Basis wartet auf ein Comeback

Republikaner tagen ohne Donald Trump in Florida: Trotzdem ist der Ex-Präsident Thema

Um Ex-Präsident Donald Trump ist es ruhig geworden. Die Republikaner tagen derweil ohne ihn.
Um Ex-Präsident Donald Trump ist es ruhig geworden. Die Republikaner tagen derweil ohne ihn.
© imago images/Agencia EFE, Giorgio Viera via www.imago-images.de, www.imago-images.de

28. April 2021 - 11:26 Uhr

Republikaner: Tagung ohne Donald Trump - Warten auf's Comeback

Die Republikaner treffen sich direkt um die Ecke von Donald Trumps Anwesen – doch der Ex-Präsident ist nicht eingeladen. Dennoch dreht sich das Treffen nur um den Ex, denn die Basis wartet sehnsüchtig auf dessen Comeback.

Um Ex-US-Präsident Donald Trump ist es still geworden

Was macht eigentlich Donald Trump? Vor fast 100 Tagen hat er in der Präsidentenmaschine Air Force One Washington verlassen, und sich zu seinem Anwesen nach Florida fliegen lassen, wo er von seinen Anhängern gebührend gefeiert wurde. Weil Twitter das Staatsoberhaupt anderthalb Wochen vorher verbannt hatte, ist es seit dem 20. Januar relativ still um ihn geworden. Nun versammelt sich Trumps Partei, die Republikaner, in Orlando, also quasi in seiner Nachbarschaft, zu einer Klausur – der Ex-Präsident ist nicht eingeladen und doch allgegenwärtig.

Die Konferenz soll die zersplitterte Partei eigentlich wieder ein wenig mehr zusammenbringen. Denn die nächste Wahl ist bereits in anderthalb Jahren und im Weißen Haus sitzt ein Demokrat – tiefe Gräben helfen da nicht besonders, um verlorene Parlamentssitze zurückzuerobern oder irgendwann später gar das Staatsamt. Doch schon der Auftakt des Treffens ging schief. So konnten sich die Vorsitzende der Konferenz, Liz Cheney, nicht mit dem Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, darüber einigen, wie weit die Untersuchungen des Kapitol-Sturms am 6. Januar gehen sollen.

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Sturm aufs Capitol: Welche Mitschuld hat Trump am 6. Januar ?

Damals waren Hunderte von Menschen, die meisten Trump-Anhänger, in das Parlamentsgebäude eingedrungen. Es gab Verletzte und Tote und am Ende stand der US-Präsident als derjenige dar, der die Meute aufgehetzt hatte. Für manche Konservativen ist der Vorfall schmerzlich, zeigte er die hässlichen Konsequenzen ihres jahrlangen Pakts mit Donald Trump. Dennoch halten viele Republikaner unbeirrt am früheren Präsidenten fest. Oder vielleicht auch genau deswegen. Kevin McCarthy jedenfalls argumentiert ganz im Sinne des alten Chefs und behauptet weiter und bar jeden Beweises, dass ihnen die US-Wahl gestohlen worden ist.

Diese Meinung teilt er mit einem großen Teil der Wählerschaft. Neuen Umfragen zufolge glauben vor allem jüngere Anhänger der Republikaner daran, dass es bei der Präsidentschaftswahl im November 2020 nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Gerade einmal ein Viertel von ihnen betrachtet Joe Biden deshalb als rechtmäßigen Präsidenten und zwei Drittel sind überzeugt, dass Trump keine Mitschuld an den Vorkommnissen von Anfang Januar trägt. Geht es nach der Parteibasis, sollte Trump überhaupt bald ein Comeback wagen: Sechs von zehn konservativen Wählern wollen, dass er bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2024 wieder antritt.

In diese Gemengelage hinein also versuchen die Organisatoren der Klausurtagung, die den Ex-Präsidenten erst gar nicht eingeladen haben, eine gemeinsame Linie zu finden. Wenig überraschend sind es die Trump-kritischen Stimmen, die von den rechten Republikanern als Spaltpilze betrachtet werden. "Ich denke, wir haben eine Verantwortung", sagte Kevin McCarthy an Liz Cheney und deren Unterstützer gerichtet, "wenn Führer rausgehen, und nicht als Team zusammenarbeiten, dann geraten sie in Schwierigkeiten." Der erste Tag ihrer ersten Post-Trump-Konferenz erweckte nicht den Eindruck, als könnten die Republikaner die Reihen so schnell schließen.

Quellen: "The Hill", "US News", "Politico"

Hinweis: Dieser Artikel von Niels Kruse erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.

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