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Europa League: So reich könnte der Europa-Triumph Eintracht Frankfurt machen

Es geht um Millionen

So reich könnte der Europa-Triumph Eintracht Frankfurt machen

Frankfurt ist zumindest schon reich an Dosen - Kohle folgt
Frankfurt ist zumindest schon reich an Dosen - Kohle folgt
picture alliance

von Thomas Badtke

1980 gewinnt Eintracht Frankfurt den UEFA-Cup. 1972 holt Glasgow Rangers den Europapokal der Pokalsieger. Nun treffen sie im Europa-League-Finale aufeinander. Es winken Ruhm und Ehre, die sportliche Unsterblichkeit - und wichtige Millionen.

Ein echtes "Traumfinale"

1980: Die USA boykottieren erstmals Olympische Spiele und schicken keine Sportler zu den Sommerspielen nach Moskau. Und Eintracht Frankfurt? Der Bundesligist steht im rein deutschen Finale des UEFA-Cups gegen Borussia Mönchengladbach.

Eintracht Frankfurt gegen Glasgow Rangers: So sehen Sie das Finale heute live

2022: Die Fußball-Weltmeisterschaft findet erstmals in Katar statt - und im Winter. Und Eintracht Frankfurt? Die Hessen erreichen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte das Finale der Europa League, treffen in Sevilla auf den schottischen Traditionsclub Glasgow Rangers. Eintracht-Legende Karl-Heinz "Charly" Körbel spricht von einem "Traumfinale für den Fußball, die Fans und die Eintracht". 1980 gewann Eintracht Frankfurt, besiegte Gladbach, holte den Pott. Es ist der größte Erfolg des Vereins - bis heute, denn nun könnte die SGE den Nachfolger gewinnen und damit erstmals in die Champions League einziehen.

11 Fakten zum historischen Europa-League-Finale

Eintracht will Geschichte schreiben

Die Eintracht kann Geschichte schreiben", sagt Körbel im Gespräch mit ntv.de. Der Zeitpunkt könnte besser nicht sein. So sind die Geisterspiele der Coronavirus-Pandemie endlich vorbei und die Fans zurück in den Stadien. Sie haben etwas nachzuholen und die Stimmung ist dementsprechend euphorisch. In den Europa-League-Partien gegen Betis Sevilla, den FC Barcelona und auch gegen West Ham waren die Anhänger der Eintracht ein entscheidender Faktor, der 12. Mann. Von der "weißen Wand" in Camp Nou werden noch Generationen sprechen.

Auch in Sevilla werden wieder Zehntausende SGE-Fans in der Stadt sein. Körbel rechnet mit "etwa 50.000 außerhalb des Stadions". Auch diesmal werden die Anhänger ein Faktor sein - wenn auch auf beiden Seiten. Denn auch die Rangers-Fans werden zu Zehntausenden ihr Team nach Sevilla begleiten. Bis zu 70.000 könnten es sein, wie es heißt. Sevilla wird damit fest in schottisch-hessischer Hand sein

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Stimmgewaltig und titelhungrig

So stimmgewaltig die beiden Fan-Lager, so traditionsreich und titelhungrig die beiden Vereine: Eintracht Frankfurt ist mit dem Deutschen Pokalsieg 2018 nach 30 Jahren ohne Titel wieder auf den Geschmack gekommen. Den letzten und bislang einzigen internationalen Pott holte die SGE eben 1980. Bei den Rangers liegt ein internationaler Triumph noch länger zurück: 1972 gewannen sie den Cup der Pokalsieger. Danach folgten zwar noch zahlreiche nationale Meisterschaften und Pokalsiege, aber auf großer internationaler Bühne blieben die Schotten titellos.

