Exklusives Interview

Mick Schumacher: Zuversicht für Zandvoort und Ferrari-Traum

02. September 2021 - 12:51 Uhr

Mick Schumacher in Plauderlaune

Mick Schumacher ist eher der entspannte Typ und kommt zum Besuch bei seinem Sponsor in Amsterdam ganz leger im Jogginganzug. Vor dem Rennen am Sonntag im holländischen Zandvoort treffen wir ihn dort zum Gespräch. Wie er das Rennen von Spa bewertet, was er sich für Zandvoort vornimmt und an welchem Lebenstraum er festhält, erfahren Sie oben im Video.

"Es macht extrem viel Spaß"

Mick Schumacher ist in seinem ersten Formel-1-Jahr. Und auch wenn die Saison noch längst nicht vorbei ist, wagt er ein erstes Fazit: "Ich fühle mich definitiv angekommen und auch sehr wohl im Team und das auch schon recht früh eigentlich. Es hat keine sechs Monate gedauert. Ein Rennen und ich habe mich bereits wie zuhause gefühlt." Er sei sehr positiv überrascht über das Feeling und über das erste Jahr bisher: "Es macht mir einfach extrem viel Spaß." Die gute Laune kann im Haas-Team nicht durch gute Ergebnisse kommen. Mit dem abgelegenen Auto sind Punkte eigentlich aussichtslos.

Gilt das auch für Zandvoort? "Wenn alles gut zusammenpasst und vielleicht mal ein bisschen Regen dabei ist, können Punkte drin sein. Aber ich glaube, dass es ein Ziel ist, an dem wir uns jetzt nicht unbedingt festbeißen sollten."

Mehr Risiko in Zandvoort

Mit seinem Teamchef Günther Steiner habe er ein gutes Verhältnis. "Wir verstehen uns gut und wir sind beide sehr direkt." Das habe in der gemeinsamen Ausarbeitung einer Renn-Strategie für Zandvoort geholfen. "Wir haben uns da schon einen guten Kompromiss rausgesucht", sagt Mick Schumacher.

Er plane nach diesem Gespräch mit Steiner keine vollkommen andere Herangehensweise an das Rennen, aber er wolle sich andere Schwerpunkte setzen. Im Sinne von "mehr Risiko im Qualifying". Denn in Spa war vergangene Woche schon in der ersten K.o.-Runde Schluss. Das soll in Zandvoort anders laufen. Die Strecke könnte ihm dabei helfen.

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Im Video: Mick Schumacher über die verpasste Chance in Spa und die Hoffnung auf deutsche Fans in Holland

In Zandvoort ist alles neu

Denn die ist nagelneu. Die Formel 1 hat sich lange nicht mehr blicken lassen in Zandvoort, ganze 36 Jahre ist es her. Niki Lauda war amtierender Weltmeister, Lewis Hamilton ein Säugling und Max Verstappens Vater Jos ein Go-Kart-Talent. Mit der Strecke von 1985 hat der moderne Circuit Park Zandvoort allerdings nicht mehr viel zu tun.

Der malerisch in einer Dünenlandschaft gelegene Kurs musste für das Comeback der Königsklasse - eine Folge des Hypes um Max Verstappen - umgebaut und schneller gemacht werden. In den Streckenabschnitten Hugenholtzbocht und Arie Luyendijkbocht finden sich nun Steilkurven mit 19 beziehungsweise 18 Grad Neigung - einzigartig im aktuellen Formel-1-Kalender. Die Piloten können so länger auf dem Gaspedal bleiben, dies soll die Wahrscheinlichkeit von Überholmanövern am Ende der folgenden Gerade vergrößern.

"Ich glaube, dass vom Setup her, uns Zandvoort mehr liegt als andere Strecken, wie zum Beispiel Spa, weil es ähnlicher ist zu Budapest und anderen High-Downforced-Tracks." Da sei Haas vielleicht etwas näher dran an den anderen Teams, spekuliert der Youngster. Ganz unbekannt ist ihm die Gegend nicht: Bereits 2018 ist er in Zandvoort gefahren, allerdings in einem Formel 3 Auto. "Das ist natürlich ein großer Unterschied. Aber ich freue mich drauf."

Der Ferrari-Traum lebt

Dass Mick Schumacher mit seinem Engagement im Team-Haas zufrieden ist, sagt er immer wieder. Auf die Frage nach seiner Zukunft zeigt er sich zurückhaltend. "Es gibt noch nichts zu verkünden. Wir sind noch in Gesprächen." Das kommende Jahr werde er noch im Haas sitzen. "Wir sind noch im ersten Jahr und haben noch ein weiteres vor uns." Trotzdem streckt auch der Sohn von Michael Schumacher seine Fühler in andere Richtungen aus.

Sein Traum ist nämlich ein anderer. Ferrari! "Ich glaube, für jeden Fahrer ist es eine große Ehre Ferrari zu fahren. Natürlich auch für mich. Wenn es so weit sein sollte, wäre das cool." Schließlich war sein Vater mit Ferrari so erfolgreich. Doch Mick ist realistisch, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist: "Wir machen erst einmal einen Schritt nach dem anderen."

Und da ist ein ganz wichtiger, die Weiterentwicklung des Haas-Autos. Er als Fahrer sei recht stark involviert, erzählt er. "Wie es sich dann auf der Strecke anfühlt, wird man sehen. Wir dürfen erst im Februar oder März mit den Autos fahren. Vorher sehen wir nur die Daten."

Bis das so weit ist, liegt der Fokus erst einmal auf der zweiten Saisonhälfte. Und weil das Rennen in Spa irgendwie kein richtiges war, scheint die erst jetzt in Zandvoort so wirklich anzubrechen.(lgr)