Bayern zum 8. Mal in Serie Meister

Liga langweilig - bringt die Reformen!

FC Bayern Thomas Müller
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18. Juni 2020 - 16:36 Uhr

Kommentar von Emmanuel Schneider

Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, … nein, ich bin nicht mit dem Kopf auf die Tastatur gefallen. Das hier ist die Auflistung der Meistertitel in den vergangenen acht Jahren. Klingt eher mäßig spannend, oder?

Keine Bundesliga-Überraschungstitel mehr

Machen wir den Zeitstrahl etwas weiter, wird es nicht viel besser. Seit 20 Jahren, seit dem Jahr 2000 ging satte 14 Mal der Titel an die Säbener Straße in München. Pure Dominanz. Um es vorneweg klarzustellen: Verdient ist verdient, die Bayern waren über Jahre die beste Mannschaft mit dem besten Kader und haben vieles richtig gemacht. Glückwunsch!

Trotzdem müssen Fußballfans feststellen: Überraschungstitel wie durch Bremen (2004), Stuttgart (2007) oder Wolfsburg (2009) wirken wie aus einer fernen Zeit, fast aus einer anderen Fußball-Galaxie. Im jetzigen System ist es quasi ausgeschlossen, dass diese Teams nochmal Meister werden können. Money talks. Geld regiert – wie immer – die Welt.

FC Bayern zieht einsam seine Kreise

8. Mal Meister in Folge - alles schön und gut für die bayrische Fußballseele. Das Problem: Sport und Fußball leben in der Regel davon, dass vor dem Anstoß keiner so wirklich weiß, wie es ausgeht. In Deutschland weiß jedes Kind seit Jahren: Der FC Bayern wird am Ende Meister. Punkt. Auf Dauer schadet das nicht nur der Spannung, sondern auch der Liga, den Bayern und dem Geldbeutel.

Die Bayern waren den anderen schon seit langem etwas enteilt, inzwischen schwebt der FCB alleine wie eine SpaceX-Rakete durch das Weltall, während der Rest der Bundesliga auf dem Erdboden der Tatsachen festklebt. Einzig Borussia Dortmund (durch konstante CL-Millionen und das neureiche RB Leipzig (von Großsponsor Red Bull mit viel Geld gepudert) haben immerhin eine verspätete Startzündung hinbekommen.

Doch der Rest - und der beginnt schon direkt dahinter - ist schon Lichtjahre entfernt. Und selbst dem ärgsten Rivalen Borussia Dortmund zogen die Bayern mit gezielten Transfers (Lewandowski, Hummels, Götze) den Meister-Stecker. Legitimes Business, für die Ausgeglichenheit der Liga aber Gift. Und auch in dieser kuriosen Saison, in der lange so eine Art Vierkampf herrschte, machten die Münchener nach der Winterpause ernst. Ja, nach dem 14. Spieltag lag der FCB auf Platz sieben. Als es drauf ankam, legte der Edel-Kader der Bayern aber los. Der Rekordmeister wirkt wie ein abgezockter Marathonläufer, der sich bei Kilometer 30 kurz schüttelt, lächelt und dann davonzieht.

Nun könnte man einwenden, dass z.B in Italien Juventus eine ähnlich krasse Serie auffährt – acht Titel in Folge, dieses Jahr könnte gar der neunte Juve-Streich folgen. Oder Celtic Glasgow - neun Titel in Serie. Nur auf noch schlimmere Monopol-Auswüchse andernorts zu zeigen, ist selten ein guter Berater.

Video: Bayerns Meistersause

Reformen: TV-Gelder müssen anders verteilt werden

Was also tun? Damit es in den kommenden Jahren nicht ausnahmslos heißt: Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern, Bayern.

Die wichtigste Stellschraube ist die Verteilung der nationalen TV-Gelder, die einen immer wichtigeren Anteil an den Budgets der Clubs einnehmen – und die Spitzenteams somit Jahr für Jahr bevorzugen (nicht nur Bayern profitiert davon). Der FC Bayern bekommt fast so viel wie die Hälfte der Liga. So bildet sich ein sich selbst fütternder Kreislauf, mit einem elitären Zirkel rund um Dominator FC Bayern und einem abgeschlagenen Rest. Wie schwer ist es, aus der Spirale nach unten wieder rauszukommen? Fragen Sie mal in Kaiserslautern, Karlsruhe oder dem FCB-Stadtrivalen TSV 1860 München nach.

Gehaltsobergrenzen und Solifonds?

Eine offene Frage ist auch, wie mit all den TV-Millionen aus den internationalen Wettbewerben der Europa League und Champions League umgegangen werden sollte – ist eine softe Umverteilung möglich? In den Niederlanden gibt es beispielsweise seit 2018 einen Solifonds, in den Teile der internationalen Gelder für den Rest der Liga umverteilt werden. Generell gibt sich die holländische Eredivisie progressiv: So haben die Top-Clubs um Ajax, Feyenoord und PSG Eindhoven zum Beispiel vereinbart, sich keine Talente aus den Nachwuchsakademien abzuwerben.

Zudem sollten Gehalts- und Transferobergrenzen dringend diskutiert, bestenfalls europaweit umgesetzt werden, um die astronomischen Summen etwas einzudämmen. Gerade jetzt nach bzw. in der Corona-Krise. Lücken im System müssen vorher ausgeschlossen werden. Selbst Spieler wie Julian Brandt sehen ein, dass die Fußball-Gehälter unverhältnismäßig hoch sind.

In einem weiteren Schritt könnte gar über eine Reform des Spielsystems nachgedacht werden wie in Österreich. Dort werden nach einer ersten Runde mit Hin- und Rückspiel die Punkte halbiert und eine eine zweite Meister- bzw. Abstiegsrunde gestartet.

Das alles klingt für viele Ohren sicher revolutionär und fast schon verrückt. Aber wäre nicht genau dieses verrückte und merkwürdige Jahr 2020 der beste Startpunkt für diese "Revolution"?

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