Bedeutender Neurotransmitter

Gesundheitslexikon: Acetylcholin

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23. Oktober 2019 - 13:40 Uhr

Acetylcholin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter in unserem Organismus

Acetylcholin gehört zu den Neurotransmittern. Seine Funktion als Überträgersubstanz im Nervensystem wurde von Otto Loewi bereits im Jahr 1921 erstmals beschrieben. Acetylcholin spielt eine bedeutende Rolle für zahlreiche Körperfunktionen und gilt als wichtigster Botenstoff des peripheren Nervensystems. Seine Wirkung im Gehirn wird vor allem bei der Therapie von Nervenerkrankungen genutzt.

Was ist Acetylcholin?

Als Neurotransmitter vermittelt Acetylcholin Reaktionen im zentralen Nervensystem (Gehirn) und ist an Prozessen beteiligt, die dem vegetativen Nervensystem zugeordnet werden. Neurotransmitter sind biochemische Verbindungen, die an der Weiterleitung von Signalen von einer Nervenzelle zur nächsten Zelle mitwirken. Über das vegetative Nervensystem werden lebenswichtige Funktionen gesteuert, die unbewusst ablaufen und nicht durch den eigenen Willen kontrolliert werden können. Die Arbeit der inneren Organe und des Herzen gehören dazu. Acetylcholin stellt ein Ester der Essigsäure und des Alkoholabkömmlings Cholin dar. Im natürlichen Stoffwechsel zerlegt das Enzym Acetylcholinesterase den Neurotransmitter in diese beiden Verbindungen.

Vorkommen und Funktion von Acetylcholin

Acetylcholin wird in den Nervenenden gebildet und in den Vesikeln, im Zytoplasma der Zelle, gespeichert. Während seiner Wirkung wird Acetylcholin in dem schmalen Raum zwischen der Membran der Nervenzelle und der nachgeschalteten Zelle, im synaptischen Spalt, freigesetzt und tritt mit den Cholinrezeptoren in Kontakt. So werden Reaktionen ausgelöst, die die Zielzelle erregen oder hemmen. Im peripheren Nervensystem vermittelt es die Signalübertragung von den motorischen Nervenzellen zu den Muskelfasern. Als Resultat zieht sich der Muskel zusammen (Muskelkontraktion). Es reguliert die Herztätigkeit, die Atmungsfrequenz, die Blutzirkulation und die Ausschüttung von Magensaft. Im Gehirn beeinflusst Acetylcholin das Schmerzempfinden und den Schlafrhythmus.

Was passiert bei einem Mangel oder Überschuss?

Bei der Alzheimer-Krankheit liegt ein Acetylcholinmangel vor, da bei den Betroffenen auch Acetylcholin produzierende Nervenzellen absterben. Der Morbus Parkinson wird von Muskelzittern begleitet, das auf einen Überschuss von Acetylcholin zurückgeführt wird. Es handelt sich um einen relativen Überschuss, der zustande kommt, wenn beim Untergang von Hirnregionen ein Ungleichgewicht zwischen den Botenstoffen entsteht. Eine Störung bei der Signalübertragung auf muskuläre Zielzellen ist die Ursache der Myasthenia gravis. Sie hat eine Muskelschwäche zur Folge. Als anticholinerges Syndrom wird ein krankhafter Zustand bezeichnet, der durch Stoffe verursacht wird, die die Wirkung des Acetylcholin hemmen. Der Körper reagiert ähnlich wie bei einem Mangel.

Wie wird Acetylcholin in der Medizin eingesetzt?

Acetylcholinesterasehemmer, auch als Cholinesterasehemmer oder AChE Blocker bezeichnet, sind Medikamente, die den Abbau von Acetylcholin verhindern. Damit wird die wirksame Menge des Neurotransmitters vergrößert. Sie finden bei Morbus Alzheimer und Myasthenia gravis Anwendung. Darüber hinaus gibt es pflanzliche Stoffe, wie das Atropin der Tollkirsche (Atropa belladonna), die in den Acetylcholinstoffwechsel eingreifen. Atropin wird sowohl in Form von Augentropfen als auch zur Behandlung von Krämpfen in der Magen- und Darmgegend eingesetzt. Botulinum, bekannt aus der Kosmetikbranche, wird aus Bakterien hergestellt. Es setzt vorübergehend die Reaktion von Acetylcholin außer Kraft und lässt so die Muskeln erschlaffen. Im Tierreich findet sich Acetylcholin beispielsweise im Gift der Hornisse.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden. Die Informationen über Arzneimittel haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.