Maßlos überzüchtet

Stirbt die Englische Bulldogge aus?

Ist die Englische Bulldogge in Gefahr?
Ist die Englische Bulldogge in Gefahr?
© Guillaume Payen

08. Juli 2021 - 10:22 Uhr

Die Englische Bulldogge ist in Gefahr

Oh oh! Um die beliebte Hunderasse steht es laut einer Studie gar nicht gut. Müssen wir uns jetzt Gedanken um die Zukunft der Englischen Bulldogge machen? Eine genetische Studie liefert neue Erkenntnisse, die Anlass zur Sorge geben.

Zu viel Inzucht gefährdet die Zukunft der Englischen Bulldogge

Forscher der University of California, Davis, haben in der Zeitschrift "Canine Genetics and Epidemiology" die neuesten Ergebnisse ihrer Studie im Zusammenhang mit der beliebten Hunderasse geteilt, wie CBS News berichtet. Die Forscher sehen die Englische Bulldogge dabei in Gefahr. Der Grund: Zu viel Inzucht soll dazu geführt haben, dass die Hunderasse nicht mehr die nötige Vielfalt in ihrem Genpool zur Verfügung hat. Das beeinträchtige die Gesundheit zukünftiger Welpen enorm. Die Bulldoggen-Art sei daher "eine Rasse in Schwierigkeiten".

Zu diesem Entschluss sind die Wissenschaftler gekommen, nachdem sie die erste, breit angelegte Beurteilung der genetischen Vielfalt der DNA ihrer Rasse untersucht haben. Niels Pedersen, der Hauptautor der Studie, Veterinärforscher und renommierter Professor des "Center for Companion Animal Health" der UC Davis School of Veterinary Medicine sagte gegenüber CBS News: "Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Probleme, die mit Inzucht zusammenhängen. Wir waren nicht überrascht, als wir gesehen haben, dass es den Englischen Bulldoggen an genetischer Vielfalt mangelt."

Spielraum, um Gesundheitsprobleme aus dem Weg zu räumen, gibt es bei der Zucht kaum noch

Die Englische Bulldogge gilt als äußerst gutmütiges Tier und ist nicht ohne Grund beliebt. Trotzdem ist der Gesundheitszustand der Hunderasse alarmierend.
Die Englische Bulldogge gilt als äußerst gutmütiges Tier und ist nicht ohne Grund beliebt. Trotzdem ist der Gesundheitszustand der Hunderasse alarmierend.
© Pekic

Was die Forscher ebenfalls herausfanden: Über Jahrhunderte der Zucht wurde vor allem das Ziel verfolgt, das Aussehen des Hundes zu verändern. Mittlerweile haben die Hunde einen zunehmend stämmigen Körperbau und kürzere Schnauzen. Pedersen erklärte, dass die Rasse zudem sehr wenig Spielraum für zusätzliche genetische Veränderungen lasse, die dabei helfen könnten, Gesundheitsprobleme wieder aus dem Weg zu räumen.

Zu diesen Gesundheitsproblemen zählen bei den Englischen Bulldoggen vor allem Atemprobleme, die mit der Gesichtsstruktur der Hunde zusammenhängen, Komplikationen aufgrund ihrer geschichteten Haut sowie Gelenkkrankheiten und Brüche in der Wirbelsäule. Das Skelett der Hunde sei heute im Wesentlichen "deformiert", so der Forscher weiter. Genau diese Veränderungen in den Skelettstrukturen und die Problemen mit der Atmung machen das "normale züchten" und "normale gebären" so schwer: "Man fängt an zu sehen, wie die Lebensfähigkeit der Rasse zusammenbricht."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Auch für diese Krankheiten sind Englische Bulldoggen anfällig

Und die Liste der Probleme, die die Englischen Bulldogen haben, endet noch lange nicht. Womit die Hunderasse zudem kämpft? Mit ihrem Immunsystem. Sie sind anfälliger für Immunerkrankungen, wie zum Beispiel Allergien, ihre Schwänze sind oft entzündet, da diese extra so gezüchtet werden, damit sie wie Korkenzieher aussehen und auch mit Ohrenzündungen kämpfen einige Tiere regelmäßig. Weil der Unterkiefer so stark nach vorne drückt, zählen laut Studie auch Zahnprobleme zu den Komplikationen, die auftreten können.

Lese-Tipp: Bulldogge Bruce hält sich für einen Löwen

Wie steht es um die Lebenserwartung der Englischen Bulldoggen?

Eine reinrassige Englische Bulldogge lebt nicht lang: "Insgesamt beträgt ihre Lebenserwartung etwa sechs Jahre. Ein Bulldoggenwelpe – wenn er im ersten Lebensjahr viele gesundheitliche Probleme hat – wird er wahrscheinlich nur viereinhalb bis fünf Jahre alt. Wenn er im ersten Lebensjahr gesund bleibt, kann er bis zu acht Jahre alt werden", erklärt der Autor und Professor. Für einen kleinen Hund ist das wahrlich nicht viel. Andere kleinere Rassen können bis zu 15 is 17 Jahre alt werden, führt Pedersen weiter aus.

Züchter und Tierschützer liegen aktuell miteinander im Streit: Die eine Seite sagt, man müsse die Hunde unbedingt mit anderen Arten kreuzen, da man nur so den wichtigen Genpool erweitern und damit letztendlich auch die Gesundheit der Tiere verbessern könne, die andere Seite der Züchter wiederum ist der Meinung, dass diese Kreuzungen die Rasse der Englischen Bulldogge "verderben" würde. Wie Pedersen weiß, wurden tatsächlich schon einige erfolgreiche Zucht-Versuche unternommen, die letzten Endes zu gesünderen Hunden geführt haben. Fakt ist, dass die Studie eine Warnung ausgesprochen hat. Laut ihr ist die Englische Bulldogge nicht gesund und hat viele bedenkliche Gesundheitsprobleme, die man ernst nehmen sollte. (vdü)