Familie wegen Schulpflicht nach Portugal ausgewandert

Freilerner-Mutter: „Unsere Kinder werden zwangsgefüttert“

© Instagram, Zervos, Aristotelis [RTL interactive]

14. Mai 2019 - 7:55 Uhr

Sieben Kinder, eigene Regeln

Bildung ist ein Segen – oder doch nicht? Nicht, wenn man sich dabei dem deutschen Schulsystem unterordnen muss, findet Line Fuks. Die sieben Kinder, die sie gemeinsam mit ihrer Partnerin großzieht, lernen zu Hause nach ihren eigenen Regeln. Freilernen nennt sich das – doch das ist in Deutschland nicht erlaubt. Nicht zuletzt deshalb wanderte die Familie schließlich in die Wildnis Portugals aus.

„Zum Einheitsbrei erzogen“

Line Fuks betreibt den Blog "Wildnisfamilie", auf dem sie regelmäßig darüber schreibt, warum sie ihre Kinder von der Schule fernhält. "In den Klauen des Systems Schule verwandeln sich fröhliche, aufgeschlossene, wissbegierige, freie Kinder in Kinder, die willenlos, angepasst und verunsichert sind und ihre Lernfreude verloren haben", heißt es dort. "Sie werden zum Einheitsbrei erzogen, in dem Individualität und eigene Persönlichkeit keinen Raum finden." Der Stoff, der im Lehrplan steht, sei für sie Wissen, mit dem Kinder "künstlich zwangsgefüttert" werden – "alles Pappe! Leer, gehaltlos, fade."

Schulverweigerern drohen Geldstrafen – und sogar Gefängnis

Diese Einstellung stellte Fuks und ihre Patchworkfamilie in Deutschland vor ein handfestes Problem – denn hier gilt die Schulpflicht für jedes Kind: Sie ist in die Vollzeit- und die Berufsschulpflicht unterteilt und geht mindestens bis zum 18. Lebensjahr.

Das Unterrichten zu Hause ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. Zum Beispiel, wenn das Kind lange Zeit krank ist. Doch auch dann muss ein staatlich anerkannter Lehrer her. Wer sich als Erziehungsberechtigter diesen Pflichten entziehen will, riskiert Geldbußen oder sogar den Einsatz des Jugendamts – bis hin zu Gefängnisstrafen.

Im Video: Weil sie ihre Tochter zu Hause unterrichtet, droht dieser Mutter Haft

Freilernen und Homeschooling: Nicht das Gleiche

Während beim Homeschooling, also der "Schule zu Hause", Stoff nach dem staatlichen Lehrplan vermittelt wird, richtet sich das Freilernen allein nach den Interessen des Kindes selbst. Eine 14-Jährige aus Fuks' Familie etwa lerne durch die Gartenarbeit, sinnvoll selbstständig zu rechnen und zu wirtschaften, schreibt die Bloggerin in einem Artikel.

Auch das Argument, dass die Schule auch benötigt werde, um den sozialen Umgang mit anderen zu erlernen, kann sie nicht teilen. Im Gegenteil: Fuks sieht die Einrichtung eher als Herd für Mobbing. "Wir brauchen Menschen, die ein Rückgrat haben. Menschen die sich getrauen aufzustehen und ihre Meinung kundzutun. Aber wenn ihnen das in der Schule abtrainiert wird – wie soll das dann geschehen?"

Andere Länder, andere Regeln

In manchen Ländern ist das Lernen zu Hause erlaubt – so etwa Großbritannien, Frankreich, USA oder Portugal, wo Fuks und ihre Familie mittlerweile leben. Denn die Kinder in Deutschland wieder zur Schule zu schicken, ist für sie absolut unvorstellbar.