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Frauen in Führungspositionen sind immer noch unterrepräsentiert

Diverse Teams performen besser

Frauen in Führungspositionen sind immer noch unterrepräsentiert

Frauen in Führungsposition Frankfurts Business Women
02:04 min
Frankfurts Business Women
Frauen in Führungsposition

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Victoria Enzenauer und Johanna Nies

Frauen gründen im Schnitt seltener eigene Unternehmen als Männer. Auch in den Chefetagen sind sie seltener zu finden. Lana Jansen aus Frankfurt will das nicht akzeptieren. Schon immer hat sie das Ziel, ganz oben mitzumischen. Mit 35 Jahren ist sie dort angekommen. Zusammen mit einer Co-Founderin gründet sie ein Start-up und in einer Unternehmensberatung ist sie inzwischen Partnerin. Wie sie das geschafft hat und was sich ihrer Meinung nach dringend ändern muss, erzählt sie uns im Interview.

"Am Anfang war ich total schüchtern"

Lana Jansen ist eine weibliche Führungskraft.
Lana Jansen hat mit einer Co-Founderin ihr eigenes Start-Up gegründet.
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Lana Jansen aus Frankfurt ist Partnerin in der Unternehmensberatung M2P Consulting in Frankfurt und Gründerin des Startups WePlan. Und das mit 35 Jahren. Doch einfach war der Weg dahin nicht. Zehn Jahre lang hat sie an diesem Ziel gearbeitet: „Ich hab sehr viel in der Unternehmensberatung gearbeitet, mir Netzwerke aufgebaut und auch sehr viel Leidenschaft darein gesteckt.“

Früher war Lana Jansen noch schüchterner. Vor allem in Meetings, in denen hauptsächlich Männer teilnahmen und auch meistens das Wort ergriffen, war sie eher zurückhaltend. Doch das hat sich dann schnell geändert, sagt die 35-Jährige: „Ich hab dann irgendwann den Dreh rausbekommen und habe mir gedacht ‘Also so viel sinnhaftere Dinge, als ich sie gesagt hätte, sagen die anderen auch nicht. Warum versuche ich es nicht mal?“ Heute ist sie sehr selbstbewusst.

Für andere Frauen in der Situation hat sie einen Tipp. Statt etwas zu sagen, bei dem man sich unsicher ist, einfach eine Frage stellen: „Das ist ein guter Weg, etwas gesagt zu haben ohne dass jemand sagt: ‘Das war falsch, oder so’. Durch solche Tricks kann man wesentlich mehr Sprechzeit in Terminen bekommen“. Und „seid selbstbewusst!“

Weniger Frauen in Führungspositionen - Hessen auf Platz 2

Lana Jansen sitzt am Konferenztisch
Lana Jansen wünscht sich mehr Frauen in Führungspositionen.
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Noch immer dominieren Männer die Führungsetagen der deutschen Unternehmen. In Hessen liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei rund 22 Prozent. Im Bundesländer-Ranking belegt Hessen damit trotzdem den zweiten Platz. In den Chefetagen mancher Bundesländer sitzt nämlich keine einzige Frau. Dabei zeigen Studien: divers geführte Unternehmen sind erfolgreicher! Das sieht auch Lana Jansen so: „Aus meiner Sicht sind Frauen fast besser qualifiziert, weil sie eben empathischer sind. Teams, die gemischt sind, funktionieren immer besser.“

Auch in der Start-Up Welt herrschen Geschlechterunterschiede. So gründen weniger Frauen als Männer eigene Unternehmen. Besonders in der Branche der Unternehmensberatung sind sie unterrepräsentiert. Lana Jansen, die mit ihrem eigenen Start-Up häufig auf Messen unterwegs ist, sucht oft vergebens nach Mitstreiterinnen.

Der Female Business Women’s Day in Frankfurt soll auf das Thema aufmerksam machen

Lana Jansen telefoniert am Arbeitsplatz.
Lana Jansen hat alles im Griff.
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Mit dem 5. Female Business Women’s Day sollen auch Frauen in Führungspositionen besser vernetzt werden. Frauendezernentin Rosemarie Heilig (DIE GRÜNEN) hat das Problem erkannt: „Was wir beobachten in den Führungsspitzen ist, dass es immer noch so ist, dass das sogenannte Thomas-Prinzip vorherrscht. Nämlich der Thomas sucht einen Thomas aus. Und keine Angelika.“ Sie wünscht sich ein stärkeres Engagement von Frauen.

Lana Jansen findet den Female Business Women’s Day sehr gut: „Frauen netzwerken viel zu wenig – gerade in Führungspositionen. Eigentlich braucht man das gar nicht, um erfolgreich zu werden, wenn man aber Führungskraft ist, ist es total wichtig, um den Erfolg auszubauen, als Frauen zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig Projekte, Aufträge oder auch Verbindungen herzustellen. Männer machen das den ganzen Tag. Frauen machen das kaum.“

Kinderbetreuung und verankerte Rollenbilder hindern Frauen in der Karriere

Inzwischen ist die 35-jährige auch Mutter einer kleinen Tochter. Doch ihr Start-Up will sie nicht aufgeben und auch die Unternehmensberatung braucht sie. Ihr Mann geht auch einer Vollzeitstelle nach und kann seine Stunden nicht wirklich herunter schrauben. Eine geeignete Kinderbetreuung zu finden, ist in Deutschland immer noch ein großes Problem. Vor ein paar Jahren wurde das Recht auf einen Kita-Platz für alle Kinder ab einem Jahr eingeführt. Doch es gibt zu wenige Kindertagesstätten. In den meisten Fällen fällt dann die Kinderbetreuung und der Haushalt auf die Mütter zurück. Lana Jansen hat glücklicherweise eine Tagesmutter gefunden, die mehrere Stunden am Tag auf das Kind aufpasst. Für sie die einzige Möglichkeit, ihr Familienleben und ihre Karriere zu vereinbaren.