Sie lebt in Delmenhorst, er in Tokio

Fernbeziehung zu Coronazeiten: So schwer haben es binationale Paare

10. November 2020 - 14:00 Uhr

Liebe trotz Distanz zwischen Yana und Saturo

Kilometer, Grenzen, sogar Kontinente: Wenn der Partner im nicht-europäischen Ausland lebt, gibt es viele Hürden. Aktuell kommt noch die Corona-Krise hinzu. Auch Yana aus Delmenhorst führt so eine binationale Beziehung - ihr Freund Satoru lebt in Tokio. Wann sie sich wiedersehen, ist ungewiss. Wie es Yana ohne ihren Partner geht, sehen Sie im Video.

Seit 270 Tagen schon ohne den Liebsten

Die 25-jährige Yana Schumacher lernt Satoru letztes Jahr im Auslandssemester in Tokio kennen und lieben. Im Januar 2020 endet dann das Semester und Yana muss zurück nach Deutschland. Doch die beiden planen bereits das nächste Wiedersehen – im Sommer will Satoru drei Monate zu ihr kommen. Doch Corona macht dem jungen Paar einen Strich durch die Rechnung: Weil der Japaner im nicht-europäischen Ausland lebt, scheint ein Wiedersehen der beiden momentan fast unmöglich. Mittlerweile haben sie sich 270 Tage schon nicht gesehen.

Laut Kurt Niemeyer vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften Hannover sei es kaum möglich, Visums-Anträge im Ausland zu stellen: "In vielen Botschaften gibt es nur eine Notbesetzung. Anträge werden, wenn nur ganz ganz langsam bearbeitet. Es gibt Botschaften, die gar nicht arbeiten. Ein großes Problem ist, dass ja oft ein Spracherwerb gefordert wird, also ein Deutsch-Kurs und daher ist es schwer nur ansatzweise seinen Partner nach Deutschland zu bekommen."

Wer sich als unverheiratetes Paar trotz Reisebeschränkungen in Deutschland treffen möchte, muss nachweisen, dass er den Partner bereits mindestens einmal hier besucht hat oder belegen, dass es einen gemeinsamen Wohnsitz im Ausland gab.

Yana: „Ich möchte ihn nicht heiraten, damit er herkommen kann, sondern weil ich mein Leben mit ihm verbringen will"

Die räumliche Distanz setzt Yana so zu, dass sie kaum noch schlafen kann und schon acht Kilo abgenommen hat.

So wie ihr geht es vielen binationalen Paaren auf der ganzen Welt: Unter dem Hashtag "love is no tourism" fordern sie ihre Regierung auf, die Corona- Reisebestimmungen zu ändern. In Dänemark, den Niederlanden und Norwegen dürfen Nicht-EU-Bürger zum Beispiel ohne einen Beweis für ihre Beziehung einreisen. In Deutschland bisher nicht. Für viele Paare ist deshalb eine Heirat der letzte Ausweg. Yana und Satoru hätten darüber auch schon nachgedacht: "Ich möchte ihn nicht heiraten, damit er herkommen kann, sondern weil ich mein Leben mit ihm verbringen will. Und das soll mir auch Horst Seehofer nicht diktieren."