Flugmodus, Sonnenblenden und Co.

Wissen Sie eigentlich, wofür diese Flugzeug-Regeln da sind?

Regeln im Flugzeug? Gibt's nicht ohne Grund!
Regeln im Flugzeug? Gibt's nicht ohne Grund!
© Diy13

22. Juli 2021 - 12:32 Uhr

Im Flugzeug gibt es einige Regeln zu beachten - aber wieso eigentlich?

Die Koffer sind gepackt und endlich geht's wieder in den Urlaub. Im Flieger angekommen schleichen sich die üblichen Fragen ein: Wieso muss ich meine Fensterblende bei der Landung hochziehen und warum muss bei Notfällen die Klammerposition eingenommen werden? Gefährde ich alle, wenn mein Smartphone nicht im Flugmodus ist?

RTL-Reiseexperte Ralf Benkö und der erfahrene Pilot Nick Eades kennen die Antworten. Außerdem klären wir die Frage aller Fragen im Ferienflugzeug: Müssen wir bei der Landung wirklich applaudieren?

Gäääähn - Sicherheitsdurchsage immer gleich

Vielflieger können die Sicherheitsdurchsage sicher schon auswendig mitsprechen. Trotzdem können Sie die Zeit sinnvoll nutzen, rät RTL-Reiseexperte Ralf Benkö. "Mein Tipp wäre, den Zeitpunkt des Sicherheitsbriefings vor dem Start nicht nur zum Zuhören nutzen, sondern auch, um sich danach umzuschauen: Wo liegt der nächste Notausgang? Wie viele Sitzreihen sind es von meinem Sitz bis dorthin? Wenn der blockiert sein sollte, was wäre ein alternativer Notausgang? Flugunfälle sind zum Glück sehr, sehr selten. Wenn es aber zu einer Bruchlandung mit Not-Evakuierung kommen sollte, dann entscheiden manchmal Sekunden über Leben und Tod. Es könnte sein, dass die Kabine schnell so stark mit Rauch gefüllt ist, dass ich kaum mehr etwas sehe und den Weg zum Notausgang ertasten muss. Laufe ich dann in die falsche Richtung, kann es zu spät sein." Angst sei zwar bei der generell sicheren Flugreise nicht angebracht, dennoch sollte man im Ernstfall wissen, worauf es ankommt. Wenn das kurze Sicherheitsbriefing also ernst genommen wird, "dürften sich die Chancen, das Flugzeug heil zu verlassen, extrem erhöhen".

Flugzeug ist kein Platz für schlechte Scherze

Die Sicherheitseinweisung sorgt gerade bei Menschen, die nicht so häufig fliegen, immer wieder für Bauchschmerzen. Schließlich wird einem kurz und knapp aufgezeigt, was alles passieren könnte und man wünscht sich, weder die Tüte für Magenverstimmungen noch die Atemgeräte nutzen zu müssen. Und da ist noch die Sorge, dass die Türen einfach aufgehen und man aus dem Flugzeug gerissen wird. Das wird nicht passieren, kann RTL-Reiseexperte Ralf Benkö beruhigen: "Denn Türen in Verkehrsflugzeugen gehen normalerweise erst ein Stück nach innen auf, dann müssen sie etwas gedreht werden, bevor man sie nach außen wirklich öffnen könnte. Doch durch die Druckkabine, den höheren Innen- und den geringen Außen-Druck auf Reiseflughöhe, drückt die Kabinenluft so stark von innen gegen die Tür, dass unmenschliche Kräfte nötig wären, um sie dennoch öffnen zu können. Hiervor muss also nun wirklich keiner Angst haben."

Auf der anderen Seite gibt es die Passagiere, die manche Hinweise an Bord auf die leichte Schulter nehmen. Hinweise, die in Wirklichkeit überlebenswichtig sein können. Auch Scherze sind an Bord an der Tagesordnung. Davon rät Ralf Benkö aber sehr ab: "Das könnte wirklich ernste Folgen haben. Jegliche 'Scherze' über einen möglicherweise 'gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr' könnten bis zur ungeplanten Zwischenlandung und zum Polizeieinsatz führen, Strafen und Flugverbote nach sich ziehen."

