Sozialverband VdK: "Sind da nicht die Löhne zu niedrig?“

Gerechtigkeitsdiskussion beim Bürgergeld: Lohnt sich Arbeit für Geringverdiener überhaupt?

"502 Euro bei den derzeitigen Preisen reichen nicht" Verena Bentele, Sozialverband VDK
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Verena Bentele, Sozialverband VDK
"502 Euro bei den derzeitigen Preisen reichen nicht"

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Es ist die größte Sozialreform seit Jahren: Mit dem Bürgergeld will die Ampel-Koalition Hartz IV hinter sich lassen. Doch kaum verabschiedet hagelt es von allen Seiten auch Kritik. Die einen sagen: 50 Euro Erhöhung reichen vorne und hinten nicht, andere befürchten, dass so der Anreiz, einen Job im Niedriglohnsektor anzunehmen, nicht mehr gegeben ist. Der Lohnabstand sei dadurch zu gering, Arbeit lohne sich nicht.

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Lohnt sich Arbeit überhaupt noch?

„Ich würde mich dann ja eher fragen, wenn ich so eine Aussage tätige: Sind da nicht die Löhne zu niedrig?“, sagt die Chefin des Sozialverbandes VdK Verena Bentele im RTL-Interview. „Im Niedriglohnbereich kriegen viele Menschen einfach für ihre Arbeit zu wenig Geld. Und das ist jetzt der Job der Tarifpartner, da wirklich noch mal hart zu verhandeln und in der jetzigen Zeit der Inflation und der steigenden Preise wirklich auch zu gucken, dass die Löhne steigen, gerade und insbesondere in den Jobs, wo eben nicht supergut bezahlt wird.“

Ganz anders sieht es Gitta Connemann von der CDU: „Das Bürgergeld konterkariert den Leistungsgedanken. Fördern und Fordern wird außer Kraft gesetzt. Jemand, der nicht bereit ist, mitzuarbeiten, erhält dem Grunde nach keine Sanktionen, bekommt erhöhte Sätze“, sagt sie im RTL-Interview.

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Tatsächlich ist die Summe, die unterm Strich bleibt, wenn man im Niedriglohnsektor arbeitet, nicht sehr viel höher als beim Hartz IV-Satz, wie wir zusammen mit dem Institut für Wirtschaft ausgerechnet haben. Vergleicht man also das monatliche Einkommen als Bürgergeld-Empfänger mit dem Vollzeit-Gehalt eines Geringverdieners mit Mindestlohn ergibt sich ein Unterschied von rund 470 Euro, die der Geringverdiener netto mehr in der Tasche hat. Hinzu kämen beim Geringverdiener aber noch die Möglichkeiten, sich übers Wohngeld Unterstützung zu holen, sowie bald auch die im Entlastungspaket beschlossene Steueränderung für Midi-Jobs. Die ganze Rechnung können Sie hier nachlesen.

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Konzertierte Aktion: Finden Kanzler, Arbeitgeber und Gewerkschaften eine Lösung?

Ob Menschen in Grundsicherung, Geringverdiener oder auch die Mittelschicht: Die hohen Preise belasten alle Haushaltsbudgets. Spannend daher, ob es am Donnerstag Ergebnisse zur Entlastung gibt. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) trifft sich mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften zur zweiten Sitzung der sogenannten konzertierten Aktion. Bei den Gesprächen geht es um die Suche nach gemeinsamen Lösungen zur Bekämpfung von Abschwung-Risiken und Inflation.

Eine Aufgabe der konzertierten Aktion sei es, dass das Unterhaken in den Betrieben gelinge, so Scholz am Dienstag auf dem Arbeitgebertag. Er erinnerte daran, dass die Regierung mögliche Unterstützungszahlungen der Unternehmen an die Beschäftigten bis zu 3.000 Euro steuer- und abgabenfrei stellen wolle. Er ermutige die Arbeitgeber, davon Gebrauch zu machen.

Eingeladen zu dem Treffen im Bundeskanzleramt sind auch Finanzminister Christian Lindner (FDP), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sowie die Bundesbank und Wirtschaftsexperten. (eku, mit dpa)

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