Bei Alfa Romeo ist Feuer unterm Dach

Frustrierter Giovinazzi bekommt Rückendeckung von Ferrari-Chef Binotto

Antonio Giovinazzi kämpft bei Alfa Romeo um seine Zukunft in der Formel 1
Antonio Giovinazzi kämpft bei Alfa Romeo um seine Zukunft in der Formel 1
© Pool via REUTERS, ANDREJ ISAKOVIC, zc

10. November 2021 - 22:05 Uhr

Strategen verhinderten Giovinazzi-Punkte

Im Kampf um das letzte verbliebene Cockpit für die Formel-1-Saison 2022 hätte Antonio Giovinazzi beim Mexiko-GP mächtig Eigenwerbung machen können. Nach der ersten von 71 Runden lang der Italiener auf Rang 6 – fette Beute winkte. Doch dann vergeigte Alfa Romeo Giovinazzis Rennstrategie, als Elfter verpasste er die Punkte, während Stallkollege Kimi Räikkönen Achter wurde. "Gio" war stinksauer – jetzt springt ihm Ferrari-Capo Mattia Binotto zur Seite.

Alfa-Strategen vermasselten Giovinazzi die Tour

"Hey Leute, danke für die tolle Strategie", wetterte Giovinazzi, nachdem er in Mexiko über den Zielstrich gefahren war. Der Frust über den Nuller saß tief. Dabei hatte der 27-Jährige die Kollision zwischen Daniel Ricciardo und Valtteri Bottas nach dem Start in Kurve 1 mustergültig ausgenutzt, lag in der Anfangsphase lange vor Sebastian Vettel auf Platz 7 – bis ihm die Alfa-Strategen schon in Runde 17 den Befehl zum ersten Reifenwechsel gaben.

Viel früher als alle anderen wechselte Giovinazzi von den Medium-Pneus auf die harten Walzen. Am Ende sprang nur Rang 11 für den Italiener heraus. Was im Alfa Romeo in Mexiko-Stadt möglich war, bewies Garagen-Nachbar Räikkönen, der hinter Vettel auf Platz 8 raste und vier Punkte einsammelte.

Auf Twitter schrieb Giovinazzi: "Ich bin der typische Junge, der immer das Positive in den Dingen sucht. Heute ist das unmöglich."

Zwischen Giovinazzi und Alfa Romeo knistert es schon länger

Der Wurm in der Alfa-Strategie bei Giovinazzi: Nach seinem frühen Stopp steckte er hinter den Streithähnen Ricciardo und Bottas fest, kam an beiden nicht vorbei, ruinierte sich vielmehr die Reifen. Die Konkurrenten, die später stoppten, wie Vettel, Räikkönen, aber auch Fernando Alonso (Alpine) und Lando Norris (McLaren), waren so in ihrem zweiten Stint wesentlich schneller als "Gio" auf seinen durchgenudelten Gummis.

"Die Strategie war komplett falsch", ploterte Giovinazzi nach dem Frust-GP im Interview bei Sky Italia. Dabei hätte er in Mexiko nicht nur WM-, sondern vor allem Pluspunkte im Kampf um das Alfa-Romeo-Cockpit für 2022 neben Valtteri Bottas sammeln können. Nada, niente!

Die Beziehung zwischen Giovinazzi und seinem Rennstall ist schon länger unterkühlt. Beim Türkei-GP ignorierte der Italiener eine Team-Anweisung, Räikkönen vorbei zu lassen. Die eifrigen Interviewer von Sky Italia witterten in der Mexiko-Strategie gar eine bewusste Sabotage als Vendetta für Giovinazzis Bockigkeit in Istanbul. Dessen vielsagende Antwort: "Bis jetzt wollte ich das nicht glauben, aber heute bin ich wirklich enttäuscht." Zur Einordnung: Normalerweise verteidigen die Fahrer ihr Team bei derart provokativ-abwegigen Fragen.

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Alfa Romeo driver Antonio Giovinazzi of Italy steers his car followed by Alfa Romeo driver Kimi Raikkonen of Finland during the Turkish Formula One Grand Prix at the Intercity Istanbul Park circuit in Istanbul, Turkey, Sunday, Oct. 10, 2021. (AP Phot
Beim Türkei-GP weigerte sich Giovinazzi, Stallkollege Räikkönen vorbei zu lassen
© AP, Emrah Gurel, DMV

Binotto springt "Gio" zur Seite

Zwischen Alfa Romeo und Giovinazzi knistert es also, da schaltet sich Ferrari-Teamchef Mattia Binotto ein und stellt sich auf die Seite des Piloten. "Antonio ist nicht nur ein würdiger Fahrer, er ist auch ein Ferrari-Fahrer", sagte der Scuderia-Capo bei Sky Italia. "Ich muss sagen, auch uns tut es leid, wenn sie es nicht hinbekommen, dass er unter den richtigen Bedingungen fährt."

Giovinazzi ist Absolvent der Ferrari Driver Academy, zu der auch Mick Schumacher gehört. Die Roten statten Alfa Romeo mit Motoren und anderen Bauteilen aus, der einstige Sauber-Rennstall gilt daher als Anlaufstelle für die Ferrari-Junioren. So war es einst auch bei Giovinazzi. Bei der Entscheidung, wer das zweite Alfa-Romeo-Cockpit 2022 bekommt, habe Ferrari aber nichts zu melden, sagte Binotto. Wenig überraschend spricht sich der Italiener allerdings dafür aus, seinen Landsmann weiter zu beschäftigen.

"Es täte uns leid, wenn er nächstes Jahr keinen Platz in der Formel 1 hätte, absolut, denn wir finden, dass er in all den Jahren in der F1 gewachsen ist. Er schlägt sich gut und ist F1-würdig. Ich glaube also, dass er berechtigt sein sollte, nächstes Jahr ein Cockpit zu haben." (mar)