"War es Mord? Die geheime Todesakte Maradona!“

Felix Hutt: "Maradonas Tod hätte verhindert werden können"

Felix Hutt war mit seinem Team in Buenos Aires auf Spurensuche
Felix Hutt war mit seinem Team in Buenos Aires auf Spurensuche
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01. Juli 2021 - 12:39 Uhr

RTL-Spezial am 8. Juli um 20:15 Uhr

Als Diego Armando Maradona am 25. November 2020 in Buenos Aires stirbt, ist die Trauer weltweit groß – doch viele zeigen sich wenig überrascht. Denken, dass der extreme Lebensstil der Fußball-Legende seinen Tribut gefordert hat. Das RTL-Investigativ-Team um Reporter Felix Hutt geht dem Fall auf den Grund und stellt unter anderem anhand von Dokumenten und Sprachnachrichten die Frage: War es Mord?

Felix Hutt: "Maradonas Tod hätte verhindert werden können"

Felix Hutt
Felix Hutt findet mit seinem Team heraus: Maradonas Tod hätte verhindert werden können.
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Ab wann haben Sie sich mit dem Tod von Diego Maradona beschäftigt und warum hat der Fall als Investigativ-Journalist Ihr Interesse geweckt?

"Ich reise seit vielen Jahren nach Buenos Aires und habe sehr gute Freunde dort, die mich schon kurz nach Maradonas Tod darauf aufmerksam gemacht haben, dass ermittelt wurde. Ich habe mich bald regelmäßig mit Ermittlern und Journalisten ausgetauscht. Ein Schlüsselmoment war sicher, als mir nach einigen Wochen die Ermittlungsakte zugespielt wurde, die wichtige Vernehmungen enthält und auf mehreren tausend Seiten Maradonas Tod und dessen Umstände rekonstruiert."

Was macht den Todesfall Maradona so komplex und welche Erkenntnis ihrer Recherche ist für Sie von zentraler Bedeutung?

"Maradonas Tod ist keine logische Folge seines teilweise sehr exzessiven Lebensstils, sondern er hätte verhindert werden können. Die Leute in seinem Umfeld haben ihn bewusst von der richtigen und für ihn überlebenswichtigen medizinischen Betreuung ferngehalten, weil sie die Kontrolle über ihn behalten wollten. Maradonas Tod ist ein Kriminalfall, der vor einem Gericht verhandelt werden wird."

Team auf Spurensuche in Buenos Aires

Felix Hutt in Argentinien
Felix Hutt vor dem "heiligen" Maradona.
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Sie waren für ihre Doku in Buenos Aires, dem Todesort aber auch zentrale Wirkungsstätte der legendären Nummer 10, unterwegs. Wo genau waren Sie vor Ort und wie wichtig war es für ihre "Spurensuche" genau dort zu beginnen?

"Ich war unter anderem in Villa Fiorito, dem Elendsviertel, in dem Maradona mit sieben Geschwistern und seinen Eltern in einer Art Baracke aufgewachsen ist. Und wir waren als erstes Fernsehteam vor dem Haus, in dem er gestorben ist. Ich habe also seinen Anfang und sein Ende aus meiner Sicht erkunden können, mit vielen Freunden und Weggefährten gesprochen. Das war sehr wichtig, um die Person Maradona besser zu verstehen."

Die Dokumentation rekonstruiert die letzten Tage im Leben von Diego Maradona. Wie gehen Sie dabei vor? Gibt es bestimmte Methoden, die Ihnen bei der Recherche helfen?

"Ich glaube, die Methoden eines Reporters ähneln denen eines Ermittlers. Man sammelt Material und Eindrücke und setzt am Ende ein Bild zusammen, das die Wahrheit basierend auf Fakten abbildet. Dazu gehört sicher eine gewisse Hartnäckigkeit und Penetranz in der Recherche, und die Fähigkeit sich nicht entmutigen zu lassen, wenn etwas nicht gelingt, zum Beispiel eine wichtige Quelle nicht zum Termin erscheint, oder wenn man seine These über den Haufen werfen muss, weil die Recherche etwas anderes ergibt."

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Felix Hutt in Argentinien
Felix Hutt auf Spurensuche in Buenos Aires
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Am 8. Juli enthüllt RTL mit dem Dokumentarfilm "War es Mord? Die geheime Todesakte Maradona!" ihre Recherche. Wie ist der Fernsehabend aufgebaut?

"Es werden im Studio sehr interessante Gäste mit mir über Diego Maradona sprechen, darunter sein Bruder Hugo Maradona, der aus Neapel anreist, und der bekannte Rechtsmediziner Dr. Michael Tsokos. Wir werden den Fall somit aus vielen Perspektiven und in all seinen Facetten beleuchten. Zudem wird Jean-Marie Pfaff als Gast im Studio sein, die Torhüter-Legende Belgiens, ein enger Freund von Diego Maradona. Bei der WM 1986, bei der Maradona Argentinien quasi im Alleingang zum Titel führte, kassierte er zwar zwei Tore von dem Argentinier, aber anschließend entstand eine echte Männerfreundschaft zwischen den beiden."

Vor ihrem Wechsel zu RTL waren Sie zehn Jahre Reporter beim Stern, zuletzt haben Sie für den Spiegel geschrieben. Was hat Sie zum Wechsel vom Print zum TV bewogen? Ist es einfach die Lust auf etwas Neues oder verspüren Sie die Lust auf ein neues Medium?

"Mich reizt die Herausforderung meine Geschichten auch visuell zu erzählen, und ich empfinde es als Privileg mein Portfolio erweitern und etwas Neues beginnen zu können. Ich finde, dass zum modernen Storytelling die visuelle Ebene dazugehört. Man merkt schließlich selbst, was man so konsumiert. Ich schaue sehr gerne Dokus und habe festgestellt, dass das auch immer mehr wird. Im TV erarbeitet man sich eine Geschichte nicht alleine, sondern immer im Team. Das ist ein schönes Gefühl." (lpö)