Für einen Embryo ist Folsäure von existenzieller Bedeutung

Gesundheitslexikon: Folsäuremangel

5. September 2019 - 13:07 Uhr

Folsäuremangel ist nicht nur für Schwangere gefährlich

Folsäuremangel: Der Frauenarzt warnt Schwangere davor. Auch für Nichtschwangere kann ein Mangel gefährlich werden. Folsäure entspricht einer Aktivform des wasserlöslichen B-Vitamins Folat. Nach der Aufnahme mit der Nahrung aktiviert der Körper Vitamin B9 (auch Vitamin B11 genannt) unter dem Verbrauch von Vitamin B12 zu Folsäure. Die aktive Folatform ist an lebenswichtigen Körperprozessen wie dem Zellaufbau beteiligt.

Was ist Folsäuremangel?

Die Folsäure spielt bei Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen eine Rolle. Der Körper braucht normalerweise täglich rund 400 Mikrogramm. Wird diese Grenze regelmäßig unterschritten, so drohen neben Blutbildungsstörungen Zell- und DNA-Schäden. Dass der Arzt Schwangere vor dem Mangel warnt, liegt an den gefürchteten Folgen für das Ungeborene. Ohne hinzureichende Folsäureversorgung kann sich das Nervensystem des Embryos fehlentwickeln. Auch Frühgeburten oder Abgänge kommen vor. Wer sich ausgewogen ernährt, muss bei normalem Bedarf und Gesundheitszustand keinen Folsäuremangel befürchten. Deshalb sind fast ausschließlich Mehrbedarfspatienten mangelgefährdet.

Ursachen

Folsäuremangel entsteht entweder durch die Unterschreitung des täglichen Folatbedarfs von 400 Mikrogramm oder im Rahmen eines erhöhten Bedarfs. Auch Mangelerscheinungen des Vitamins B12 können einen Folsäuremangel verursachen, da dieses zur Aktivierung der Folsäure aufgebracht werden muss. Zu den wichtigsten Bedarfserhöhungsumständen gehören folgende:

- verschiedene Infektionskrankheiten

- Leistungssport

- Schwangerschaft

- Extrembelastungen

- Tabakkonsum

- Alkoholismus

- Krankheiten mit Blutbildungsstörungen

- Erkrankungen der Niere

- Darmerkrankungen mit Aufnahmestörungen

- Medikamente wie Metformin, Antikonvulsiva, Sulfasalazin, Triamteren oder Methotrexat

- Krebserkrankungen

- Lebererkrankungen

Symptome

Sie erkennen einen Folsäuremangel an Frühsymptomen wie Blutbildungsstörungen bis hin zur Blutarmut, die Infektanfälligkeit (weiße Blutkörperchen), Leistungskrafteinschränkungen, Abgeschlagenheit und Kurzatmigkeit (rote Blutkörperchen) zur Folge hat. Außerdem treten in der Regel schneller blaue Flecken durch kleinere Einblutungen auf. Als Magen-Darm-Symptome stellen sich Appetitlosigkeit oder Durchfall mit Darmentzündungen und ungewollten Gewichtsverlusten ein. Die Zunge verfärbt sich bei Folsäuremangel oft aufgrund von Entzündungen. Die Haut wirkt wegen der Blutarmut recht blass. Auf Seiten der psychischen Auswirkungen kann die Vitaminmangelerscheinung zu Depressionen und Reizbarkeit führen.

Diagnose

Im Arzt-Patienten-Gespräch ereilt den Hausarzt bei den typischen Symptomen oft schon der erste Verdacht auf die Mangelerscheinung. In den meisten Fällen bestimmt der Mediziner zur Sicherung dieses Verdachts, statt der Folsäurekonzentration im Blut, das Aussehen der roten Blutkörperchen. Bei folsäuremangelbedingter Blutarmut vergrößern sich die roten Blutkörperchen und lassen sich deshalb stärker anfärben. Im Blutbild lässt sich dieser Zustand ohne viel Aufwand nachvollziehen und bestärkt den Folsäuremangelverdacht. Auch die Suche nach den Ursachen gehört mit zur Diagnostik.

Therapie und Vorbeugung

Zur Therapie von Folsäuremangel wird eine tägliche Zufuhr des Normalbedarfs bis hin zur doppelten Menge verordnet. Zusätzlich ist auch die Aufnahme anderer B-Vitamine zu optimieren, damit der Körper das Folat umwandeln kann. Bei ursächlichen Darmaufnahmestörungen kann eine Folsäuresubstitutionstherapie mittels Injektion stattfinden, um den Darm zu umgehen. Bei Leber-, Nieren-, Infektions- und Krebserkrankungen steht die Behandlung der mangelauslösenden Krankheit im Fokus der Therapie. Folsäuremangel können Sie bei Normalbedarf mit ausgewogener Ernährung vorbeugen. Besonders in der Schwangerschaft sind Sie wegen den ernstzunehmenden Mangelfolgen für das Ungeborene dazu aufgerufen, die Folataufnahme akribisch zu überwachen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.