"Haltung des Klubs und meine ist bekannt"

FC Bayern ohne Robert Lewandowski: So reagieren Trainer Julian Nagelsmann und Präsident Herbert Hainer auf die Gerüchte

13. Mai 2022 - 17:24 Uhr

Julian Nagelsmann öffnete sein kleines Fläschchen mit energiereichem Ingwer-Shot, doch beim heißen Transferthema Robert Lewandowski gab sich der Trainer von Bayern München zunächst verschlossen. "Er ist ganz normal in meinen Planungen", sagte Nagelsmann erst auf Nachfrage, beenden konnte er die Spekulationen um den Weltfußballer damit nicht. Ebenso wenig wie Präsident Herbert Hainer, der auf eine Erfüllung des Vertrags pocht.

Kommentar: Lewandowski wird nicht zicken

"Robert hat sehr gut trainiert..."

Bei der Presserunde vor dem letzten Saisonspiel des Meisters beim VfL Wolfsburg am Samstag kamen die Wechselgerüchte um den Ausnahmestürmer immer wieder zur Sprache. Nagelsmann verwies mehrfach auf die "klare Haltung" des FC Bayern, wonach "Lewa" seinen bis 2023 laufenden Vertrag erfüllen solle. Zwar schloss Bayern-Präsident Hainer einen sofortigen Abschied aus. "Robert Lewandowski hat beim FC Bayern einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023. Und den wird er erfüllen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Münchner bei "Merkur" und "tz". Das aber will dieser angeblich nicht - und im Sommer zum FC Barcelona wechseln.

Die hoch verschuldeten Katalanen sollen den bald 34-Jährigen mit einem Dreijahresvertrag locken und bereit sein, über 30 Millionen Euro Ablöse zu bezahlen. Laut der gewöhnlich gut informierten TV-Sendung El Chiringuito soll sich Barca "total" einig sein mit dem Polen. Hat Lewandowski das Nagelsmann schon mitgeteilt? "Ich spreche öfter mit ihm", erzählte der Coach, aufgrund der aktuellen Lage aber nicht häufiger als gewohnt.

"Wir haben einen guten Austausch", sagte Nagelsmann, "ich weiß, wie seine Gedanken sind und er, wie meine Haltung ist". Das müsse nicht täglich aufgefrischt werden, "wir sind in einem Alter, in dem wir uns das behalten können, was wir vor einer Woche besprochen haben".

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"Bayern ist bereit, seinen Transfer zu verhandeln"

Was genau, wollte Nagelsmann naturgemäß nicht verraten. Einblicke in die Gespräche gab er letztlich dennoch. Das Gerücht, Lewandowski habe sich bei ihm über das Bayern-Offensivspiel beschwert, wies er zurück - und konterte sie mit Statistiken: In der Hinrunde habe Lewandowski nur zwei Flanken weniger bekommen als 2020/21, mit insgesamt 150 Torschüssen liege er ligaweit einsam an der Spitze. "Ob er 100 Prozent zufrieden ist, weiß ich nicht, aber es könnte deutlich schlechter laufen", sagte Nagelsmann.

Dennoch: In Spanien frohlocken die Medien ob der Aussicht, Lewandowski womöglich bald begrüßen zu dürfen. "Mundo Deportivo" nahm ihn am Freitag auf den Titel und berichtete von einer "offenen Tür", "Sport" schrieb auf Seite eins: "Bayern ist bereit, seinen Transfer zu verhandeln."

Finanzieren will und muss ihn Barca mit Verkäufen. Der Transfer von Philipp Coutinho zu Aston Villa bringt 20 Millionen Euro ein, Frenkie de Jong soll Manchester United bis zu 100 Millionen wert sein. Die Bayern tun sich allerdings bei der Suche nach einem Nachfolger schwer. Kein Wunder: Lewandowski hat in seinen 373 Spielen für die Münchner sagenhafte 343 Tore erzielt und selbst die "ewigen" Rekorde eines Gerd Müller reihenweise überboten.

"Eskalieren werdet ihr mich nicht sehen"

Trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass er in Wolfsburg sein "Abschiedsspiel" bestreiten wird. "Robert hat sehr gut trainiert und war sehr engagiert. Ich war sehr zufrieden", sagte Nagelsmann und kündigte einen Startelfeinsatz an. Und danach? Geht es am Sonntag zur Meisterfeier auf den Marienplatz - mit gebremstem Schaum. "Eskalieren werdet ihr mich nicht sehen", sagte Nagelsmann, "das wäre unangebracht, nur weil ich jetzt einmal die Schale gewonnen habe".

Er will mehr. Wenn am 8. Juli die Vorbereitung startet, werden seine Stars "einen nervigeren Trainer" erleben, "der mehr coachen wird". Und das, betonte er entgegen anderslautender Gerüchte, "auf Wunsch der Spieler". Ob Lewandowski dann noch dazugehören wird, bleibt einstweilen offen. (tno/sid)