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Bei Turbulenzen Gurt anlegen?

Genauso sollte man gewisse Regeln befolgen, die die Crew mitteilt. Dazu gehört auch der Gurt im Falle von Turbulenzen. "Wenn ich bei Turbulenzen nicht angeschnallt bin, könnte ich aus meinem Sitz gerissen und verletzt, in Extremfällen vielleicht sogar an die Decke katapultiert werden", sagt Benkö. Bei so etwas zieht sich jedes Jahr eine "deutliche Zahl von Passagieren schwere Verletzungen" zu, wenn sie nicht angeschnallt waren, stellt der Weltluftfahrtverband IATA fest. Festhalten kann sich bei einer starken, plötzlichen Turbulenz kaum jemand, dazu kann das zu schlagartig geschehen.

Auch so etwas ist selten - aber viel wahrscheinlicher, als dass dabei eine Tragfläche abbricht. Denn Tragflächen halten normalerweise weit mehr an Belastungen aus, als man sich als Passagier vorstellen mag. "Bei Tests lassen sie sich die Spitzen bei größeren Maschinen um mehr als fünf Meter verbiegen. Tragflächen müssen bei der Zulassung etwa das Eineinhalbfache aushalten, was später im realen Betrieb auf sie zukommt. Und die berühmten "Luftlöcher" gibt es nicht, weil die Luft keine "Löcher" haben kann. Damit ist eine plötzliche, starke Veränderung der Windrichtung und Geschwindigkeit gemeint, ein Abwind, kurzzeitig verringerter Auftrieb. Dabei könnte das Flugzeug in extremen Fällen einige hundert Meter an Höhe verlieren, es fängt sich dann aber in der Regel nach einigen Sekunden wieder", so Benkö. Die Hauptgefahr sei dabei: nicht angeschnallte Passagiere! Deshalb sollte man die Hinweise der Crew und vor allem das Anschnallzeichen ernst nehmen.

Das ist der Grund für die heruntergezogenen Blenden

Eine junge Frau sitzt im Flugzeug auf einem Fensterplatz und schaut aus dem Fenster in den Himmel.
Bei der Landung sollten die Fenster-Blenden stets oben sein.
© hobo_018

Endlich werden wir in die geheime Welt des Fliegens eingeweiht und unsere Fragen, wieso wir bestimmte Dinge in der Luft nicht dürfen, beantwortet. Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wieso man die Rollos am Fenster kurz vor der Landung hochziehen muss? Oder wieso zum selben Zeitpunkt die Lichter gedimmt werden? Wir wissen, dass wir bestimmte Dinge im Flugzeug tun müssen – aber nicht warum.

Die Frage beantwortet Nick Eades. Eades ist der weltweit erfahrenste Boeing 747-Pilot und sagt dazu gegenüber LADbible folgendes: "Das ist eine Sicherheitstechnik, die eine doppelte Bedeutung hat und wegen eines Vorfalls in den 1970er-Jahren durchgeführt wird." Moment, was ist denn da passiert? In Rhodesien (heutiges Simbabwe in Afrika) ereignete sich damals eine tragische Geschichte, bei der ein hell beleuchtetes Propellerflugzeug von Guerilla-Kriegern unter Beschuss geraten ist und Menschen infolgedessen starben.

Dass die Blenden hochgezogen werden und das Licht gedimmt wird, hält nicht nur davon ab, eine fliegende Zielscheibe zu sein, sondern hilft auch den Fluggästen im Falle eines Notfalls. Vor allem bei Nacht kann sich das menschliche Auge besser an seine dunklere Umgebung bzw. das wenige Licht gewöhnen. Das bestätigt auch Eades: "So haben Sie eine viel größere Chance, zu sehen, was vor sich geht." RTL-Reiseexperte Ralf Benkö erklärt: "Bei Notfällen kann man sehen, ob man an dieser Seite des Flugzeuges gefahrlos aussteigen kann oder ob es dort zum Beispiel brennt."

