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Beim Fremdstillen lauern einige Gefahren

Das sollten Sie über das Cross-Nursing wissen

Muttermilch ist für ein Baby die beste Nahrung.
Muttermilch ist für ein Baby die beste Nahrung.

20. Januar 2020 - 14:00 Uhr

Wie gesund ist die Muttermilch fremder Frauen für mein Kind?

Beste Freundinnen teilen fast alles. Aber auch das Stillen? Filmemacherin Greta Gerwig macht damit Schlagzeilen, dass sie sich gemeinsam mit einer Freundin, die momentan ebenfalls ihr Baby stillt, die Muttermilch teilt. Sie ist sich sicher: das Cross-Nursing stärke das Immunsystem.

Aber wie gesund ist Fremdstillen tatsächlich? Und ist es psychologisch gesehen nicht problematisch, wenn mein Baby einmal von mir und einmal von einer anderen Frau gestillt wird? 

Unterschiedlichste Gründe fürs Fremdstillen

Ein fremdes Kind stillen? Das klingt für viele Frauen erst einmal seltsam. Schließlich nehmen viele gerade das Stillen als einen besonders intimen Moment zwischen Mutter und Kind wahr. Aber es gibt auch immer wieder Geschichten von Frauen, die die Kinder anderer Frauen stillen. Wie die einer argentinischen Polizistin, die ein fremdes, unterernährtes Kind stillt und damit sein Leben rettet. 

Die Gründe dafür, dass Frauen die Babys anderer Frauen stillen, sind zahlreich: Manche Frauen haben zu wenig Milch, um ihr Baby selbst stillen zu können. Andere wollen sofort nach der Geburt wieder arbeiten, haben keine Zeit, dem Kind immer dann die Brust zu geben, wenn es Hunger hat.  Ihnen allen ist gemein, dass sie an die guten Inhaltsstoffe von Muttermilch glauben. Denn was seine Inhaltsstoffe anbelangt ist Muttermilch das reinste Superfood.

Stillen ist auch ein kulturelles Thema

Was uns so seltsam erscheint, ist andernorts völlig normal. In der Mongolei beispielsweise ist das Stillen nicht auf eine Person beschränkt. Ist die Mutter eines Kindes gerade nicht greifbar, dann stillt eben die Großmutter oder auch eine Nachbarin das Kind. Auch bei uns zu Lande waren Ammen bis ins 19.Jahrhundert gang und gäbe. Es galt sogar als besonders vornehm, seine Kinder stillen zu lassen.

Medizinisch spricht nichts gegen Fremdstillen

Rein medizinisch gesehen spricht eigentlich nicht viel gegen das "Cross-Nursing", wie das Fremdstillen auch genannt wird. "Stillen ist grundsätzlich erstmal gut", davon ist Gynäkologin Dr. Marion Krawitz überzeugt. Alle positiven Effekte des Stillens sind auch beim Fremdstillen gegeben. Allerdings ist das Ganze auch nicht ganz ohne Risiko. Schließlich werden auch Körperflüssigkeiten ausgetauscht. "Die Frage ist: Sind beide Mütter gesund? Trinken sie, rauchen sie? Wie ernähren sie sich?", gibt die Expertin zu bedenken.

Außerdem dürfe man den psychologischen Aspekt nicht außer Acht lassen. Stichwort Bonding (deutsch Bindung).  So könnte das Baby verwirrt und frustriert reagieren, wenn es sicher an die Mutter gebunden ist und dann von einer anderen Frau gestillt wird. "Von der Natur ist es so eingerichtet, dass man durch das Stillen eine Bezugsperson hat, zu der man eine besonders große Bindung aufbauen kann. Ich kann mir vorstellen, dass (der Tausch) für das Kind verwirrend ist.", so Dr. Krawitz. Und auch für die Mutter ist der psychologische Aspekt nicht zu unterschätzen. Es mag rational betrachtet absolut unproblematisch sein, sich beim Stillen abzuwechseln, doch es gibt Frauen, für die so ein Baby-Sharing emotional belastend ist, auch wenn noch so viele gute Argumente dafür sprechen.

Und noch ein Problem sollte bedacht werden: Es gibt einige seltene Krankheiten, die auch beim Stillen übertragen werden können. Dazu gehörten das Zytomgalie-Virus (CMV), der eine normalerweise harmlos verlaufende Infektion auslöst. Zytomegalie ist hauptsächlich für ungeborene Babys gefährlich. Aber auch HIV kann beim Stillen übertragen werden.

Daran sollen Sie beim Thema Fremdstillen denken

Wenn Sie sich -aus welchen Gründen auch immer - dazu entscheiden, ihr Baby fremdstillen zu lassen oder selbst fremd zu stillen, sollten Sie auf einige Dinge achten. 

  • Hören Sie auf Ihre innere Stimme!
    ​Stillen ist für viele ein extrem intimer Moment. Die Mutter des Babys muss ganz sicher sein, dass sie es emotional verkraftet, dass eine andere Frau ihr Baby stillt. Rational betrachtet mag es kein Problem sein, aber die Psyche der Mutter spielt eine große Rolle. 

  • Ist das Baby bereit?
    Auch das Baby muss das Fremdstillen "wollen". Je nach Alter und Persönlichkeit des Kindes kann es sein, dass es sich nicht von einer anderen Frau stillen lässt.

  • Machen Sie einen Gesundheits-Check!
    Selbst bei sehr vertrauten Still-Ersatzmüttern raten Experten dazu, einen Arzt hinzuzuziehen und einen grundsätzlichen Gesundheits-Check zu machen. 

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