Weil sie keine Papiere hatten

25 Welpen an dänischer Grenze eingeschläfert

Symbolbild-Kontrolle an der deutsch-dänischen Grenze durch die dänische Polizei auf der A7
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13. August 2020 - 9:40 Uhr

Welpen kamen aus Polen

Diese Aktion an der deutschen-dänischen Grenze sorgt für Kopfschütteln und Bestürzen, nicht nur unter Tierfreunden. Am Grenzübergang Fröslee stoppte die Polizei einen Kleinbus aus Polen – an Bord der 33-jährige Fahrer und 25 Hundewelpen. Doch für die offenbar tierische Schmuggelware existierten keine Papiere. Die Polizei schaltete daraufhin das dänische Veterinäramt ein, das die Welpen schließlich tötete.

Welpen wurden eingeschläfert

Der Mann, ein in Dänemark lebender Pole, ist nach Angabe der Nahrungsmittelbehörde kein registrierter Hundezüchter und konnte nicht die vorgeschriebenen Dokumente und Gesundheitsatteste vorzeigen. Auch sollen einige Welpen zu jung gewesen sein, um sie von der Mutter zu trennen – laut Polizei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Da die Tiere illegal eingeführt wurden, und der 33-jährige nach Aussage der Polizei die Welpen nicht wieder nach Polen zurückbringen wollte, wurden sie schließlich eingeschläfert. Wie Der Nordschleswiger berichtet, sagte die Chefveterinärin Signe Hvidt-Nielsen, sollte eine mögliche Verbreitung der Tollwut unterbunden werden.

Tierheim Flensburg hätte Welpen aufgenommen

Besonders tragisch: Das Tierheim Flensburg zeigte sich nach Bekanntwerden des Falls empört. Tierheimleiter Stefan Bargmann wundert sich auch, dass die dänischen Behörden keinen Kontakt aufgenommen haben: Der Flensburger Tierschutz sei jederzeit, 24 Stunden am Tag, für das Tierwohl in Flensburg und Umgebung einsatzbereit. Das Tierheim hätte die 25 Welpen sofort aufgenommen und untersuchen lassen, betont Bargmann und lässt keinen Zweifel, dass die Welpen vermittelt worden wären. Für eventuelle Kosten wären zügig Spenden zusammengekommen.

Heftige Reaktionen auch seitens der Politik

Aus der Kommunalpolitik äußert sich Karsten Sörensen, Ratsherr der CDU. Die Nachricht von der Tötung der "wehrlosen" Welpen mache ihn fassungslos und traurig. Das Vorgehen sei nicht entschuldbar. "Im Rahmen einer Amtshilfe wäre über die Stadt Flensburg jederzeit Hilfe für die Tiere geleistet worden", ist sich Sörensen sicher und verweist auch an die Hilfsbereitschaft des Tierheims. Als Ratsherr und Mitglied im Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung werde er sich "mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sich ein solcher Fall hier nicht wiederholen kann".

"Das ist mal wieder Dänemark"

Auch in den sozialen Medien überwiegen Unverständnis und Entsetzen. "Wieso muss jedes Tier, das nach Behördenwillkür nicht ins Konzept passt, eingeschläfert werden? Es waren Babys, die gerade angefangen haben zu leben." schreibt eine Userin bei Facebook. "Das ist mal wieder Dänemark... R. I. P. Ihr unschuldigen Engel". Viele Nutzer zeigen sich schockiert gegenüber Deutschlands Nachbarland.

Tatsächlich scheint sich die Veterinärbehörde dessen bewusst und warnt vor der Lesart ausländischer Medien, "besonders in Deutschland", wenn es um die Berichterstattung zum Thema geht. Sie schreibt auf ihrer Website: "Touristen, die mit ihrem Hund reisen, müssen keine Angst haben, Dänemark zu besuchen." Die Website informiert über das dänische Hundegesetz, das 2010 in Kraft trat und 2014 ergänzt wurde. Unter anderem geht es um das Recht der Polizei, wildernde Hunde einzuschläfern, wenn sie Hunde oder Menschen beißen, und um 13 Hunderassen, die in Dänemark verboten sind seit 2010. Seither, so informiert die Behörde, seien insgesamt 465 Hunde aufgrund der Prohibition List entnommen und 157 Hunde aufgrund von Angriffen auf andere Hunde oder Menschen eingeschläfert worden. Diese Zahl sei in Relation zu sehen mit der Gesamtzahl von 585 000 Hunden, die in Dänemark leben.