RTL News>Formel 1>

Formel 1: Topmotivierter Fernando Alonso will auch 2023 noch F1 fahren

Spanier wittert dank neuer Regeln Erfolg

Topmotivierter Alonso will auch nächstes Jahr noch Formel 1 fahren

von Martin Armbruster

Fernando Alonso will auch 2023 in der Formel 1 Gas geben. „Stand jetzt würde ich sagen: Ja, weil ich wirklich die Kraft in mir fühle, weiterzumachen“, antwortete der 40-jährige Spanier im Interview mit RTL/ntv auf die Frage, ob er kommendes Jahr in der Motorsport-Königsklasse fahre. Fix sei das aber noch nicht. „Mitte des Jahres werde ich entscheiden“. Alonsos Vertrag beim französischen Werksteam Alpine läuft Ende des Jahres aus.

Im Video: Fernando Alonso über seine Ziele, seine Zukunft und die neuen F1-Regeln!

Alonso wittert Erfolg - den neuen Regeln sei Dank

Ob Alonso der Formel 1 längerfristig erhalten bleibt, mag also noch nicht sicher sein. Was sicher ist: Der Altmeister geht extrem motiviert in die anstehende Saison. Dank des neuen Regelwerks wittert Alonso noch einmal Erfolg – und hat schon 2022 viel vor mit Alpine.

Seine Comeback-Saison im Vorjahr nach gut zwei Jahren F1-Pause sei „ein Aufwärmen“, gewesen, so der zweimalige Weltmeister. 2022 biete sich aufgrund der umfassenden Regel-Reform sowie des Budgetdeckels, der die zehn Teams dazu verpflichtet, „das gleiche Geld auszugeben“ eine „wirkliche Chance“.

"Wir wollen jetzt den ersten Schritt machen"

Mit den neuen Regeln verfolgt die Formel 1 das Ziel, die Abstände zwischen den Teams zu verringern. Außerdem soll Überholen dank schlichterer Aerodynamik einfacher werden, der Rennsonntag so mehr Action bieten. Alles ganz nach dem Geschmack von Vollblut-Racer Alonso, der mit Blick auf die anstehenden Saison „regelmäßig“ in die Punkte will, der das Podium anpeilt – und sogar schon weiter denkt.

„Durch die neuen Regeln können wir hoffentlich um Podestplätze kämpfen und wenn man jedes Wochenende um Podien kämpft, kommt irgendwann auch der Sieg, wenn sich die Situation ergibt. Wenn man um Podien und Siege kämpft, ist man vielleicht im nächsten Jahr ein WM-Anwärter. Das muss Schritt für Schritt kommen, wir wollen jetzt den ersten Schritt machen mit den neuen Regeln, und 2022 um große Dinge mitkämpfen.“

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Alonso immer besser in Schwung

Da fiel es also schon „das nächste Jahr“. Ja, Stand jetzt wolle er auch 2023 in der Formel 1 fahren, sagte Alonso mit einem Schmunzeln. „Momentan fühle ich mich sehr motiviert, ich bin zufrieden, letztes Jahr habe ich wirklich genossen.“

In der Vorsaison war der Comebacker nach anfänglichen Schwierigkeiten von Rennen zu Rennen stärker geworden. Höhepunkt: Platz drei beim Grand Prix von Katar , Alonsos erster Besuch auf dem F1-Podium nach mehr als sieben Jahren Abstinenz.

Formula 1 2021: Qatar GP LOSAIL INTERNATIONAL CIRCUIT, QATAR - NOVEMBER 21: Fernando Alonso, Alpine F1, 3rd position, sprays Rose Water on the podium during the Qatar GP at Losail International Circuit on Sunday November 21, 2021 in Losail, Qatar. Ph
Beim drittletzten Rennen 2021 schaffte es Fernando Alonso endlich mal wieder aufs Podest - und durfte in Katar immerhin Rosenwasser versprühen.
www.imago-images.de, imago images/Motorsport Images, Steven Tee via www.imago-images.de

Alonso: Fahrer spielt "Schlüsselrolle" bei Entwicklung

Davon will Alonso in der kommenden Saison mehr haben – und setzt dabei auf seine Erfahrung. Er hoffe, dass ihm sein geistiges Erinnerungs-Eigentum aus 20 Jahren F1 beim Verstehen der neuen Autos einen Vorteil gegenüber der zumeist deutlich jüngeren Konkurrenz verschaffe. Letztlich sei die Formel 1 allerdings „sehr komplex, die Ingenieure machen so viel aus“, sagte der „Alterspräsident“ der Königsklasse (Alonso ist nach dem Rücktritt von Kimi Räikkönen der älteste Pilot im Feld).

Dennoch spielt der Fahrer laut Alonso weiter eine „Schlüsselrolle“ bei der Entwicklung des Autos – trotz aller Komplexität, trotz aller Ingenieurskunst. „Mit den neuen Regeln muss man den Ingenieuren Feedback geben, wie sich das Auto verhält, wo Raum für Verbesserungen ist, ob es mehr Grip braucht, ein anderes Fahrverhalten.“ Bei den kurzen Wintertests (drei Tage in Barcelona, drei Tage in Bahrain) werde „jeder Tag sehr wichtig, um dem Team das richtige Feedback zu geben“.

Power vor Zuverlässigkeit bei Alpine

Ein solches erstes Feedback hat Alonso den Alpine-Gurus in der Fabrik in Enstone schon gegeben. Er habe mit dem A522, den die Franzosen am Montag enthüllten, virtuell bereits Stoff gegeben, berichtete Alonso. „Der Simulator gibt einem die Möglichkeit, um vielleicht einige Konzepte des Autos zu testen – die womöglich schwierig zu produzieren sind, aber erst testet man sie im Simulator und wenn sie positiv sind, denkt man darüber nach, sie wirklich umzusetzen. Es ist ein gutes Werkzeug, um verrückten Ideen nachzugehen, die vielleicht funktionieren.“

Fest steht: In Sachen Motor hat Alpine eine aggressive Marschroute vorgegeben. Der Ansatz „Zuverlässigkeit first“ aus dem Vorjahr ist passé, der Fokus liegt bei den Franzosen nunmehr auf voller Power. "Entweder Zuverlässigkeit oder Performance. Man kann schlecht beides haben. Also, wo treiben wir die Entwicklung voran?", stellte Alpine-Boss Laurent Rossi bei „motorsport.com“ die Gretchenfrage.

Er habe dem Team gesagt: „Lotet die Limits so weit wie möglich aus, mir egal. Ich habe lieber eine Antriebseinheit, bei der ich sicher sein kann, dass die maximale Performance rausgekitzelt worden ist, als bequem mit einer zuverlässigen Power Unit dazusitzen, die keine Leistung bringt“, so Rossi.

Maximale Power im Alpine-Heck also. Fernando Alonso wird es gerne hören – und gleichzeitig wohl inständig hoffen, dass sein neuer Motor zuverlässiger ist, als einst die Honda-Triebwerke zu Beginn seiner zweiten Zeit bei McLaren (2015-2018). Die Bilder, wie Alonso nach einem seiner dutzenden Ausfälle am Streckenrand im Campingstuhl sitzt oder zum Zeitvertreib ein Blitzpraktikum als Kameramann absolviert, sind irgendwie noch präsent.