Nicht nur für Frauen!

Was das Wundermittel Folsäure alles kann

Das Vitamin ist nicht nur in Schwangerschaft und Stillzeit wichtig, sondern könnte auch Demenz vorbeugen.
Folsäure ist vor allem in grünem Gemüse wie Kohl, Salat und Spinat enthalten.
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Folsäure nicht nur für Frauen wichtig

Wer schwanger ist oder stillt, kommt um ein Vitamin nicht herum: Folsäure . Aktuelle Studien kommen nun zu dem Schluss, dass das Vitamin auch Erkrankungen wie Demenz, Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen vorbeugen kann. Mediziner Dr. Cristoph Specht erklärt die Hintergründe.

Regelmäßige Folsäurezufuhr kann Risiko für Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes senken

Eine im Juni 2021 in der Fachzeitschrift „Nutrients“ veröffentlichte Auswertung verschiedener Studien kommt zu dem Ergebnis, dass die regelmäßige Einnahme eines Folsäurepräparats die Entzündungswerte senkt, die die Ursache für chronische Erkrankungen wie Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und Arthritis sind.

Eine andere Studie, die Anfang des Jahres im „Quarterly Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, legt nahe, dass eine ausreichende Folsäurezufuhr dem Körper auch hilft, Homocystein abzubauen.

Homocystein entsteht bei der Verdauung von Eiweiß. Je mehr Homocystein wir im Körper haben, umso größer das Risiko für geschädigte Blutgefäße und einen verminderten Blutfluss. Und das letztlich erhöht das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

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Kann Folsäure Alzheimer und Demenz vorbeugen?

Jetzt haben mehrere Studien auch einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Folsäuregehalt und einem höheren Risiko für die Alzheimer-Krankheit aufgezeigt. Auch dafür machen die Forscher die positive Wirkung von Folsäure auf den Homocysteinspiegel im Blut verantwortlich. Die Forschung geht seit langem davon aus, dass ein hoher Homocysteinspiegel das Risiko für Demenzerkrankungen erhöht.

„Folsäure ist nicht nur wichtig für die Blutbildung, sondern kann auch Entzündungsmediatoren wie Homocystein positiv beeinflussen“, erklärt Specht. Und chronische Entzündungen wiederum seien ein Risikofaktor für Alzheimer und Demenz.

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Ist eine Überdosierung an Folat möglich?

Die Ergebnisse veranlassten Forscher der Universität Aberdeen zu der Empfehlung, dass alle über 65-Jährigen ihre Folsäurezufuhr auf das Dreifache der derzeit (in Großbritannien, Anm. d. Red.) empfohlenen Tagesdosis von 200 µg erhöhen sollten. Das wären 600 µg pro Tag. Drohen bei dieser Menge Nebenwirkungen?

„Akute Nebenwirkungen einer Überdosierung an Folsäure können Durchfall und Unwohlsein auslösen, sind allerdings sehr selten“, erklärt der Mediziner. „Bei einer Aufnahme bis zu 1.000 ug Folat pro Tag sind keine schädlichen Wirkungen bekannt.“ Da Folat zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine zählt, sei eine Überdosierung praktisch unmöglich. Alles, was der Körper nicht benötigt, werde ausgeschieden. „Allerdings kann eine sehr hohe Folsäurezufuhr einen Vitamin B12-Mangel überdecken“, warnt Specht.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Zufuhr von 300 µg Folat pro Tag. Da Schwangere und Stillende einen erhöhten Bedarf haben, beträgt die empfohlene Zufuhr für Schwangere 550 µg und für Stillende 450 µg Folat pro Tag.

Gesunder Lifestyle wirkt besser als einzelne Nahrungsergänzungsmittel

Grundsätzlich sieht der Mediziner Folsäure aber nicht als Allheilmittel. „Das separate Einnehmen von Vitaminen als Nahrungsergänzungsmittel kann eine ungesunde, unausgewogene Ernährung nicht kompensieren“, erklärt Specht. „Wer sich ausgewogen mit viel frischem Gemüse ernährt, nimmt meist nicht nur genügend Folsäure zu sich, sondern verzichtet umgekehrt in gleichem Maße auf viele andere, ungesunde Lebensmittel“, fasst der Experte zusammen. Somit spiele die Lebensweise und eine gesunde Ernährung eine wesentlich größere Rolle als die Zufuhr einzelner hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel.

Folsäure empfiehlt Specht aber ausdrücklich allen Frauen im gebärfähigen Alter, die schwanger werden möchten. „Frauen mit Kinderwunsch sollten vorsorglich Folsäure einnehmen, um Missbildungen wie einem offenen Rücken beim ungeborenen Kind vorzubeugen“, erklärt der Arzt. Das Neuralrohr schließe sich bereits in den ersten Schwangerschaftswochen, in denen viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. „Erst nach dem Schwangerschaftstest mit der Folsäure-Supplementierung zu beginnen, ist daher zu spät“, warnt Specht.

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Diese Lebensmittel sind reich an Folat

Streng genommen muss zwischen Folat, das natürlich in Lebensmitteln vorkommt, und industriell hergestellter Folsäure, die sich in Nahrungsergänzungsmitteln findet, unterschieden werden. Vor allem grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat, Fenchel und Kohlsorten wie Brokkoli oder Grünkohl sind reich an Folat. Aber auch Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Nüsse und Sojabohnen sind gute Quellen.

Wichtig zu wissen: Das Vitamin ist hitzelabil. „Frisches, aber auch Tiefkühlgemüse sollten Sie daher nur in ganz wenig Wasser bissfest garen, da hohe Temperaturen und langes Kochen das Vitamin zerstören“, rät Specht. Und knackig gegart bleiben neben Folat auch viele andere, wasserlösliche Vitamine besser erhalten – und schmecken tut das Gemüse auch besser. (nri)