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Exorzisten-Syndrom: Wie eine Halsentzündung einen Jungen zu Tobsuchtsanfällen zwingt

23. November 2016 - 16:55 Uhr

Cameron leidet unter quälenden Anfällen

Cameron windet sich, er hat Schmerzen, sein ganzer Körper zuckt. Nach einer ganz normalen Halsentzündung leidet der Junge an Tobsuchtsanfällen - als wäre er besessen. Zuerst glaubten die Ärzte, es sei das Tourette-Syndrom, doch dann entdeckten sie etwas völlig anderes:

Eine simple Halsinfektion sorgt für die PANDAS-Diagnose

Es ist eigentlich ein ganz normales Wochenende im Februar 2014. Camerons Mutter fiel auf, dass ihr sonst eher ruhiger Sohn schneller aggressiv wurde und leicht reizbar war. Da er in der zurückliegenden Woche mehrere Arbeiten in der Schule schreiben musste, schien das für die Mutter eine natürliche Reaktion auf den schulischen Stress zu sein. Doch dann begannen die Anfälle und Cameron geriet völlig außer Kontrolle.

Die Familie hatte noch nie von einer Kinderkrankheit gehört, die sich so äußerte und fuhr schließlich mit Cameron in ein Krankenhaus. Zuerst vermuteten die Ärzte das Tourette-Syndrom, doch dann kam es ganz anders: "Als wir gerade die Klinik verlassen wollten, kam eine Ärztin mit den Blutergebnissen in den Raum und sagte, dass die Streptokokken-Werte extrem hoch seien. Und dann stellte sie die PANDAS-Diagnose", erzählte die Mutter.

PANDAS steht für pädiatrische autoimmun-neuropsychiatrische Krankheit mit Infektion durch Gruppe A-Streptokokken. Übersetzt bedeutet das, dass eine simple Halsinfektion, an der Cameron im Vorfeld litt, eine andere seltene Krankheit in Gang gesetzt hat: Der Körper will die Infektion in seinem Hals automatisch heilen, doch die helfenden Antikörper werden ins Gehin geschickt und zerstören dort Zellen, die den Viren im Hals ähneln - und greifen so Camerons Gehirn an.

Die PANDAS-Krankheit wird auch als 'Exorzisten-Syndrom' bezeichnet. Eigentlich ist der Junge freundlich, sportlich und bei Freunden beliebt. Doch während der Schübe kann er nicht mehr er selbst sein: Er will sich selbst oder den Personen in seiner Nähe wehtun - ganz egal, ob es sich dabei um Freunde oder Familie handelt.

Eine Heilung ist noch nicht in Sicht

"Er hat immer wieder gesagt, er kann so nicht weiterleben. Er müsse sterben oder sich umbringen.", verrät seine Mutter. Die Anfälle gingen so weit, dass Cameron sich selbst die Treppen runterstürzte und sich während einer Nacht sogar ein Brotmesser an die Kehle hielt. Er selbst kann sich allerdings nach seinen Schüben an nichts mehr erinnern.

Seit fast drei Jahren geht Cameron jetzt in Kliniken ein und aus, um die schweren Symptome seiner Krankheit zumindest mit starken Medikamenten in den Griff zu bekommen. Ein Heilmittel gibt es bis jetzt nicht. Das einzige, was Cameron während seiner Anfälle beruhigt und zum schlafen bringt, sind Tabletten, die normalerweise vor Narkosen verabreicht werden. Und von denen muss er jedes mal vier Stück einnehmen.

Über eineinhalb Jahre konnte Cameron wegen seiner Krankheit überhaupt nicht zur Schule gehen. Mittlerweile schafft er der starken Medikamente wegen zumindest schon sechs bis neun Stunden pro Woche. Und auch Fußball spielen klappt für kurze Zeit.

Eine Heilung ist zwar noch nicht in Sicht, jedoch hat die seltene Krankheit die ganze Familie noch enger zusammengeschweißt.

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