Rostock: Beziehungsdrama im Plattenbau

Mann (40) sticht auf Baby ein und stürzt vom Balkon in den Tod

22. Juli 2019 - 16:07 Uhr

Mann drohte, das Baby vom Balkon zu werfen

In Rostock hat sich in der Nacht auf den 21. Juli ein blutiges Familiendrama ereignet. Nachbarn riefen die Polizei, weil sie lautes Geschrei aus der Wohnung im Stadtteil Dierkow gehört hatten. Als die Polizei vor dem Plattenbau eintraf, soll der 40-Jährige ein Kind über die Balkonbrüstung gehalten und gedroht haben, es fallen zu lassen. Unten standen schon Anwohner mit aufgespannten Laken bereit. Am Ende stürzte er selbst aus dem fünften Stock in die Tiefe.

Tatverdächtiger stürzte kopfüber vom Balkon

Mann sticht mit Messer auf Säugling ein
Ein Mann in Rostock hat mit einem Messer auf einen Säugling eingestochen.
© dpa, Stefan Tretropp, stefan tretropp gfh

Die Polizei stürmte die Wohnung, konnte aber nicht mehr verhindern, dass der 40-Jährige mit einem Messer auf ein drei Monate altes Baby einstach. Der Säugling wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Er schwebt aber noch immer in Lebensgefahr.

Bevor die Polizei den Tatverdächtigen überwältigen konnte, stürmte er auf den Balkon und stieg über die Brüstung. Ein Polizist versuchte noch, den Mann festzuhalten. Kopfüber baumelte er vom Balkon. Doch dann rutschte er ab und stürzte in den Tod.

Kind (9) überlebte unverletzt

Die Ermittler gehen im Moment von einer Beziehungstat aus. Sie haben aber bisher noch nicht bestätigt, dass der Mann der Vater der Kinder war. Die 18 Jahre alte Mutter erlitt einen Schock und konnte bisher nicht vernommen werden. Sie soll sich erst vor kurzem von dem 40-Jährigen getrennt haben. Das neun Jahre alte Kind, das der Mann zuvor vom Balkon werfen wollte, überlebte unverletzt.

Kinder werden vor allem dann zu Opfern, wenn Eltern sich trennen

Laut der Deutschen Kinderhilfe ist die Gefahr für Kinder besonders hoch, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, wenn die Eltern sich trennen oder um das Sorgerecht streiten. Bei rund einem Viertel aller Kinder, die durch Mord oder Totschlag ums Leben kommen, steht eine Trennung oder Streit zwischen den Eltern im Hintergrund. Das habe eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen ergeben.

"Wir brauchen mehr Sensibilität bei den Jugendämtern, Familiengerichten und bei der Polizei, auch an eine derartige Möglichkeit einer Eskalation einer Trennung zu denken, um dann so schnell wie möglich vorbeugend tätig zu werden", forderte Reiner Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.