Final-Krimi gipfelt im Elfmeterschießen

England weint: Italien ist Europameister!

12. Juli 2021 - 7:11 Uhr

Nervenschlacht über 120 Minuten plus Zugabe

It's not coming home, it's coming to Rome! Es war der ersehnte Final-Krimi, der sich bis zum Elfmeterschießen zuspitzte – der Europameister 2021 stand erst nach 120 Minuten und dem Duell vom Punkt fest: Italien gewann eine wahre Nervenschlacht und jubelte in Englands Fußball-Tempel. Während die "Three Lions" um ihre verpasste Chance weinten. Die Highlights des Final-Thrillers sehen Sie oben im Video.

England steht nach zwei Minuten Kopf

Tore: 0:1 Shaw (2.), 1:1 Bonucci (63.)

England legte los wie der Blitz: Zeigten die "Three Lions" nach 60 Sekunden noch ihre flatternden Nerven, als sie durch einen eigenen blöden Fehlpass den Italienern die erste Ecke schenkten, versetzten sie im Gegenstoß die ganze Insel nach nur zwei Minuten in Ekstase! Kapitän Harry Kane marschierte vorweg, Kieran Trippier flankte und fand Luke Shaw – der netzte aus wenigen Metern freistehend vor Italiens Torwart-Riese Gianluigi Donnarumma ein, 1:0! Und Wembley bebte. Selbst Thronfolger Prinz George auf der Tribüne sprang auf und strahlte.

Es war das schnellste Final-Tor in der EM-Geschichte, gerade einmal 116 Sekunden zeigte die Spieluhr an. Und es versetzte den Italienern einen Stich ins Herz, die "Squadra Azzurra" tat sich danach richtig schwer. Zumal das Wetter auf Englands Seite war: Noch in der Anfangsphase fing es ordentlich an zu regnen. Typisch englisch halt.

Nach 35 Minuten dann ein "Ciao, wir leben noch"-Zeichen der Italiener – und zugleich ein Schreckmoment für alle England-Fans. Aber der Knaller-Schuss von Federico Chiesa ging knapp am Kasten von Jordan Pickford vorbei. Ein Aufatmen ging durch Wembley. Und so blieb es zur Pause bei der englischen Führung.

Mille Grazie: Italien netzt nach Ecke zum 1:1 ein

Auf dem Platz war es zu Beginn der zweiten Hälfte noch deutlich weniger stürmisch als in den Stunden vor dem Anpfiff auf Londons Straßen, als es zu riesigen Fan-Ansammlungen kam und Anhänger der "Three Lions" ohne Final-Ticket versuchten, das Wembley-Stadion zu stürmen.

Nach 66 Minuten wurde es dann auf einmal ganz schön still in Londons Fußball-Tempel. Und Italien-Star Leonardo Bonucci war Schuld, denn: Auf einmal herrschte auch Chaos in Englands Strafraum. Nach einer Ecke kam Marco Verratti zum Kopfball, den Keeper Pickford im Flug mit der Hand final-mäßig aus der Ecke fischte – und doch nur an den Pfosten lenkte. Von dort sprang er Bonucci direkt vor die Füße. Und der ließ sich nicht lange bitten. 'Grazie', das 1:1!

Nachdem sich Shaw zu Beginn zum schnellsten Torschützen der EM-Final-Geschichte gekrönt hatte, trug sich Bonucci durch sein Alter in die Geschichtsbücher ein: Der Verteidiger ist 34 Jahre und 71 Tage alt – nie war ein Endspiel-Torschütze bei einer Euro älter. Seine Frau Martina, die sich nach über 30 Tagen Abstinenz zuhause nach ganz viel Amore sehnt, wird stolz auf ihren Leonardo sein. Das Warten hat sich also gelohnt.

Und es ging weiter, denn: Selbst nach sechs Minuten Nachspielzeit stand es 1:1. Die Verlängerung musste her.

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Duell vom Punkt ermittelt Europameister

In der zusätzlichen halben Stunde passierte phasenweise sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz nicht viel. Beide Mannschaften wirkten nach einer langen EM platt. Munteres Laufspiel? Fehlanzeige. Und selbst die englischen Fans vergaßen hin und wieder das Singen.

In den letzten zehn Minuten bekamen die "Three Lions" dann aber doch nochmal die zweite Luft. Doch die "Squadra Azzurra" schmiss sich angeführt von ihrem Chef-Verteidiger Giorgio Chiellini in jeden Ball. Und so waren es die Italiener, die nach 120 Minuten nochmal ihr Glück vor dem englischen Kasten suchten. Vergeblich. Die Entscheidung über den Titel brachte erst das Elfmeterschießen.

Und Keeper Pickford hielt den zweiten Elfer der Italiener, Andrea Belotti scheiterte an Englands Nummer eins. Die Vorentscheidung? NO! Marcus Rashford, der extra in der 120. Minute für das Elfmeterschießen eingewechselt wurde, setzte seinen Schuss an den Pfosten. Bitter. Und die Geschichte ging so weiter: Neben Rashford kam auch Ex-BVB-Star Jadon Sancho zum Ende der Verlängerung – und seinen Schuss vom Punkt parierte Donnarumma.

Italien jubelt nach dem Sieg im EM-Finale
Italien jubelt nach dem Sieg im EM-Finale
© Imago Sportfotodienst

Aber die Nervenschlacht fand eine Fortsetzung: Jorginho hatte die Entscheidung auf dem Fuß, doch Pickford roch die Ecke. Und dann? Sollte ein 19-Jähriger England im Rennen halten. Aber ihm versagten die Nerven: Bukayo Saka wurde zur tragischen Figur des Abends, Donnarumma hielt auch seinen Ball.

Und so musste Prinz William seinen kleinen George, der bis zum Ende auf der Tribüne durchhielt, mit einer Umarmung trösten, denn: Italien ist Europameister! (ana)