Fukushima ist nicht unter Kontrolle – RTL-Reporterin vor Ort

Angeblich fließt ständig Wasser ins Meer

Es ist eine immerwährende Katastrophe: Im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima in Japan ist erneut hochradioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten. Hundert Tonnen Wasser seien aus einem Tank gelaufen, teilte der AKW-Betreiber Tepco mit. Es sei aber unwahrscheinlich, dass das Wasser ins Meer gelangt sei, sagte ein Sprecher von Tokyo Electric Power Co (Tepco).

fukushima-ist-nicht-unter-kontrolle-rtl-reporterin-vor-ort
Erneuter Zwischenfall in Atomruine Fukushima
dpa, Tepco

Tepco ergreife verschiedene Maßnahmen und bitte die Öffentlichkeit um Entschuldigung für den Vorfall. Es ist der schwerste Zwischenfall seit August, als eine ganze Reihe von Lecks an den Sammeltanks entdeckt worden waren.

Ganz anders stellt das ein Arbeiter, der im Reaktor beschäftigt ist, dar. Er erzählte RTL-Auslandsreporterin Nadja Kriewald, die zurzeit zu Dreharbeiten in der Nähe der Atomruine ist, dass es durchaus sein könnte, dass Wasser ins Meer gelaufen sei, eigentlich fließe ständig Wasser in den Pazifik, sagte der Arbeiter, der anonym bleiben möchte.

Auch habe der Vorfall nicht die allerhöchste Alarmstufe ausgelöst, es sei schon Schlimmeres passiert. Der Reaktor sei eben keineswegs unter Kontrolle, so der Arbeiter.

Atombehörde: Tepco fehlt grundsätzliches Verständnis

In der offiziellen Mitteilung von Tepco heißt es weiter, das Wasser sei aus einem der großen Sammeltanks ausgelaufen, weil eine Absperrung versehentlich offen geblieben sei und so zu viel Wasser in ein angrenzendes Becken gelangt sei. Arbeiter hätten auf einem Kontrollgang festgestellt, dass Wasser aus einer Leitung an der Seite des Tanks getropft sei. Dieser befinde sich rund 700 Meter vom Meer entfernt.

Das Atomkraftwerk war bei dem verheerenden Erdbeben und dem folgenden Tsunami im März 2011 zerstört worden. Es kam zur Kernschmelze. Fukushima liegt rund 200 Kilometer von der Hauptstadt Tokio entfernt.

Tepco steht wegen seines Krisenmanagements nach der Katastrophe in der Kritik. Die japanische Atombehörde warf dem Konzern erst kürzlich vor, neue Messfehler bei der Feststellung der Höhe der Radioaktivität begangen zu haben. Fast drei Jahre nach dem Unglück fehle immer noch ein grundsätzliches Verständnis für die Erfassung und den Umgang mit radioaktiver Strahlung, hatte die Behörde erklärt.