Überragende Russell-Leistung, Vettel solide

Hamilton verteidigt sein Königreich - Sprint-Pole in Silverstone

Moment des Jubels: Lewis Hamilton feiert seinen Quali-Erfolg.
Moment des Jubels: Lewis Hamilton feiert seinen Quali-Erfolg.
© dpa, Lars Baron

16. Juli 2021 - 21:31 Uhr

Große Show vor eigenem Publikum

Lewis Hamilton startet am Samstag vom ersten Platz ins Sprintrennen bei seinem Heim-Grand-Prix in Silverstone. Der Rekord-Weltmeister knallte im Qualifying am Freitagabend mit 1:26.134 Minuten die schnellste Runde auf den Asphalt – und wies den WM-Führenden Max Verstappen in die Schranken. Ein kleines Ausrufezeichen im WM-Kampf nach zuletzt fünf Red-Bull-Siegen in Serie, von denen vier an Verstappen gingen. Gibt es an diesem Wochenende die Wende im Titelkampf? Hamilton darf darauf hoffen.

Sensationell fuhr George Russell, der es auf heimischer Strecke im sonst völlig unterlegenen Williams in Q3 und schließlich auf Rang acht schaffte. Sebastian Vettel geht von Platz zehn ins Sprintrennen.

Hier gibt's die Zeiten im Überblick

Kampf der Könige

Es war von Beginn an ein Zweikampf: Die beiden Formel-1-Könige Lewis Hamilton und der WM-Führende Max Verstappen lieferten sich im Qualifying einen engen Fight. In Q1 dominierte Verstappen, fuhr auf den Punkt eine Top-Runde, Hamilton hatte in seinem Königreich zunächst klar mehr zu kämpfen, um das Maximum aus seinem Auto herauszuholen.

In Q2 und Q3 schlug dann aber die Stunde des Rekord-Weltmeisters. Hamilton legte jeweils die schnellste Runde auf, holte schließlich mit einer Top-Zeit, die Verstappen nicht mehr kontern konnte, die Spitzenposition, die offiziell allerdings nicht als Pole gewertet wird. Um die geht es erst am Samstag für das Rennen am Sonntag.

Im ersten Freien Training noch hatte Verstappen dominiert. Über sieben Zehntel war der Niederländer schneller gewesen als Hamilton. Vor dem Qualifying fand Mercedes offenbar die richtigen Kniffe am Auto, war da, als es zählte.

Hamilton, mit sieben Siegen Rekordhalter in Silverstone, nach dem Rennen: "Wir haben alle Steine umgedreht und alles aus dem Auto gequetscht. Aber das war nur ein Schritt." Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte bei Sky: "Das Imperium schlägt zurück. Wir haben ein bisschen was gefunden."

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Verstappens Forderung an sein Team

Valtteri Bottas im zweiten Mercedes wurde Dritter, Sergio Perez im zweiten Red Bull Fünfter. Dazwischen schob sich Charles Leclerc im Ferrari. Bottas: "Wir hatten ein gutes Qualifying, die Pole haben wir als Team erreicht. Ich freue mich auf Samstag. Wir sind hier, um zu kämpfen."

Verstappen sagte: "Wir müssen auf uns schauen, ich hatte plötzlich sehr starkes Untersteuern und kaum noch Grip. Wir müssen herausfinden, wo das herkam." Fürs Rennen aber sei er zuversichtlich.

Fest steht: Verstappen kann seine WM-Führung an diesem Wochenende nicht verlieren. Sein Vorsprung auf Hamilton beträgt aktuell 32 Punkte, maximal 29 kann ein Fahrer in Silverstone holen.

Alles anders in England

Weil am Samstag beim Großen Preis von Großbritannien zum ersten Mal in der Geschichte der Formel 1 ein Sprintrennen stattfindet, ist der Ablauf in Silverstone ein ganz anderer als sonst.

Mit dem Qualifying schon am Freitagabend wurde die Startaufstellung für den Sprintwettbewerb am Samstag ermittelt. Das "Sprint-Qualifying", so der offizielle Name, entscheidet dann über die Startaufstellung fürs Rennen. Beim Sprint geht's auch um WM-Punkte, dem Sieger winken drei davon. Blicken Sie noch durch? Hier gibt's die veränderten Abläufe und Regeln noch einmal im Überblick.

Das Format ist zunächst als Testlauf gedacht, noch zweimal soll es in dieser Saison zum Einsatz kommen. Bewährt es sich, dann könnte es bei einigen Rennen künftig zum Standard werden.

Vettel ordentlich, Mick muss hoffen

Sebastian Vettel geht als Zehnter ins Sprintrennen – es war kein überragender, aber ein doch zufriedenstellender Freitagabend für den viermaligen Weltmeister, der zuletzt geschwächelt hatte.

Am Ende knapp vor Ablauf der Zeit, aber mit einer ordentlichen Runde schaffte es Vettel in Q2. Dort ließ er nicht lange auf eine gute Zeit warten, fuhr gleich auf Augenhöhe mit dem Red Bull von Sergio Perez und packte den Sprung in Q3.

Schlechter lief es für Mick Schumacher im einmal mehr klar unterlegenen Haas. Der Youngster verpasste als Vorletzter den Sprung in Q2, wird beim Sprintrennen einmal mehr von weit hinten starten. Immerhin war Schumacher schneller als Teamkollege Nikita Mazepin. "Es war interessant, mal was Neues auszuprobieren", sagte Schumacher bei Sky mit Blick auf das neue Grand-Prix-Format. Und mit Blick auf das Sprintrennen: "Ich glaube, dass im Rennen vieles passieren kann. Hoffentlich haben wir ein paar Zweikämpfe dabei."

Jubel-Spalier für Russell

George Russell im Williams indes lieferte eine weitere aussagekräftige Bewerbung für ein Spitzencockpit in ganz naher Zukunft ab. Der 23-Jährige schaffte es im unterlegenen Williams auf Platz acht – eine klasse Leistung, die von den Heim-Zuschauern an der Strecke lautstark gefeiert wurde. Jede Runde in Q3 – sie war für den jungen Briten eine Fahrt durch ein Jubel-Spalier. Teamchef Jost Capito war völlig auf dem Häuschen: "Er hat einen sensationellen Job gemacht." (sfu)