Beide Vereine überzeugten in der bisherigen Europa-League-Saison, sie drückten ihr ihren Stempel auf. Während Eintracht Frankfurt den großen Favoriten FC Barcelona aus dem Wettbewerb kickte, schickten die Rangers mit Borussia Dortmund und RB Leipzig gleich zwei deutsche Teams nach Hause, die durchaus Ambitionen auf den Pott hegten - nach einer zugegebenermaßen schwachen Champions-League-Gruppenphase. Sie waren letzten Endes nicht heiß genug auf die Europa League - ganz im Gegensatz zur Eintracht und den Rangers.

Satte Millionen für die Eintracht

Die Gier auf den Pott zahlt sich nun auch in barer Münze aus: Der Finalverlierer streicht für dieses eine Spiel vier Millionen Euro ein, der Gewinner darf sich über acht Millionen Euro freuen. 3,5 Millionen Euro gibt es dann noch für den anstehenden Supercup gegen den Champions-League-Sieger. Bislang hat Frankfurt wohl um die 17 Millionen Euro an Prämien und Startgeldern eingenommen. Weitere Millionen kommen aus dem Vermarktungspool noch obendrauf. Alles in allem, und im Idealfall, winken den Frankfurtern rund 35 Millionen Euro aus dieser Europa-League-Spielzeit. Da auch die Hessen nicht von der Corona-Krise verschont geblieben sind, kommt das Geld genau zur richtigen Zeit - denn wieder einmal droht ein mittelgroßer Kaderumbruch.

Elf Spieler-Verträge laufen 2023 aus. Ordentliche Ablösesummen sind nur noch in diesem Sommer zu erzielen. Steven Zuber (AEK Athen), Dominik Kohr und Danny da Costa (beide Mainz 05) verlassen den Verein bereits, bringen fünf Millionen Euro an Transfererlösen. Evan N'Dicka will weg und soll möglichst mindestens 20 Millionen Euro einspielen. Auch bei Daichi Kamada, Ajdin Hrustic und Filip Kostic ist die Zukunft ungewiss, könnten die Vereinskassen aber noch einmal klingeln.

Dabei ist ein Finalsieg in der Europa League Fluch und Segen zugleich: Gewinnt Frankfurt, spielt die Eintracht kommende Saison in der Champions League. Das ist für Akteure wie Kostic und N'Dicka das erklärte sportliche Ziel. Gleichzeitig fließen dem Verein durch die Teilnahme in der Königsklasse garantierte Millionen in die Kassen. Damit könnten zum einen Spieler wie Kostic gehalten, aber auch namhafte neue verpflichtet werden.

Fehlende Kadertiefe könnte zum Problem werden

Aktuell sind die Frankfurter schon mehrfach auf dem Transfermarkt erfolgreich aktiv gewesen, haben mit Randal Kolo-Muani einen Stürmer (12 Tore in der Ligue 1, FC Nantes) Aurelio Buta als da-Costa-Nachfolger (Royal Antwerpen) und Jerome Onguene (Salzburg) für N'Dicka verpflichtet. Allesamt ablösefrei.

So erfolgreich die Eintracht in der Europa League unterwegs war, so deutlich enttäuschte sie in der Bundesliga. Ein Grund dafür ist auch die fehlende Kadertiefe. Sollte die Eintracht die Europa League gewinnen und kommende Saison Champions League spielen, muss sich da noch einiges tun. Gleichzeitig dürften die Vereine umworbener Spieler aber höhere Ablösesummen aufrufen, nach dem Motto: Na, ihr habt's doch jetzt.

Eintracht Frankfurt surft derzeit auf einer Welle der Euphorie. Nicht nur die Einwohner der Mainmetropole oder der Region drücken dem Team die Daumen. Ganz Deutschland scheint auf einmal Fan der Adler-Träger zu sein. 1980 war das nicht so. Da musste sich Frankfurt die Fan-Gunst im Finale mit Mönchengladbach teilen. Gewonnen hat sie dennoch und damit Fußballgeschichte geschrieben. Etwas, das sie 2022 wiederholen will. (ntv.de)