Nach Sabotage in Emden

Achtjährige rettet Traditionsschiff vor dem Untergang

Eine 8-Jährige rettet das Museumsschiff "Amrumbank".
Eine 8-Jährige rettet das Museumsschiff "Amrumbank".
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11. Januar 2022 - 16:27 Uhr

von Grit Gadow und Amrei Schulz

Die achtjährige Nina Nielsen hat das Emdener Museumsschiff vor dem Untergang gerettet und das wortwörtlich: "Ich habe da gesehen, dass das Schiff irgendwie schief lag", erinnert sich die achtjährige Nina an einen Sommerspaziergang mit ihrem Vater. Nach dem aufmerksamen Tipp seiner Tochter schaut Papa Peter genauer hin. Und tatsächlich: hinten liegt das Museumsschiff ungefähr 20 Zentimeter tiefer.

Unbekannte brechen in Museumsschiff ein

Nina Nielsen und ihr Vater vorm Museumsschiff
Nina Nielsen (2. von links) und ihr Vater erinnern sich an das schiefliegende Schiff zurück.
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Peter Nielsen hat einen Schlüssel für das alte Feuerschiff. Erst ein paar Wochen ist es her, dass er das schwimmende Museum für Ausbesserungen am Fußboden wieder gerade gelegt hatte. Die Schieflage ist daher besonders verdächtig. Im Schiffsinneren stellt er Einbruchsspuren fest. Anscheinend wurde durch ein Fenster eingedrungen. In der Schiffswand entdeckt Peter Nielsen vier gebohrte Löcher– bereits 20.000 Liter Wasser sind ins Schiffsinnere gelangt. Eine große Katastrophe kann dank der achtjährigen Nina aber verhindert werden. Trotzdem ist ein Schaden von rund 126.000 Euro entstanden. Besonders fies an der Tat: Eigentlich war das Schiff in einem top Zustand. Erst im vergangenen Jahr wurde die Amrumbank für fast 5 Millionen Euro saniert.

Ein Stück Geschichte gerettet

Heinz Günther Buß mit der Urkunde
Heinz-Günther Buß vom Museumsschiff-Verein bedankt sich mit einer Urkunde bei der Retterin.
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Die achtjährige Nina hat bei ihrem Sommerspaziergang eine echte Tradition gerettet. Das beliebte Museumsschiff ist seit 1984 in Emden verankert. Davor war es 65 Jahre lang der leuchtende Wegweiser für Seeleute auf der Nordsee. Wer so ein großes Stück Geschichte vor dem Untergang bewahrt, wird natürlich belohnt: "Aufgrund deines aufmerksamen Verhaltens und deiner Umsicht konnte größeres Unheil nach dem Sabotageakt im Juni 2021 abgewendet werden", bedankt sich Heinz-Günther Buß, der Vereinsvorsitzende des Museumsschiffs, bei Nina. Die Achtjährige bekommt zum Dank eine Urkunde überreicht. Ohne sie, wäre das beliebte Museumsschiff wahrscheinlich auf dem Grund des Hafens gelandet.

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Mutmaßlicher Täter bereits in Haft

Ein halbes Jahr nach der Sabotage im Museumsschiff führt die Spurenanalyse der Polizei zu einem altbekannten Verdächtigen. Der mutmaßliche Täter kommt selbst aus Emden und ist der Polizei bekannt. Momentan sitzt der 45-Jährige bereits wegen eines anderen Verfahrens in Haft. Komplizen habe es bei der Schiff-Sabotage vermutlich keine gegeben. Laut Polizeiangaben ist der Fall somit aufgeklärt.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Vergitterte Fenster am Museumsschiff
Vergitterte Fenster sollen zukünftige Einbrüche verhindern.
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Auch wenn das Motiv für die Sabotage am Museumsschiff nicht bekannt ist: Dass es noch einmal passiert, will der Verein um jeden Preis verhindern. Vergitterte Fenster sollen dafür sorgen, dass nicht noch einmal jemand in die Amrumbank einsteigen kann – und auch erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an Bord sollen unerwünschte Eindringlinge in Zukunft vom Deck fernhalten. (mit dpa)