Auf neutralen Rat setzen

Finanztest warnt vor schlechter Bausparberatung: Darauf müssen Interessenten achten

Vater mit Sohn auf den Schultern steht vor Rohbau.
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11. Dezember 2019 - 15:20 Uhr

Bausparen für Immobilienkäufer immer noch attraktiv

Wer von einem Eigenheim träumt, für den kann sich Bausparen lohnen. Immobilienkäufer bekommen oft bessere Zinsen, wenn sie einen Teil des Kaufpreises mit einem Bauspardarlehen finanzieren. Finanztest empfiehlt das Produkt Bausparen, warnt allerdings vor schlechter Beratung bei den meisten Bausparkassen.

Nur eine Bausparkasse wir gut bewertet, drei fallen komplett durch

Finanztest hat insgesamt 119 Testgespräche bei 16 Bausparkassen geführt. Pro Anbieter haben die Tester sieben Gespräche geführt für drei unterschiedliche Bauvorhaben. Das Ergebnis der Experten nach den Beratungsgesprächen: "Ein Armutszeugnis für die Branche."

Die LBS Schleswig-Holstein-Hamburg konnte als einzige Bausparkasse überzeugen und erhielt eine gute Note. Als beste bundesweite Kasse konnte die Alte Leipziger punkten, sie kam auf ein "Befriedigend". Die Mehrheit der Bausparkassen schafften nur ein "Ausreichend". Dazu kamen noch drei Durchfaller: Die Bausparkasse Mainz, Debeka und LBS Südwest erhielten die Note "Mangelhaft".

Zu hohe Bausparsummen empfohlen

Laut Finanztest haben die Tester die Bausparkassen nicht einmal vor besonders anspruchsvollen Aufgaben gestellt:

  1. Im ersten Testfall wollte der Kunde 400 bis 450 Euro im Monat sparen, um in zehn Jahren eine Immobilie zu kaufen.
  2. Im zweiten Testfall war der Immobilienkauf nach acht Jahren geplant, die Sparrate sollte 250 bis 300 Euro betragen.
  3. Im dritten Testfall plante der Hauseigentümer in sechs Jahren mit einer Modernisierung in Höhe von 50.000 Euro. In den Fällen zwei und drei waren die möglichen Kunden in der Lage, zusätzlich 10.000 Euro einzuzahlen.

Der häufigste und schwerwiegendste Fehler: Viele Berater empfahlen Verträge mit viel zu hohen Bausparsummen. Die Zuteilung der Bausparsumme kam bei jedem vierten Angebot mindesten ein Jahr zu spät. Die Folge: Die Kunden hätten bei einem Vertragsabschluss ihre Pläne verschieben oder einen Zwischenkredit aufnehmen müssen. Und das kann im Ernstfall richtig teuer werden. Statt 1,75 Prozent für die Bausparsumme werden für den fälligen Zwischenkredit 4,5 Prozent Zinsen fällig.

Bausparkassen bieten oft falsche Tarife an

Ein weiteres Problem bei der Beratung: Nur wenige Berater haben für den jeweiligen Testfall das beste Tarifangebote herausgesucht. Der häufigste Fehler hier: Den Testkunden wurde ein Tarif mit besonders niedrigem Darlehenszinssatz angeboten. Das klingt auf den ersten Blick attraktiv, ist aber durch längere Zuteilungsfristen für den Bedarf der Kunden oft weniger geeignet. Finanztest empfiehlt Darlehenssätze von zwei Prozent, da oftmals die Zuteilungsfristen kürzer ausfallen.

Tipp von Finanztest: Eine neutrale Beratung in Anspruch nehmen, angeboten zum Beispiel durch die Verbraucherzentralen. Allein auf den Rat der Bausparkassen sollte man sich nicht verlassen.