Zwei Männer sollen sich in Chat zur Tat verabredet haben

Facebook verhindert Mord an 15-Jährigem in Chemnitz

Facebook informierte die Polizei und konnte so schlimmeres verhindern.
Facebook informierte die Polizei und konnte so schlimmeres verhindern.
© dpa, Fabian Sommer, bsc ost

17. Mai 2021 - 10:50 Uhr

Von Maria Neubauer

Heiko G. (36) aus Chemnitz und Robby P. (27) aus Crimmitschau stehen seit letztem Montag vor dem Landgericht Chemnitz. Der Vorwurf: Sie sollen sich 2019 per Privatnachrichten bei Facebook verabredet haben einen 15-jährigen Jungen in eine Chemnitzer Fabrikruine zu locken, um ihn dort zu vergewaltigen und zu töten.

15-Jähriger sollte in Fabrikruine gelockt und getötet werden

Doch zu dem geplanten Treffen kam es nie, denn der Messenger-Dienst Facebook informierte einen Tag zuvor das Bundeskriminalamt und brachte dieses so auf die Spur der Täter. Der 27-jährige Berufskraftfahrer Robby P. äußerte sich bisher noch nicht zu den Vorwürfen.

Der andere Angeklagte Heiko G. erstellte sich ein Fake-Profil bei Facebook und gab sich dort als Jugendlicher aus. Auf seinem Profil war das Foto eines halbnackten Junge zu sehen, der auf einem Bett lag. Der 36-Jährige räumte bereits beim Prozessauftakt ein, dass der Chat mit Robby P. genau so stattgefunden habe, wie es der Staatsanwalt beschreibt. Doch der Beschuldigte verteidigt sich und erklärt, dass er die Mord-Pläne nie in die Tat umsetzen wollte. Heiko G. habe den eigentlichen Gefährder nur aufdecken wollen: Er hatte vor, am Tag der Verabredung im Juni 2019 die Polizei zu informieren und mit dieser zusammen beim Treffen mit Robby P. zu erscheinen.

Facebook meldete den verdächtigen Chat der Chemnitzer Männer

Bei einer Durchsuchung des Computers von Heiko G. wurden kinderpornografische Bilddateien sichergestellt. Auch hier verteidigte sich der 36-jährige und sagt, dass ihm diese Bilder ohne Aufforderung zugeschickt worden und automatisch gespeichert worden seien. Er selbst bezeichnet sich als asexuell und finde solche Bilder "abartig".

Außerdem stellten sie Beamten bei dem Beschuldigten auch eine rechtsmedizinische Dissertation der Universität Münster über Tötungen durch Erdrosseln und Erwürgen sicher. Die Polizei äußerte vor Gericht, dass sie nach Bekanntwerden des Chats davon ausgegangen sei, dass es sich um eine ernsthafte Planung eines Verbrechens gehandelt habe.

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Heiko G. hatte beruflich und privat mit Kindern zu tun

Der Beschuldigte Heiko G. war viele Jahre als Kinder- und Heilerziehungspfleger tätig und trainierte sogar in seiner Freizeit Jugendliche im Fußball. Nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, reagierte der Verein unverzüglich: Heiko G. wurde mit sofortiger Wirkung seines Amtes entbunden. Die Eltern der Kinder wurden aufgeklärt und informiert, jedoch habe es bisher keine Meldungen von Verhaltenauffälligkeiten oder Übergriffen gegeben. Der Angeklagte ist im Verein zuvor noch nie auffällig gewesen.