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Ist die Klammerposition in einer Gefahrensituation wirklich hilfreich?

Auch zu der sogenannten "Brace Position" (oder auch Sicherheitsposition) hat sich der ehemalige Pilot Nick Eades geäußert. Aber was genau hat es damit auf sich? Die "Brace Position" soll die Überlebenschancen der Passagiere bei Flugzeugabstürzen verbessern und auch im Fall einer Notlandung helfen. Der Passagier klemmt ("brace") in dieser Position seinen Kopf und Rumpf zwischen den Rückenlehnen der Sitzreihen ein, sitzt also nach vorne gebeugt und hält die Hände über den Kopf. Diese Klammerposition wird meist vom Flugkapitän oder der Besatzung mit den Worten "brace, brace" gefordert, wenn das Flugzeug notzulanden oder abzustürzen droht.

Knochenbrüche und innere Verletzungen sollen damit vermieden werden, indirekt wird auch die Überlebenschance erhöht: Ein bewegungsfähiger Fluggast ist nämlich eher in der Lage, ein brennendes Flugzeug zu verlassen und sich zu retten, als jemand der bereits verletzt ist.

Der ehemalige Flieger der Boeing 747 offenbart einen Einblick in die für uns schwer zu greifende Klammerposition: "Man versucht, zu verhindern, dass sich die Menschen bei einem großen Aufprall das Genick brechen. In der Klammerposition nehme der Körper am wenigsten Schaden und solle den Mensch so schützen. In seinem neuen Buch "The Self Improver: A Pilot's Journey" ("Die Reise eines Piloten") offenbart er noch weitere Einblicke in die Welt über den Wolken.

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Deswegen müssen Sie die Sitzlehnen aufrecht stellen

Eine weitere Flugzeug-Regel besagt, man soll die Sitzlehne vor der Landung aufrecht stellen, Tische hochklappen und das Handgepäck in den Fächern verstauen. Aber warum? "Damit man sich bei ruckartigen Abbremsen der Maschine nicht am vorderen Sitz verletzt und damit man bei einer Evakuierung leichter und schneller aus der Sitzreihe herauskommt", so RTL-Reisexperte Ralf Benkö.

Nach der Landung angeschnallt bleiben

Aber warum darf der Sicherheitsgurt nach der Landung noch nicht direkt geöffnet werden? Auch das dient der Sicherheit der Passagiere, "weil das Flugzeug gerade beim Rollen am Boden vielleicht stark abbremsen muss", so Benkö. Dabei besteht Verletzungsgefahr, denn Flugzeugbremsen wirken sehr stark.

Muss das Smartphone wirklich in den Flugmodus?

Am Anfang heißt es im Flieger immer, die Passagiere sollen den Flugmodus auf ihren Smartphones einschalten. Aber warum? Bringe ich das Flugzeug zum Absturz, wenn ich das nicht mache? "Wenn das so wäre, würde man Mobiltelefone Passagieren vor dem Einsteigen höchstwahrscheinlich ganz abnehmen", gibt Ralf Benkö Entwarnung. "Mittlerweile darf man sein Mobiltelefon an Bord bei immer mehr Airlines in eingeschränktem Maß benutzen.

Vor Jahrzehnten war das noch anders. Damals hatte man große Sorge, Mobiltelefone würden gefährliche Störungen an Bord verursachen. Die Technik einiger älterer Maschinen war anfälliger für Handysignale. Früher hatten Handys auch oft mehr Sendeleistung." Mittlerweile sei die Flugzeugtechnik besser gegen solche Störsignale abgeschirmt. "Wenn es zu Störungen kommt, sind sie eher geringerer Art. Und einige Flugzeuge haben mittlerweile sogar eigene Funkzellen für Handys, über die man zum Beispiel SMS verschicken kann." Und dadurch ist andere Vorsicht geboten. Man gefährdet zwar nicht das Flugzeug, aber dafür sein Konto. Denn "lässt man das Handy dann voll aktiviert, könnte es sich in ein teures Roaming-Netz einbuchen und später vielleicht für eine Überraschung auf der Telefonrechnung sorgen", warnt Ralf Benkö.

