Hat der jüngste Tatverdächtige bei seinem Alter gelogen?

Fall Leonie: ihr "Freund" soll nicht 16, sondern wahrscheinlich 20 Jahre alt sein

Am 26. Juni wird die erst 13-jährige Leonie in Wien leblos an einem Baum lehnend gefunden.
Am 26. Juni wird die erst 13-jährige Leonie in Wien leblos an einem Baum lehnend gefunden.
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23. Juli 2021 - 12:02 Uhr

Neue Details zum Tatverdächtigen im Fall der toten Leonie aus Wien

Der Tod der erst 13-jährigen Leonie schockierte Ende Juni nicht nur in Österreich. Drei junge Männer aus Afghanistan konnte die Polizei in Wien bereits als Tatverdächtige festnehmen. Nach einem Vierten wird europaweit gefahndet. Der jüngste der Festgenommenen behauptet, mit Leonie zusammen gewesen und 16 Jahre alt zu sein. Doch wie aus einem Gutachten nun hervorgeht, soll er erheblich älter sein, berichtet die österreichische Zeitung krone.at.

Das war passiert

Am frühen Samstagmorgen des 26. Juni wird die 13-Jährige leblos an einen Baum lehnend in der österreichischen Hauptstadt gefunden. Leonie soll sich am Nachmittag des Vortags mit ihrem Freund verabredet haben. Dieser habe sie dann in seine Wohnung gelockt, dort sei das Mädchen mit Ecstasy betäubt worden. Anschließend kam es wohl zu mehrfachen Vergewaltigungen. Nachdem die Täter von ihr abgelassen hatten, erlangte Leonie das Bewusstsein nicht wieder. Die Tatverdächtigen sollen sie dann nach draußen gebracht und auf einem Grünstreifen abgelegt haben.

Die Leiche des Teenagers lehnte an einem Baum
Fundort der Leiche von Leonie (13) in Wien.
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Gutachten: Jüngster Tatverdächtiger mindestens 19 Jahre alt

Der jüngste Tatverdächtige erzählt bei einer Vernehmung an, er habe von den Vergewaltigungen nichts mitbekommen. Sein Alter gibt er mit 16 Jahren an. Die ermittelnden Beamten haben ein Gutachten dazu in Auftrag geben lassen. Das Ergebnis belegt laut einem Bericht von heute.at, dass das angegebene Geburtsjahr 2004 nicht mit der körperlichen Entwicklung des Tatverdächtigen zusammen passt. Die Untersuchung am 14. Juli 2021 ergibt vielmehr, dass der Tatverdächtige mindestens 19 Jahre alt ist. Das wahrscheinliche Alter geben die Gutachter sogar mit 20,6 Jahren an. Relevant ist die Altersfrage im Hinblick auf das Strafmaß, das in einer Gerichtsverhandlung um den Tod von Leonie verhängt werden könnte.

Der Anwalt des jüngsten Tatverdächtigen erwidert gegenüber heute.at, er hätte bei den Gesprächen mit seinem Mandanten nicht den Eindruck bekommen, dass dieser bereits 18 bis 20 Jahre alt sei. Außerdem wäre der junge Mann vom "Tod von Leonie sehr betroffen", wie heute.at den Anwalt zitiert.

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Parallele zum Fall Mia aus Kandel

Diese Entwicklung im Fall Leonie weckt Erinnerungen an die Ermordung der 15-jährigen Mia aus Kandel in Rheinland-Pfalz. Am 27. Dezember 2017 hatte ein im Jahr zuvor als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling eingereister Afghane seine deutsche Ex-Freundin in einem Drogeriemarkt erstochen. Bei seiner Einreise hatte er angegeben, 15 Jahre alt zu sein. Nach der Tat erhob der Vater des getöteten Mädchens Zweifel an der Altersangabe. Das Gutachten der Sachverständigen ergab in diesem Fall ein Mindestalter von 17 Jahren zum Tatzeitpunkt. Wahrscheinlich war der afghanische Flüchtling aber Ende 2017 etwa 20 Jahre alt. In Deutschland entbrannte daraufhin eine Diskussion um die Altersfeststellung von eingereisten, angeblich minderjährigen Flüchtlingen. Im folgenden Prozess wurde der Täter zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Oktober 2019 hat er sich in seiner Zelle erhängt. (lha)

ARCHIV - 28.12.2017, Rheinland-Pfalz, Kandel: Eine Skulptur in Form zweier Handflächen mit der Aufschrift "Mia warum?" und eine Rose liegen vor dem Drogeriemarkt, in dem ein 15-jähriges Mädchen von ihrem Ex-Freund erstochen wurde.  (zu dpa «Mordankla
Der gewaltsame Tod der 15-jährigen Mia löste Ende Dezember 2017 Entsetzen aus.
© dpa, Andreas Arnold, arn exa sab rho

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