Gesundheitslexikon: Anenzephalie

1. April 2019 - 13:19 Uhr

Anenzephalie - schlimme Diagnose in der Schwangerschaft

Wenn Schwangere erfahren, ihr Kind sei nicht ganz gesund, bringt dies einen großen Schmerz über Betroffene. Manche Eltern dürfen auf eine intensivmedizinische Betreuung nach der Geburt hoffen. Andere Eltern wiederum erhalten die Diagnose, dass die Erkrankung nicht therapiert werden kann. Im Falle von Anenzephalie stehen die Prognosen leider schlecht.

Was ist Anenzephalie?

Eine Anenzephalie ist eine schwere Missbildung, die am Neugeborenen auftritt. Sie ist ein sogenannter Neuralrohrdefekt, der von einer fehlgeleiteten Entwicklung des Embryos stammt. Dem Kind fehlt ein Teil des Kopfes oder des Gesichts. In den Industriestaaten wird die eklatante Schädigung in der Regel schon während der Schwangerschaft festgestellt, und viele Mütter entscheiden sich für einen Schwangerschaftsabbruch. Anenzephalie tritt bei etwa einer von 1.000 Schwangerschaften auf. Rund 98 Prozent der Eltern, die eine solche Diagnose erhalten, entscheiden sich für einen Abbruch.

Ursachen für eine Anenzephalie

Zur häufigsten Ursache einer solchen Erkrankung gehört ein Mangel an Folsäure. Vor allem Mütter, die bis zur fünften Entwicklungswoche einen Folsäuremangel haben und diesen erst danach beheben, tragen ein hohes Risiko. Daneben können auch ein Medikamentenmissbrauch sowie eine Drogen- oder Alkoholsucht hinter der Fehlbildung stecken. Ebenso gilt es als gesichert, dass Schwangere, die eine Chemotherapie erhalten, häufig ein missgebildetes Kind zur Welt bringen. Gefährlich für die Entwicklung des Kindes können ferner Röntgenstrahlen sowie eine Vergiftung mit Quecksilber sein.

Merkmale der Missbildung

Die Missbildung ist sehr augenscheinlich. Es fehlen wesentliche Bereiche am Kopf des Kindes. Dazu zählen Teile des Hirns - meist das Großhirn, der Hirnhäute sowie der darüberliegenden Schädelknochen und der Kopfhaut. Die Augen des Kindes bilden die höchste Stelle des Kopfes und sind zumeist etwas angeschwollen. Das Gesicht ist breit, flach und geht ebenmäßig in den Hals- und Brustbereich über. Die Ohren des Neugeborenen sind verkleinert und häufig nach vorne gewölbt. Bei vielen erkrankten Kindern zeigt sich zudem eine Gaumenspalte.

Diagnose einer Anenzephalie und Lebenserwartung

Im Rahmen der Pränataldiagnostik werden zahlreiche Werte im Blut der Mutter gemessen. Ist hier ein bestimmtes Glykoprotein erhöht, könnte dies ein erster Hinweis auf die falsche Entwicklung sein. Im Anschluss kommen umgehend bildgebende Untersuchungen zum Einsatz (Feinultraschall, 3-D-Ultraschall), um die Fehlbildung sicher zu bestimmen. Meist tritt die Wachstumsschwierigkeit mit weiteren Dysgenesien (beispielsweise einem offenen Rücken) auf. Wenn kein vorzeitiger Schwangerschaftsabbruch stattfindet, kann das Kind auf normalem Weg entbunden werden. Die Lebenserwartung liegt allerdings trotz intensivmedizinischer Betreuung im Bereich weniger Tage.

Wie kann eine Schwangere vorbeugen?

Die frühzeitige und ausreichende Versorgung der Schwangeren mit Folsäure ist von immenser Bedeutung. Studien zeigen, dass bestenfalls schon vor der Empfängnis des Kindes mit einer Supplementierung von Folat begonnen werden sollte. Vor allem die ausreichende Gabe in den ersten vier Schwangerschaftswochen ist entscheidend. Dann nämlich legt der Fötus die Struktur von Organen, Nerven und Knochen an. Ein Mangel an Folsäure führt relativ schnell zu den typischen Neuralrohrdefekten. Die Abstinenz von Alkohol, Drogen und stark wirkenden Medikamenten sollte ebenfalls obligatorisch sein.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.