Er rettete sich vom Horror-Bauernhof in Drenthe

Mysteriöse Facebook-Seite des geflüchteten Jan Z. (25)

Neun Jahre lang sollen sechs Geschwister auf einem Bauernhof im niederländischen Ort Ruinerwold eingesperrt worden sein.
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09. Dezember 2019 - 17:15 Uhr

Jan Z. war auf Facebook, Instagram und Co. aktiv

Neun Jahre lang sollen sechs Geschwister auf einem Bauernhof im niederländischen Ort Ruinerwold eingesperrt worden sein. Ohne Leben um sie herum. Angeblich sollen sie nicht einmal gewusst haben, dass es auch andere Menschen auf der Welt gibt. Am Dienstag ist einer der inzwischen erwachsenen Geschwister in einer Dorfkneipe im Nachbarort aufgetaucht. Der 25-jährige Jan Z. brachte den Fall so ans Licht. Doch nun taucht eine mysteriöse Facebook-Seite des jungen Mannes auf, die Fragen aufwirft.

Jan Z. arbeitete wohl als Online-Store-Manager für Josef B.

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Am 21. Juli zeigte sich der 25-Jährige auch auf seiner Seite und veröffentlichte ein Selfie.
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Am 01. August 2010 postete Jan Z. in seinem Profil auf Facebook, dass er nach Ruinerwold gezogen ist. Danach passierte neun Jahre lang nichts auf seiner Seite. Freunde hat er nicht. Erst im Sommer dieses Jahres wurde er wieder aktiv. Im Juni gab er an, dass er als Online-Store-Manager für die Firma Creconat in der Stadt Meppel nahe Ruinerwold arbeite. Einige seiner grafischen Entwürfe postete Jan sogar im Profil.

Nach RTL-Informationen handelt es sich um eine Kreativagentur, im Handelsregister wird sie dem festgenommenen Josef B. zugeordnet. Der 58-jährige Österreicher ist der Pächter des Bauerhofs, auf dem die Familie gelebt hatte. Er wird laut niederländischen Behörden am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt. Auf dem Bauernhof hatte die Polizei fünf Geschwister und den bettlägerigen Vater gefunden. Sie werden derzeit betreut.

Der 25-Jährige veröffentlichte Selfies im Netz

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Auf Bildern sieht man ihn im Freien auf einer Wiese oder drinnen vor einem Laptop sitzen
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Am 21. Juli zeigte sich der 25-Jährige auch auf seiner Seite und veröffentlichte ein Selfie. Er hat lange blonde Haare, einen Bart und trägt ein gelbes, weitausgeschnittenes T-Shirt. Er schaut heiter in die Kamera. Im September outete er sich sogar als Klimaschützer und postete mehrere Naturbilder. Er teilte auch mit, dass er am 27. September an einem Klimastreik teilnehmen wolle. Auf anderen, offenbar noch früheren Aufnahmen, sieht man ihn auch im Freien auf einer Wiese meditieren oder drinnen vor einem Laptop sitzen. Einige seiner Posts haben mehr als zehn Likes und Kommentare, er schreibt auf Niederländisch und Englisch.

Dann folgen düstere Bilder bei Nacht von einem Gebäude in Ruinerwold und einem Ortschild. "Wo wurde dieses Bild aufgenommen?", fragt der 25-Jährige im Post vom 12. Oktober. Zwei Tage später taucht er in der Dorfkneipe auf und bittet den Wirt um Hilfe.

Jan Z. hat knapp 250 Follower auf Instagram

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Auf seinem Twitter-Profil zeigt er gerne seine ganz besondere Zuneigung zu Bäumen.
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Jan Z. ist aber auch in anderen sozialen Medien unterwegs. Bei Instagram hat er knapp 250 Follower und 50 Personen abonniert. Auf seinem Twitter-Profil zeigt er gerne seine ganz besondere Zuneigung zu Bäumen. Dort verkündete er im Mai, auch einen Webshop eröffnet zu haben. "Unser erstes Projekt dreht sich um die kreative Verwendung von Holz. Warum wählen wir Holz? Betrachte einfach einen Baum und dein kreativer Geist wird in Anbetracht der zahllosen Möglichkeiten, die ein Baum bereitstellt, explodieren", twitterte er wenige Tage später.

Polizei: Es sind noch viele Fragen offen

Derzeit versucht die Polizei herauszufinden, was es mit den vielen Social-Media-Profilen auf sich hat. Es sind noch viele Fragen offen, teilten die Beamten am Mittwoch mit. Noch ist völlig unklar, in welcher Beziehung Josef B. mit der Familie stand. Auch, warum sie überhaupt auf dem Hof lebte. Laut niederländischen Medien warteten sie dort auf das Ende der Zeit.

mo