"In jedem Fall sollte man sich genau nach den Anweisungen der Crew richten. Denn es kommt vor allem auf die technische Ausstattung des Flugzeugs an, wie und wann man sein Mobiltelefon nutzen darf. Deshalb ist der "Flugmodus" für die Reise an Bord generell immer noch der Standard, solange nichts anderes erlaubt wird - auch wenn moderne Handys keine ernste Gefahr mehr sind: beim Fliegen geht man eben gerne ganz auf Nummer Sicher".

Die Angst vor brennenden Triebwerken

Das alles hilft aber ja nichts, wenn die Triebwerke brennen. Was ist dann zu tun? Erst einmal können wir beruhigend sagen, brennende Triebwerke gibt es sehr selten. Statistiken zeigen: Einen Turbinen-Ausfall gibt es nur alle 300.000 oder gar nur jede Million Betriebsstunden. Außerdem haben Triebwerke eingebaute Feuerlöscher und es gibt mindestens noch ein zweites Triebwerk, mit dem ein Flugzeug problemlos weiterfliegen kann. "Dennoch ist ein brennendes Triebwerk eine ernste Angelegenheit", so Benkö. "Aber das ist es auch, wenn mein Handy anfängt zu qualmen, wenn ein Akku an Bord Feuer fängt. Seit 2006 hat die amerikanische Luftfahrtbehörde mehr als 320 Vorfälle mit überhitzten Lithium Akkus an Bord registriert. Wird das nicht schnell genug bemerkt, besteht große Gefahr. Feuer in der Kabine kann Flugzeuge zum Absturz bringen, wenn es nicht umgehend gelöscht wird und außer Kontrolle gerät. Vor allem der dabei entstehende Rauch in der Kabine wird schnell zur ernsten Gefahr".

Die Kabinencrew wird dafür ausgebildet, Feuer zu bekämpfen, auch brennende Akkus zu löschen. "Nur muss das rechtzeitig geschehen. Also sollte man Brandgeruch im Flugzeug sofort melden, darauf achten, dass Akkus nicht beschädigt werden, wenn sie zum Beispiel beim Herunterfallen im Sitz eingeklemmt werden." Außerdem sollte das Rauchverbot – auch auf den Toiletten – dringend beachtet werden.

Nach der Landung gibt's Applaus - muss das sein?

Es ist die wohl umstrittenste Frage unter Fluggästen. Applaudieren wir nach der Landung oder nehmen wir das Ende des Flugs schweigend zur Kenntniss? Warum klatschen? Schließlich applaudiert bei anderen Jobs auch niemand. Ralf Benkö sagt dazu: "Auch wenn Applaus nach der Landung Piloten eher erfreuen und vielleicht schmunzeln lassen dürfte - sie erwarten Applaus natürlich nicht. Man applaudiert ja auch nicht, wenn der Busfahrer die Haltstelle anfährt, oder der Lokführer den Bahnhof. Außerdem könnte der Applaus durch die geschlossene, gepanzerte Cockpittür manchmal sowieso nur schwer zu hören sein."

Und wenn die Landung nicht schön ist, muss ein Applaus ja auch nicht sein, oder doch "Tatsächlich könnte unter gewissen Umständen auch mal eine härtere Landung die "sichere" Landung sein, bei schlechtem Wetter zum Beispiel, wenn der Pilot schnell aufsetzen will, um Windböen auszuweichen und die volle Landebahn zum Bremsen ausnutzen zu können. Dennoch werden Piloten normalerweise nach Möglichkeit versuchen, weich zu landen." Aber, Sie ahnen es schon: Auch bei etwas härteren Landungen hält ein Verkehrsflugzeug mehr aus, als mancher Passagier denkt. Und so können sie ohne Angst und mit einem sicheren Gefühl in den Flieger steigen und sich auf den Sommerurlaub freuen. Gute Reise! (mol/vdü)

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