Gesundheitslexikon: Alkoholvergiftung

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2. April 2019 - 9:06 Uhr

Alkoholvergiftung: So gefährlich ist übermäßiger Alkoholkonsum für den Körper

Viele Menschen haben in ihrem Leben schon einmal einen Rausch gehabt. Alkohol ist ein frei erwerbliches Konsumgift und für viele fester Bestandteil von gemütlichen Gesellschaftsabenden. Manche Menschen fühlen sich sogar ausgeschlossen, wenn sie nicht mittrinken. Das enthaltene Ethanol sorgt für Enthemmung, Entspannung und steigert meist den Spaß. Was Sie als Rausch kennen, entspricht einer leichten Alkoholvergiftung. Ethanol ist ein Nerven- und Lebergift, das die Nervenzellstruktur verändert und damit Vergiftungssymptome wie Wesens- und Bewusstseinsveränderungen hervorruft. Akute Alkoholvergiftungen können sogar lebensbedrohliche Konsequenzen haben.

Was ist eine Alkoholvergiftung?

Bei einer akuten Alkoholvergiftung befinden sich einmalig größere Mengen des Nervengifts in den Blutbahnen. Abhängig vom Stadium ruft die akute Form Effekte zwischen leichter Erregung, tranceartigen Wachzuständen, narkotischen Zuständen und schweren Herzkreislaufstörungen bis hin zum Herzkreislaufschock hervor. Die chronische Alkoholvergiftung ist hiervon zu unterscheiden, da sie durch ständig hohe Blutalkoholkonzentrationen eine Alkoholsucht begleitet. Beide Alkoholintoxikationsarten können zu einem Multiorganversagen führen. In jedem Falle wird die Funktionsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigt und die Leber in Mitleidenschaft gezogen.

Wie kommt es zu einer Alkoholvergiftung?

Aufgrund der begrenzten Ethanol-Abbaukapazität der Leber reichert sich das Nervengift ab gewissen Alkoholmengen im Blut an. Bei hochprozentigem Alkohol treten Vergiftungen logischerweise schneller auf. Haben Sie letztes Wochenende die Wirkung des Alkohols schnell bemerkt? Die individuelle Alkoholtoleranz und -abbaukapazität unterscheidet sich nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch von Tag zu Tag. Zu wenig gegessen, schlecht geschlafen oder in schlechter Allgemeinkonstitution: Neben Körpergewicht, Körpergröße und Alkoholerfahrung beeinflussen der Gesundheitszustand und der Mageninhalt die Toleranzgrenze.

Symptome einer Alkoholvergiftung

Alkoholvergiftungen verlaufen in vier Stadien, die von der Blutalkoholkonzentration abhängen. Im ersten Stadium, der sogenannten Exzitation treten neben Enthemmungserscheinungen, Redseligkeit und Reaktionszeitverlängerungen auch Gleichgewichtsstörungen auf. Das zweite Stadium (Hypnose) ist durch Sprach- und Artikulationsstörungen sowie Koordinationsstörungen gekennzeichnet. Neben Sehstörungen, Pupillenverengung und Erinnerungslosigkeit kommt Erbrechen vor. Das dritte Stadium (Narkose) geht mit Bewusstlosigkeit, Schockzuständen und Pupillenerweiterung einher, während sich im vierten Stadium (Asphyxie) Koma mit Pupillenreaktionslosigkeit, Schockzustände bis hin zu Kreislaufversagen sowie unregelmäßige Spontanatmung mit Atemstillstandgefahr einstellen.

Wie ist eine Alkoholvergiftung feststellbar?

Nach einem Glas Rotwein müssen Sie jedoch nicht gleich das Schlimmste befürchten. Alkoholkonzentrationen von etwa zwei Promille treten bei intensiveren Trinkgelagen auf. In diesem Fall ist nur ein Notarzteinsatz angesagt, wenn die Person nicht mehr ansprechbar ist oder sich Bewusstseinsverluste, instabile Atmung, starke Pupillenveränderungen, bedenkliche Nervendefizite oder starke Schweiß- und Zitterattacken einstellen. Auch starke Verwirrungsanfälle und mehrmaliges Erbrechen ohne Symptomverbesserung erfordern ärztlichen Beistand. Neben der Alkoholkonzentration im Blut bestimmen Ärzte mittels Drogen-Screening die eingenommenen Rauschmittel.

Behandlung einer Alkoholvergiftung

Bei Alkoholvergiftungen ab Stadium drei ist der Erhalt von Atmung und Kreislauf in intensivmedizinischer Betreuung angezeigt. Schon ab zwei Promille besteht akute Schockgefahr, der über intensivmedizinische Schockbekämpfungsmaßnahmen zu begegnen ist. Gegen drohende Unterzuckerung werden Glukoselösungen als Infusionszusatz verwendet. Bei Erbrechen besteht für Patienten mit Alkoholvergiftungen die Gefahr, am eigenen Erbrochenen zu ersticken. Auf der Intensivstation kümmert sich das Krankenhauspersonal um das Absaugen von Erbrochenem. Sollten Bewusstseinsverluste auftreten, ist mit stabiler Seiten- und Schocklage zu reagieren.

Vorbeugung gegen eine Alkoholintoxikation

Solange Sie den Konsum von Alkohol nicht übertreiben, sind Sie vor schweren Alkoholvergiftungen sicher. Sich stets unter der persönlichen Toleranzgrenze zu bewegen, ist jedoch die beste Prävention. Falls Sie doch etwas über die Stränge schlagen sollten, kann Kaffee helfen. Auch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, beispielsweise ein Glas Wasser oder Schorle zu jedem alkoholischen Getränk sind geschickte Vorbeugemaßnahmen. Kleine Snacks können die Wirkung des Ethanols ebenfalls abschwächen. Täglichen Alkoholkonsum gilt es zur Prävention chronischer Ethanolvergiftungen zu vermeiden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.