Massive Einschränkungen im Regionalverkehr

GDL-Streik: Schon wieder Chaos und Stillstand für Reisende

«Bitte Ansage beachten» am Hauptbahnhof Hamburg
Dritter GDL-Streik hat begonnen: Züge im Norden fallen teilweise komplett aus. Foto: Georg Wendt/dpa
deutsche presse agentur

Zugausfälle und -verspätungen

Es ist der längste Arbeitskampf im laufenden Tarifkonflikt – mit massiven Auswirkungen auf den norddeutschen Bahnverkehr: Seit Donnerstagmorgen um 2:00 Uhr bestreikt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Personenverkehr. Der Kampf soll fünf Tage gehen, bis zum 7. September. Die Einschränkungen treffen auch den Regionalverkehr in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Reisende der Deutschen Bahn müssen sich im Norden demnach auf zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen einstellen.

Mindestfahrplanangebot bleibt erhalten

02.09.2021, Bayern, München: Auf einer Anzeigetafel der Haupthalle des Hauptbahnhofs steht der Schriftzug ·GDL-Streik·. Auf Grund eines Streiks der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) fallen Züge aus. Die Gewerkschaft dehnte in den Morgenstunden ihren S
Der Lokführer-Streik soll bis zum 7. September gehen.
kne tba, dpa, Peter Kneffel

Ein Ersatzfahrplan soll in den kommenden Tagen den Verkehr auf bestimmten Strecken absichern. "Wir hoffen, dass es genauso abläuft, wie bei den letzten beiden Streiks und wir ein verlässliches Mindestfahrplanangebot aufrechterhalten können", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am frühen Donnerstagmorgen.

Hamburger S-Bahn-Linien teilweise betroffen

Fahrgäste der Hamburger S-Bahn müssen sich darauf einstellen, dass die Linien S31, S2 und S11 während des Streiks nicht fahren. Beim Betrieb der Linien S1, S21 und S3 werde aber versucht, einen 20-Minuten-Takt aufrecht zu erhalten.

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In Schleswig-Holstein fallen Regionalbahnen aus

In Schleswig-Holstein trifft es vor allem Pendler hart: Die Regionalbahnen fallen teilweise komplett aus. Für die betroffenen Strecken soll es aber einen Schienenersatzverkehr geben.

Zwischen Westerland und Niebüll (RE 6) wird überwiegend ein Zweistundentakt mit einer Verdichtung zur Hauptverkehrszeit angeboten. Auch zwischen Flensburg und Hamburg (RE 7/RE 70) und zwischen Kiel und Lübeck (RB 84) fahren die Regionalbahnen laut Db im Zweistundentakt. Zwischen Lübeck und Hamburg (RE 8) verkehren die Züge im Stundentakt und halten zusätzlich in Ahrensburg.

Nicht vom Lokführerstreik betroffen sind voraussichtlich Züge von Metronom, AKN und Nordbahn. Auch der Sylt-Shuttle ist vom Streik ausgenommen, hier wird der Regelfahrplan gefahren.

Teilweise Stillstand in Niedersachsen und Bremen

Auch in Niedersachsen und Bremen fallen einige Regionalbahnen vollständig aus. Zwischen Braunschweig und Schöppenstedt (RB 45), Braunschweig und Herzberg (RB 46), Göttingen und Nordhausen (RB 80/81), Göttingen und Bad Harzburg (RB 82) fahren die Regionalbahnen im Zweistundentakt. Auch der Regionalexpress zwischen Norddeich Mole und Hannover Hbf (RE 1), Osnabrück und Bremerhaven (RE 9), und Cuxhaven und Hamburg (RE 5) fährt voraussichtlich alle zwei Stunden. Die NordWestBahn und der erixx sind als private Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht vom Streik betroffen.

Fahrgäste der S-Bahn müssen sich ebenfalls auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Die S5 zum Flughafen Hannover etwa verkehrt nur im Stundentakt zwischen Hannover Flughafen und Hameln/Bad Pyrmont - zwischen Hameln und Paderborn im Dreistundentakt. Die Linien der S4 (Bennemühlen - Hannover Hbf - Hildesheim Hbf) fallen voraussichtlich aus.

Angebot der DB nicht ausreichend

02.09.2021, Berlin: Ein Mann sitzt im Hauptbahnhof Berlin auf einer Bank und schläft. Ein bundesweiter Lokführer-Streik im Personenverkehr hat begonnen. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte ihre Mitglieder zum Streik bei der Deutschen Bahn aufgerufen.
Reisende müssen sich auf Zugausfälle einstellen.
ost, dpa, Paul Zinken

Der Arbeitskampf der GDL hat bereits am Mittwochnachmittag im Güterverkehr begonnen. Am Abend, kurz vor dem geplanten neuen Streik im Personenverkehr, hatte sich die Deutsche Bahn mit einem neuen Angebot an die Lokführergewerkschaft gewandt. Der Arbeitskampf liefe trotzdem weiter, teilte ein Sprecher der GDL am Donnerstag mit. „Das neue Angebot der Deutschen Bahn ist nicht ausreichend», sagte er.

Voraussichtlich bis Dienstagmorgen müssen sich Bahnkunden damit auf starke Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr einstellen. Die Bahn hat angekündigt, rund jeden vierten Fernverkehrszug fahren zu lassen. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll rund 40 Prozent des sonst üblichen Angebots Bestand haben. „Je länger der Streik dauert, desto größer sind die Auswirkungen“, vermutet der GDL-Sprecher. Denn die Beamten, die nicht streiken dürfen, müssten Ruhetagsregelungen einhalten. Der Sprecher erwarte deshalb im Laufe des Streiks noch weitere Beeinträchtigungen.

GDL fordert mehr Geld und eine Corona-Prämie

Auch beim dritten Streik kämpft die GDL um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Mit dem auf mehr als fünf Tage angesetzten Streik in der laufenden Tarifrunde bei der Bahn will die GDL ihren Forderungen nach insgesamt 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro mehr Nachdruck verleihen. Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich eine deutlich längere Laufzeit von rund 40 Monaten angestrebt. Mit dem neuen Angebot hat sie nun 36 Monate in Aussicht gestellt sowie eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro. Der jüngste Streik war in der Nacht zu Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. (dpa/fst/lzi)