sich auf Enzyme im Körper auswirken können, kommt es gelegentlich zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln: So wird die Wirkung von anderen Beruhigungsmitteln verstärkt. Alkoholkonsum sollte bei Einnahme von Barbituraten vermieden werden, da diese die Wirkung von Alkohol ebenfalls verstärken. Neben Abhängigkeit und Missbrauchsrisiko gehören allergische Reaktionen, Lethargie, ein beeinträchtigter Vitamin D-Stoffwechsel und Vergiftung zu den möglichen Nebenwirkungen der Barbiturate.

Wer profitiert von Barbituraten?

Trotz ihrer vielen Risiken und Nebenwirkungen sind Barbiturate Wirkstoffe, die aus der Medizin kaum wegzudenken sind. Wenn sie angemessen dosiert und nur in wichtigen Fällen eingesetzt werden, stellen sie eine große medizinische Hilfe dar. Besonders Patienten, die unter starken epileptischen Anfällen leiden, profitieren von der beruhigenden Wirkung. Die Anfälle können so reduziert und in ihrer Schwere gemildert werden. Auch für Suchtpatienten, die einen Entzug durchführen, sind Barbiturate wertvolle Wirkstoffe. Nicht zuletzt sind Barbiturate für Operationen von Bedeutung, indem sie als Anästhetikum wirken.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.