Teamchef im Exklusiv-Interview

Schnell, leicht, entwicklungsfähig - Capito verrät Williams-Plan für 2022

17. Juni 2021 - 17:15 Uhr

Capito will Williams wieder ins Formel-1-Mittelfeld führen

Bei Williams laufen alle Fäden bei Jost Capito zusammen. Der Deutsche ist seit kurzem nicht nur CEO des Formel-1-Rennstalls, sondern auch Teamchef. Capitos Mission ist klar: Den klangvollen Namen Williams aus dem Tal der Rennsport-Tränen herausführen. Und die Chance ist da: 2022 gelten in der F1 völlig neue Regeln, durch die das Feld enger zusammenrücken soll. Schon seit dieser Saison greift zudem ein Budgetdeckel, der mehr finanzielle Gerechtigkeit verspricht.

"Im Mittelfeld mitzufahren wäre für nächstes Jahr sicher ein Erfolg", sagt Capito im exklusiven Interview mit RTL/ntv. Mit dem Mercedes-Triebwerk habe sein Team auch 2022 "einen starken Motor. Außerdem bekommen wir dann das Mercedes-Getriebe und die Mercedes-Hydraulik." Wo Williams mit der Entwicklung des 2022er Boliden steht, welchen Ansatz das Team verfolgt und wie Capito seine Rolle als Teamchef interpretiert, sehen Sie im Video.

Capito ein Teamchef der weiß, wo es aerodynamisch langgeht

Der Williams-Fokus ist klar: 2021 geht eh nix, volle Konzentration also auf die kommende Saison, wenn in der Formel 1 die Regel-Revolution Gesetz ist.

Capito setzt bei der Entwicklung des rundum neuen Boliden auf ein ausgewogenes Konzept. "Wenn man zu aggressiv rangeht, kann man auch einen Flop entwickeln", warnte der 62-Jährige im Gespräch mit RTL-Reporter Felix Görner. Er sei sich mit dem Team einig, dass der neue Williams "ein relativ einfaches, leichtes, funktionierendes Auto" sein solle, "das man kennt und weiterentwickeln kann".

Das Augenmerk soll dabei auf der "Performance" liegen und weniger auf der Zuverlässigkeit, sagte Capito und erinnerte an eine alte F1-Weisheit: Lieber ein schnelles Auto zuverlässig machen als umgekehrt. Als Ingenieur, der Strömungsmechanik studiert habe, mache ihm die Aerodynamik-Arbeit und die Konzept-Diskussionen mit dem Team "persönlich sehr viel Freude".

MONTE-CARLO, MONACO - MAY 20: Jost Capito, CEO of Williams talks in a Team Principals Press Conference during practice ahead of the F1 Grand Prix of Monaco at Circuit de Monaco on May 20, 2021 in Monte-Carlo, Monaco. (Photo by XPB - Pool/Getty Images
Jost Capito ist seit kurzem nicht nur Williams-CEO, sondern auch Teamchef.
© Getty Images, Bongarts, WTM / WTM

"Können finanziell aufbauen"

Wo Williams im Entwicklungs-Rennen für 2022 steht, lässt sich laut Capito allerdings nur schwer abschätzen. "Wir können uns nur selbst Ziele setzen und ich glaube, wir haben uns anspruchsvolle Ziele gesetzt." Von seinem Team dürfe man bei aller Regelreform aber "keine Wunder erwarten", gerade eingedenk "von wo wir kommen", so Capito.

Finanziell sieht der Williams-CEO seinen Rennstall dank des Budgetdeckels und der Team-Investoren ordentlich aufgestellt. "Die großen Teams müssen abbauen, weil sie über dem Cost Cap liegen, wir sind drunter und können noch aufbauen. Und wir haben auch die Kapazitäten, im nächsten Jahr aufbauen zu können", sagte Capito.

Die neuen Williams-Eigner hätten seit Herbst letzten Jahres "viel investiert", um den Traditionsrennstall aus dem Loch der Erfolglosigkeit zu holen. "Wir haben sehr viele neue Maschinen, 3D-Drucker und so weiter. Aber man muss das natürlich erst einmal alles zum Funktionieren bringen. Nur mehr Budget reinstecken, genügt nicht, wir müssen effizienter werden und die Investitionen, die wir bekommen haben, zum Funktionieren kriegen, um nächstes Jahr Auswirkungen zu sehen."

Der Effizienz sei auch geschuldet, dass er nunmehr CEO und Teamchef in Personalunion sei, erläuterte Capito. Williams habe alles in allem seine Struktur verändert, um für 2022 "schlanker", aber auch schlagkräftiger zu sein.

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Russell-Zukunft bei Mercedes

Ein Lob verteilte Capito an sein Fahrer-Ass George Russell. "Es ist fantastisch, mit George zu arbeiten", sagte der Teamboss. Stallkollege Nicholas Latifi mache es dem Briten "nicht leicht", vor allem aber im Qualifying "kann der George immer noch einen rausholen".

Russell wisse, dass er diese Saison im Williams glänzen müsse, um bald im Mercedes zu sitzen. Das er damit spätestens 2022 rechnet – daraus machte Capito keinen Hehl. (mar/fgö)

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