Verhängnisvolle Sucht

Nasenspray frisst riesiges Loch in Franziskas Nase

11. November 2019 - 15:17 Uhr

Sprüh-Abhängigkeit ist wahre Volkskrankheit

Trockene Heizungsluft, Schnupfen – und schon ist die Nase zu. Der Griff zum abschwellenden Spray bringt dann sofort Entlastung. Allerdings nur, bis die Wirkung nachlässt und man wieder sprühen muss. Ein Teufelskreis für mindestens 100.000 Nasenspray-Süchtige in Deutschland. Auch Franziska gehörte zu ihnen: Sie konnte monatelang nicht mehr ohne das "Wundermittel" leben, ein Fläschchen reichte gerade mal für zwei Wochen. Bis sie auf einmal einen Pfeifton beim Atmen hörte. Welche schlimmen Schäden das rezeptfreie Arzneimittel in ihrer Nase anrichtete, sehen Sie im Video.

Im schlimmsten Fall droht der Verlust des Geruchssinns

Abschwellende Nasensprays enthalten Wirkstoffe wie Xylometazolin, Oxymetazolin oder Tramazolin, die Schnupfen- und Allergiegeplagten sofort Linderung verschaffen. Das Problem: Die Wirkung lässt schnell nach, ein Gewöhnungseffekt tritt ein. Eigentlich sollten die Sprays deshalb höchstens eine Woche lang angewendet werden, doch viele Betroffene können nicht mehr damit aufhören. Es entsteht eine Abhängigkeit, die alles andere als harmlos ist: Es drohen Schäden an der Schleimhaut und im schlimmsten Fall sogar der Verlust des Geruchssinns.

Die meisten abschwellenden Sprays sind ohne Rezept in der Apotheke oder sogar im Drogeriemarkt erhältlich. So kommen Süchtige problemlos an ihre "Droge". Experten fordern deshalb Warnhinweise auf den Verpackungen.

Raus aus der Abhängigkeit

Auch, wenn Betroffene oft das Gefühl haben, dass ihnen ohne die regelmäßigen Sprühstöße die Luft zum Atmen fehlt - es gibt Wege aus der Sucht heraus. HNO-Arzt Dr. Roy Süssmann weiß, wie das zu schaffen ist:

  • Kein kalter Entzug

Der erste Schritt für eine langsame Entwöhnung: "Nur noch ein Nasenloch pro Tag und vor allem in der Nacht besprühen", rät Dr. Süssmann.

  • Cortison-Spray zur Unterstützung

Cortison-Sprays lassen die Schleimhäute ebenfalls abschwellen und haben eine entzündungshemmende Wirkung. Über einen Zeitraum von wenigen Tagen können sie helfen, den gefährlichen "Jojo-Effekt" der Abschwell-Sprays abzuschwächen.

  • Langsame Reduzierung der Dosis

"Anschließend sollte man mit dem Nasenspray auf Kinder- und Säuglings-Dosierung runtergehen", rät Dr. Süssmann. Die entsprechenden Sprays enthalten eine deutlich geringere Konzentration des Wirkstoffs.

  • Umsteigen auf Alternativen

Sprays und Salben mit Meerwasser und Dexpanthenol haben zwar keine abschwellende Wirkung, befeuchten aber die Nase und unterstützen dabei, festsitzenden Schleim zu lösen.

Wer dauerhaft schlecht Luft bekommt, sollte außerdem unbedingt beim Arzt abklären lassen, warum. Denn nicht selten stecken dahinter Probleme wie eine schiefe Nasenscheidewand, chronische Nebenhöhlenentzündungen oder Polypen.