Weniger Stress mit dem Wocheneinkauf

Frischkost auf Knopfdruck: Für wen lohnt sich Amazon Fresh - und was kann der Online-Supermarkt?

© picture alliance

18. Juni 2019 - 20:39 Uhr

Eier, Butter und Schinken einfach liefern lassen?

Nach der Arbeit zu müde, um den Wocheneinkauf zu erledigen? Wie schön wäre es, wenn da einfach ein Päckchen mit Butter, Eiern, Gemüse und Schinken ins Haus geflogen käme – so simpel bestellt wie eine CD oder ein Buch! Amazon Fresh* versucht seit zwei Jahren, das möglich zu machen, zumindest in einer Handvoll ausgewählter Testgebiete.

Es gibt ganz klar eine Zielgruppe für Lieferdienste wie Amazon Fresh & Co.

Die Idee, Lebensmittel übers Internet zu verkaufen, ist keinesfalls neu, das konnte man zur Jahrtausendwende schon. Die Pioniere auf dem Gebiet (wie die Firma Netconsum) sind aber schon vor Jahren damit gescheitert. Und auch heute gibt es reichlich Konkurrenz auf dem Gebiet: Rewe und Real versuchen sich ebenfalls als Online-Lebensmittel-Lieferant – genau wie zahlreiche Online-Märkte wie food.de, Bringmeister.de oder Getnow.de. Aber wie schlägt sich der Internet-Riese Amazon eigentlich im Vergleich zur kleineren Konkurrenz? Das hat die Stiftung Warentest in Heft 10/2018 untersucht - und es gab Lob für Amazon Fresh.

Den Wocheneinkauf online erledigen? Das Angebot ist attraktiv für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, denen das Schleppen von Einkaufstüten Schwierigkeiten bereitet. Aber auch für junge Eltern, die nicht mehrere Kinder durch riesige Supermärkte bugsieren wollen oder für Kunden aus dem ländlichen Bereich, die in kleinen Lebensmittelmärkten oft nur ein Grundsortiment finden und nicht drei verschiedene Supermärkte zur Auswahl haben. Und wer gar kein Fahrzeug zur Verfügung hat, freut sich vermutlich auch, sich größere Mengen bis an die Tür liefern zu lassen.

Auch wenn man beispielsweise aufgrund von Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf besondere Kost angewiesen ist, fehlen außerhalb der urbanen Ballungsräume oft Bezugsquellen vor Ort. Selbst in Großstädten müssen Kunden oft mehrere Läden ansteuern, wenn sie sich beispielsweise glutenfrei ernähren müssen. Das Angebot von Amazon Fresh ist in diesem Bereich zwar nicht so umfangreich wie die Konkurrenz der Special-Needs-Webportale wie Querfood oder Foodoase, doch bietet Amazon Fresh einige Produkte, die auch in Metropolen und vielen Online-Shops nur schwer zu kriegen sind – auch Tiefkühlware.

In diesen Städten liefert Amazon Fresh

Amazon Fresh in New York A bicycle with a tote from Amazon Fresh in New York on Friday, November 17, 2017. Online groceries are considered to be one of the hottest segments of retail. ( PUBLICATIONxNOTxINxUSAxUK RichardxB.xLevine
Amazon-Fresh-Lieferung per Rad in New York
© imago images / Levine-Roberts, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ganz so einfach ist der Einkauf auf Knopfdruck dann doch nicht. Momentan liefert Amazon Fresh* nämlich nur genau dorthin, wo man eh die geringsten Probleme hat, Nahrungsmittel jenseits der Durchschnittsverpflegung zu erwerben: nach Berlin, Hamburg, München und Potsdam. Wer in Köln oder Frankfurt oder gar auf dem Land wohnt, kann nur über eins der anderen Amazon-Angebote Trockenware wie Nudeln oder Müsli ordern – oder bestellt bei AllyouneedFresh, Amorebio, MyTime.de oder Natur.com.

Immerhin: Wer bis mittags bestellt, kann sich die Frischkost bis zum Abendessen liefern lassen, verspricht Amazon auf seiner Webseite. Wer erst abends zum Ordern kommt, wählt ein Zwei-Stunden-Zeitfenster am Folgetag zwischen 5 und 22 Uhr und nimmt die Ware persönlich in Empfang oder lässt sie an einem geschützten Ort abstellen.

Den Service lässt sich Amazon auch bezahlen. Die Preise sind meist im Durchschnittsbereich. Doch Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft bei Amazon Prime*, die mit 69 Euro Jahresgebühr zu Buche schlägt, auch wenn andere Leistungen darin enthalten sind. Für Fresh kommen dann noch mal 9,99 Euro monatlich dazu. Die Lieferung kostet nur dann nichts, wenn man für mindestens 40 Euro, in München sogar für 50 Euro einkauft. Dafür darf man so oft bestellen, wie man will. Eine Minilieferung schlüge also für Prime-Kunden trotz der 9,99-Fresh-Flatrate noch mit 5,99 Euro Versandkosten zu Buche. Das lohnt sich vermutlich in den seltensten Fällen.

Umweltfreundlich ist das Ganze natürlich nur, wenn Fahrradboten eingesetzt werden. Bei größeren Mengen und TK-Waren nicht praktikabel, sondern eher ein Fall für den Lieferwagen. Bei MyTime.de oder Amorebio wird Ware zusätzlich zu den Umverpackungen auch noch in Kartons oder Luftpolsterfolie gesteckt. Bringmeister, Amazon Fresh oder Rewe verpacken laut Stiftung Warentest fast nur in Papiertüten und nehmen diese bei Bedarf auch gleich wieder mit. Auf der anderen Seite fahren viele Menschen auch so für einen Karton Eier mit dem Auto zum nächsten Supermarkt und kaufen in Plastik eingeschweißtes Gemüse.

Beinahe Testsieger bei Stiftung Warentest: Amazon Fresh

Die Kollegen von Stiftung Warentest loben den Fresh-Service von Amazon: "Schneidet als einziger Dienst im Prüfpunkt Lieferung gut ab, hat Kühlware am besten unter Kontrolle." Weil Amazon aber nicht rechtzeitig zum Mai 2018 die Datenschutzerklärung an die neue DSGVO angepasst hatte, landete Amazon Fresh hinter mytime.de, Bringmeister.de und Rewe nur auf Platz vier.

*Wir arbeiten in diesem Beitrag mit Affiliate-Links. Wenn Sie über diese Links ein Produkt kaufen, erhalten wir vom Anbieter eine Provision. Für Sie entstehen dabei keine Mehrkosten. Wo und wann Sie ein Produkt kaufen, bleibt natürlich Ihnen überlassen.