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Notruf-Misere bei Berliner Polizei: Anrufer hängen bis zu 13 Minuten in der Warteschleife

Polizei, Rettungsdienst
Bis zu 13 Minuten warteten Anrufer beim Berliner Notruf in der Warteschleife (Symbolbild).
www.imago-images.de, imago images/Die Videomanufaktur, Martin Dziadek via www.imago-images.de

Berlin: Wer Hilfe braucht, muss sich immer länger gedulden

Stellen Sie sich vor, Sie wählen den Polizei-Notruf – und hängen erst mal 13 Minuten in der Warteschleife. So erging es einem Anrufer in Berlin im Jahr 2020, und auch dieses Jahr gab es bereits Wartezeiten von über elf Minuten. Eine statistische Erhebung der Polizei Berlin verdeutlicht, dass sich Anrufer zuletzt auch im Durchschnitt länger gedulden mussten als vor sieben Jahren.

Berliner Notruf: Im Winter geht's deutlich schneller als im Sommer

RTL liegt exklusiv die Antwort des Berliner Abgeordneten Marcel Luthe (Freie Wähler, fraktionslos im Berliner Abgeordnetenhaus) auf eine Anfrage beim Abgeordnetenhaus vor. Die von der Polizei zur Verfügung gestellten Daten reichen zurück bis ins Jahr 2014.

Während die durchschnittliche Wartezeit bei einem Anruf 2014 noch neun Sekunden und 2015 zehn Sekunden betrug, stieg sie im folgenden Jahr auf 16 Sekunden an. In den ersten acht Monaten dieses Jahres mussten Anrufer im Durchschnitt 14 Sekunden warten, bis jemand abhob.

Auffällig: In allen Jahren sind die Zahlen für die Wintermonate deutlich besser als für die Sommermonate. Der Durchschnittswert für Januar 2021 etwa lag bei sechs Sekunden, für August 2021 bei 24 Sekunden.

Hoher Krankenstand bei der Polizei Grund für die Misere?

Die Auswertung gibt auch Aufschluss über die jeweils längste Wartezeit pro Anruf zwischen Rufaufbau und Gesprächskontakt mit einem Beamten. Der höchste Wert liegt bei 13:09 Minuten (September 2020); im Jahr 2021 musste ein Anrufer 11:10 Minuten warten (August). Zum Vergleich: Die Maximalwerte aus den Jahren 2014 und 2015 liegen bei 07:03 bzw. 07:25 Minuten.

Die Berliner Polizei ist mit den Zahlen unzufrieden, wie RTL aus Polizeikreisen erfuhr. Als einer der Gründe für die Verschlechterung wird der hohe Krankenstand genannt.

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Zweckfremder Notruf: Bürger wählen für einfache Auskünfte die 110

Allerdings kämpft die Polizei auch mit einer Vielzahl von zweckfremden Notrufen. Damit gemeint sind Anrufer, die die 110 wählen, aber nur eine Frage etwa zu den Öffnungszeiten des Ordnungsamtes oder einer Ausweisverlängerung haben. Mindestens 13.000 solcher Anrufe pro Monat gingen bei der Berliner Polizei in den Jahren 2020 und 2021 ein.

Längere Wartezeiten auch bei Berliner Feuerwehr

Länger warten als früher müssen Bürger auch, wenn sie den Notruf der Berliner Feuerwehr wählen. Während die durchschnittliche Wartezeit 2014 elf und in den folgenden zwei Jahren 14 Sekunden betrug, stieg der Wert 2019 auf 25 Sekunden. Im Jahr 2021 mussten sich Anrufer bisher im Schnitt 21 Sekunden gedulden.

Marcel Luthe: Zehn Sekunden müssen das Maximum sein

Marcel Luthe
Marcel Luthe kritisiert den Personalmangel bei der Berliner Polizei und der Berliner Feuerwehr.
RTL

"Wenn Sie bis zu 13 Minuten warten, bis beim Polizei-Notruf jemand ans Telefon geht, ist Ihnen schon alles passiert, was Sie verhindern wollten", kritisiert Marcel Luthe im RTL-Interview. Die Berliner Polizei und die Berliner Feuerwehr verfügten über deutlich zu wenig Personal.

"Wir haben massiv Überstunden und dadurch einen ganz erheblichen Krankenstand", sagt der Abgeordnete. Berliner Polizisten seien im vergangenen Jahr durchschnittlich 47,4 Tage krank gewesen, Feuerwehrleute sogar 55 Tage.

Es dürfe höchstens zehn Sekunden dauern, bis jemand beim Notruf jemanden erreicht. "Nicht nur durchschnittlich, sondern garantiert als absolutes Maximum." (bst)