14. März 2019 - 18:34 Uhr

Höchste moralische Bedenken

Wie weit darf Gentechnik gehen? Die Entdecker der umstrittenen Methode Crispr sagen: Bis hierher – und nicht weiter. Zumindest bis es ein weltweites ethisches Regelwerk für die Technik gibt, mit der die DNA von Embryos verändert werden kann. Denn damit könnten nicht nur schwere Krankheiten vermieden, sondern auch regelrechte Designerbabys erschaffen werden.

Menschenversuche offenbar bereits Realität

Diese Meldung sorgte vor wenigen Monaten für weltweite Entrüstung: In China berichtete ein Forscher über die Geburt von Zwillingen, die resistent gegen HIV sind – weil ihr Erbgut im embryonalen Zustand verändert wurde. Nun reagierten 18 Forscher, darunter die Entdecker der bei dem Experiment angewandten Crispr/Cas9-Methode, mit einem Appell an Wissenschaftler, Ärzte und Politiker weltweit:

"Wir fordern einen globalen Aufschub aller klinischen Anwendungen, bei denen die menschliche Keimbahn bearbeitet wird – also Erbgut (in Sperma, Eizellen oder Embryos) verändert wird, um genetisch veränderte Kinder zu schaffen."

„Menschheit könnte in Unterarten geteilt werden“

Die Forscher fordern alle Nationen auf, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und verbindliche ethische Richtlinien für die Anwendung von Crispr zu entwickeln, bevor weiter damit experimentiert wird. Denn mit der sogenannten Gen-Schere können "unerwünschte" Informationen im Erbgut einfach herausgeschnitten und ersetzt werden.

Auch wenn darin riesige Chancen im Kampf gegen Krankheiten liegen: Die Veränderung menschlicher DNA kann in moralischer und gesellschaftlicher Hinsicht undenkbare Folgen haben.  Davor warnen auch die Autoren: "Individuen, die eine Behinderung haben, können stigmatisiert und diskriminiert werden. Eltern könnten unter starken Druck geraten, ihre Kinder zu verbessern. Die Optimierung der Gene könnte die Menschheit sogar in Unterarten teilen".

Vereint gegen Missbrauch der Wissenschaft

Zu den Verfassern des Appells, der in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht wurde, gehören auch die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier sowie Bio-Ingenieur Feng Zhang. Beide streiten sich laut dem "Zeit"-Magazin seit Jahren vor Gericht, wer von beiden der Entdecker von Crispr/Cas9 ist und das Patentrecht daran hat. In einer Sache sind sie sich jedoch offenbar einig: Ihre Entdeckung könnte nicht nur eine Revolution sein, sondern auch extrem gefährlich für die gesamte Menschheit.