Irrer Ritt in Silverstone

Russells einfach bockstarker Auftritt

Der hochtalentierte Youngster George Russell.
Der hochtalentierte Youngster George Russell.
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16. Juli 2021 - 23:01 Uhr

Was für eine Leistung!

Lewis Hamilton hat die erste Sprint-Pole der Formel-1-Geschichte geholt und in Silverstone ein kleines Ausrufezeichen im WM-Kampf gesetzt. Die Geschichte des Freitags ist aber auch die eines anderen Briten. Williams-Pilot George Russell peitschte seine unterlegene Möhre auf seiner Heimstrecke bis auf Rang acht.

Jede Runde wurde zur Triumphfahrt

Wer wissen wollte, wie fantastisch dieses Ergebnis für den Rennstall war, der musste am Freitag nur zuhören.

Die Fans jubelten, als Russell den Sprung in Q2 schaffte, als hätte der 23-Jährige gerade ein Rennen gewonnen. Die stürmische Fahrt des Youngsters ging da aber gerade erst los. Er kämpfte sich vor bis in Q3 – das zu einer einzigen Triumphfahrt wurde. Wo Russell vorbeikurvte, da wurde es laut. Am Ende sprang Rang acht heraus. Man darf das sensationell nennen. Im Freien Training vor dem Qualifying war Russell noch Letzter gewesen.

Für den Support der Fans bedankte sich der Youngster bei Twitter. "Was für ein Gefühl! Eure Unterstützung war fantastisch", schrieb Russell. "Wir haben das zusammen erreicht. Danke."

Teamchef Jost Capito frohlockte: "Er hat einen fantastischen Job gemacht." In diesem Moment klang das nicht wie ein normales Lob, die Freude in seiner Stimme war für jeden zu hören. Ex-Weltmeister und Landsmann Jenson Button twitterte: "Glückwunsch, mega!"

Schon in Österreich hatte es Russell zuletzt in den letzten Abschnitt des Qualifyings geschafft. Diesen Überraschungs-Erfolg hat er nun bestätigt – bärenstark.

Sein Auto ist total unterlegen

Was macht den Ritt bis in Q3 so besonders? Nun, der Williams steht ganz sicher nicht im Verdacht, ein Auto zu sein, mit dem man Rennen gewinnen kann. Sowohl Russell als auch sein Teamkollege Nicholas Latifi (wurde 18.) sind nach neun Rennen noch ohne WM-Punkt. Nur die beiden Haas haben sonst noch ein blankes Punktekonto. Russells Leistung in Silverstone wurde so auch zu einem weiteren Bewerbungsschreiben auf ein Spitzen-Cockpit.

Der Youngster gilt als Kronprinz bei Mercedes, durchlief das Nachwuchsprogramm der Silberpfeile. Seit Monaten kocht die Gerüchteküche, Russell könne schon in der kommenden Saison Valtteri Bottas ersetzen, der neben Hamilton zu selten überzeugt. Zuletzt ließ der Williams-Pilot aber auch eine Hintertür in Richtung Red Bull offen.

Fest steht: Dass er im Mercedes auf Spitzenniveau abliefern kann, hat er schon gezeigt. In der vergangenen Saison sprang Russell für Hamilton ein, als der positiv auf Corona getestet wurde. Er lieferte ein bockstarkes Rennen beim Sakhir-Grand-Prix, doch ein Bock seiner Crew verhinderte einen möglichen Sieg.

Am Samstag im Sprintrennen kann Russell ein weiteres Mal seine Klasse beweisen – und vielleicht sogar Punkte einfahren. (sfu)