Folgen für Autofahrer

EU-Klimaplan: Das müssen Autofahrer jetzt wissen!

Kommt das Aus für Benziner- und Dieselfahrzeuge? Die EU hat ambitionierte Ziele.
Kommt das Aus für Benziner- und Dieselfahrzeuge? Die EU hat ambitionierte Ziele.
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15. Juli 2021 - 8:46 Uhr

EU stellt „Fit for 55“-Konzept vor

Die EU-Kommission hat ihre neuen Klimaziele für Europa vorgestellt. Das Konzept "Fit for 55" umfasst Vorschläge wie die ehrgeizigen Klimaziele erreicht werden können.

Der CO2-Ausstoß der Mitgliedsstaaten soll bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Wert der 1990er sinken. Bis 2050 will die EU klimaneutral werden.

Ein großer Faktor, damit das gelingen kann, ist die Reduzierung der Emissionen von PKWs. Autofahrer müssen sich in den nächsten Jahren auf einige Veränderungen gefasst machen. Müssen sich Besitzer von Verbrennerfahrzeugen jetzt sorgen machen und wird für alle jetzt nochmal der Sprit teurer?

Ab wann darf ich mit meinem Verbrenner nicht mehr auf die Straße?

Die neuen CO2-Regeln gelten nur für Neuwagen, ältere Autos mit Verbrennermotoren haben Bestandschutz. Ein direktes Verbrenner-Verbot gibt es nicht. Allerdings sind die Ziele der EU so hochgesetzt, dass die Herstellung von Neuwagen mit Verbrennungsmotor mittelfristig auslaufen werden. Ab 2035 sollen alle neu zugelassenen Wagen "Null-Emissionen" ausstoßen.

Aber es gibt zuvor noch eine Übergangsphase: Ab 2030 sollen die Emissionen neuer PKWs um 55 Prozent abnehmen. Fest steht aber: Auch nach 2030 wird es noch viele Verbrenner auf den Straßen geben. Ein Durchschnitts-PKW wird in Deutschland 9,8 Jahre alt, da die neuen Regelungen zunächst nur für Neuwagen gelten sollen, werden auch noch viele alte Fahrzeuge auf den Straßen zu finden sein. Deren Emissionen ausgleichen soll ein steigender Anteil an E-Autos.

Sollte ich mir ein E-Auto zulegen?

Um die ehrgeizig gesteckten Ziele der EU-Kommission von 55 Prozent zu erreichen, brauchen wir einen deutlich höheren Anteil an E-Autos. Bis Ende 2030 müssten zwei Drittel aller neu zugelassenen Fahrzeuge einen alternativen Antrieb haben. Bisher ist dies nur bei einem kleinen Teil aller deutschen Autos der Fall. Im Moment dominieren noch die Verbrenner: Stand Anfang April gab es 31 Millionen Benziner- und 15 Millionen Dieselautos auf den Straßen.

Reine E-Autos kratzen noch an der eine Million-Marke. Das wird sich in den nächsten zehn Jahren also deutlich ändern müssen. Klassische Benziner und Diesel werden auf lange Sicht wohl komplett von den Straßen verschwinden. Für den ein oder anderen also sicherlich ein Grund, über die Anschaffung eines E-Autos nachzudenken.

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Wird der Sprit jetzt teurer?

ARCHIV - 06.09.2020, Bayern, München: Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.       (zu dpa «Öl- und Spritpreis auf Mehrjahreshoch») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Spritkosten könnten durch die Pläne der EU noch einmal deutlich ansteigen.
© dpa, Sven Hoppe, shp gfh fgj vco exa abl tba

Schon seit Anfang des Jahres sind die Spritpreise deutlich angestiegen. Durch den CO2-Preis ist Diesel rund acht Cent pro Liter und Benzin rund sieben Cent pro Liter teurer geworden. Die neuen Regeln könnten die Preise noch einmal in die Höhe schießen lassen – denkbar sind noch einmal zehn bis zwölf Cent pro Liter mehr. Alternative Spritarten, wie Synthetik- oder Biokraftstoffe könnten fossile Brennstoffe aber auch auf lange Sicht ersetzen.

Den Preisanstieg abfedern soll ein so genannter "Klimasozialfond". Dadurch soll wirklich allen Bürgerinnen und Bürgern der Zugang zu sauberer Mobilität erleichtert werden – auch Geringverdienern und Menschen auf dem Land.

Kann ich mir bald keinen Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor kaufen?

Viele deutsche Hersteller hatten sich zuvor schon Ziele beim Benziner- und Dieselausstieg gesetzt. Audi will bis 2033 die letzten Verbrenner fertigen. VW plant in Europa zwischen 2033 und 2035 damit aufzuhören. Bei Mercedes-Benz sollen alle Neuwagen bis 2039 klimaneutral werden. Opel will schon 2028 nur noch E-Autos verkaufen, Ford plant dies ab 2030. BMW will bis 2030 zumindest bis zu 50 Prozent elektrisch unterwegs sein. Mit den neuen Zielen der EU müssten Viele ihr Konzept wohl noch einmal überdenken.

Das nun verabschiedete Paket ist allerdings noch nicht in trockenen Tüchern und verbindlich. Erst müssen noch die Mitgliedsländer zustimmen bevor die EU-Abgeordneten über das ambitionierte Vorhaben abstimmen. Es ist zu erwarten, dass es vor allem auf nationaler Ebene starke Widerstände gegen die Pläne der EU geben wird. (khe)