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Gelähmt nach Chiropraktiker-Behandlung: Australierin erlitt Schlaganfall - wie kann das passieren?

„Zutiefst erschüttert“

Frau nach Chiropraktik-Termin gelähmt: Arzt erklärt, warum dieser Horror oft vorkommt

caitlin jensen
Caitlin Jensen hat während eines routinemäßigen Chiropraktik-Termins schlimmste Verletzungen erlitten.
gofundme/caitlin jensen

Es ist ein schrecklicher Vorfall, der sich für Caitin Jensen beim Chiropraktiker im US-Bundesstaat Georgia ereignet hat. Die Frau hat während ihres Termins einen Schlaganfall und schwerste Verletzungen erlitten – seitdem ist sie größtenteils gelähmt. Nun sammelt ihre Mutter Spenden für die Behandlung ihrer Tochter. Im RTL-Gespräch erklärt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht, warum Schlaganfälle durch Chirotherapie häufig vorkommen und warnt vor den riskanten Verfahren, die Chiropraktiker anwenden.

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Frau erleidet nach Chiropraktiker-Behandlung Herzstillstand und Schlaganfall

Die Australierin Caitlin Jensen, eine Absolventin der Georgia Southern University in Biologie und Chemie, buchte laut der Online-Plattform „news.com.au“ einen Termin bei einem Chiropraktiker für eine Routine-Behandlung. Doch das Verfahren führte zu einer sogenannten „Dissektion“ von vier Arterien in ihrem Hals. Durch einen Riss (Dissektion) in der Innenwand des Gefäßes läuft das Blut zwischen die Innen- und Außenwand des Gefäßes. Es bildet sich eine zweite, „falsche“ Blutbahn. Deswegen wird das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt. Die falsche Blutbahn verdrängt die richtige Blutbahn – bis hin zum Verschluss der Schlagader, der bei Caitlin Jensen zu einem Herzstillstand und einem Schlaganfall führte.

Die junge Frau war mehr als 10 Minuten lang ohne Puls, als sie ins Memorial Hospital in Savannah gebracht wurde. Dort wurde sie sofort operiert und kämpft seitdem auf der neurologischen Intensivstation mit einem Schädel-Hirn-Trauma um ihr Leben.

Ihre Erfahrung ist gefragt: Waren Sie schon mal bei einem Chiropraktiker?

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Mutter von Caitlin Jensen startet Spenden-Aktion und sammelt 20.000 Dollar bei „GoFundMe“

Caitlin Jensen
Die Mutter von Caitlin sammelt auf der Plattform "Gofundme" Geld für die Behandlung ihrer Tochter.
gofundme/Caitlin Jensen

Nach der Tragödie beim Chiropraktiker startete Caitlins Mutter Darlene eine „GoFundMe“ Spenden-Aktion und sammelte bisher mehr als 20.000 US-Dollar (19.542 Euro) für ihre laufenden medizinischen Kosten. In der Beschreibung der Kampagne sagte ihre Mutter, ihre Tochter sei weitgehend gelähmt und könne ihren Körper nicht mehr bewegen.

„Sie befindet sich in einem kritischen Zustand und dieses Trauma hat zu einer traumatischen Hirnverletzung geführt. Caitlin ist derzeit bei Bewusstsein und in der Lage, auf verbale Befehle zu reagieren, indem sie mit den Augen blinzelt und mit den Zehen ihres linken Fußes wackelt“, schrieb ihre Mutter im Spenden-Aufruf.

Und fügte hinzu: „Der Rest ihres Körpers befindet sich jedoch aufgrund der Verletzung in einem Zustand der Lähmung. Caitlin hat einen langen Weg der Genesung hinter sich, und als College-Studentin hat sie eine sehr einfache Versicherung. Daher werde sie erhebliche finanzielle Ressourcen benötigen.

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„Bemerkenswert“, dass Caitlin noch am Leben ist – Mutter von Erfahrung zutiefst erschüttert

Nach Caitlins erster Operation veröffentlichte ihre Mutter einen kurzen Zwischenstand zu ihrer Gesundheit. Sie sagte, es sei „bemerkenswert“, dass ihre Tochter noch am Leben sei. Und: „Ich bin von dieser Erfahrung zutiefst erschüttert. Wenn ich mein kleines Mädchen anschaue, das da liegt und sie die Fähigkeit hat, mich anzusehen … Leben in ihren Augen zu sehen … sie zu berühren und mit ihr zu sprechen … sie LEBT. Halleluja."

Vor allem in den USA und Australien sind Besuche beim Chiropraktiker weit verbreitet. Millionenfach renken Chiropraktiker jährlich aber auch Wirbel in Deutschland ein. Unter Chiropraktikern ist insbesondere das Einrenken der Halswirbelsäule inzwischen eine beliebte Heilmethode. Das ist laut Medizinjournalist und Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht gefährlich und das, was Caitlin passiert ist, sei leider keine Seltenheit.

Dr. Christoph Specht schätzt die Lage im RTL-Interview ein.
Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht schätzt ein.
RTL

Chiropraktiker-Tragödie: Arzt ordnet Fall ein – "kommt sehr häufig vor"

„Das ist eine Katastrophe und solche Schlaganfälle nach einer Chiropraktiker-Behandlung kommen sehr häufig vor. Das große Problem ist, dass die Ausbildung mit Medizin nichts zu tun hat! Diese abenteuerlichen Einrenkungsmechanismen führen dazu, dass jeder Arzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt“, sagt Dr. Specht.

Patienten würden Chiropraktiker häufig mit Physiotherapeuten in einen Zusammenhang bringen. Diese Verwechslung könnte jedoch zu fatalen Gesundheitsproblemen führen.

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Chiropraktiker-Eingriff: Arzt klärt auf – Patienten können Schlaganfall erleiden

Die Patienten hoffen, dass der schnelle Griff gegen Verspannungen und Rückenprobleme helfen kann. Doch laut Dr. Specht belegen Studien, dass gerade bei jüngeren Patienten die hinteren Halsschlagadern verletzt werden können. Das Ergebnis: Schlaganfall.

„Durch einen mechanischen Druck kommt es zu einem Einriss des Arteriengefäßes. Bei einem chiropraktischen Eingriff passiert es häufig, dass eine Arterie im Wirbelsäulen-Bereich gedehnt wird und die innere Auskleidung reißt ein – es kommt zur Dissektion“, beschreibt Specht. Behandlungen beim Chiropraktiker seien immer mit dem hohen Risiko einer solchen Aorten-Dissektion verbunden, warnt Specht. Deshalb sei von Chiropraktiker-Besuchen abzuraten. (mjä)