Mausgraue Leistung statt Vielfalt, aber trotzdem weiter

Goretzkas Hammer trägt Deutschland ins Achtelfinale

24. Juni 2021 - 3:21 Uhr

Die Nerven liegen blank

Statt bunter Vielfalt zeigte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im finalen EM-Gruppenspiel gegen Ungarn einen komplett farblosen Auftritt, doch ein 2:2 (0:1) reichte hauchdünn für Platz zwei in der Gruppe und damit auch den Einzug ins Achtelfinale. Davor gab es jedoch eine Menge zu zittern für die deutsche Mannschaft.

Deutschland - Ungarn 2:2 (0:1)

Tore: 0:1 Szalai (11.) 1:1 Havertz (67.) 1:2 Schäfer (68.) 2:2 Goretzka (84.)

Fritz-Walter-Wetter und das ausgerechnet bei einem Spiel gegen Ungarn. Es war also alles angerichtet für einen besonderen Fußball-Abend. Beim strömenden Regen legten beide Mannschaften furios los, doch die erste Chance gehörte Deutschland. Einen feinen Diagonalball nahm Joshua Kimmich nicht weniger gekonnt an und bringt die Kugel aus spitzem Winkel noch aufs Tor, doch der wieder mal überragend aufgelegte Peter Gulacsi tauchte blitzschnell ab und verhinderte das frühe 0:1.

Lange Bälle, das sollte sich als schlechtes Mittel bewahrheiten. Denn nach einer Flanke aus dem Halbfeld von den Ungarn schlich sich Adam Szalai zwischen Matthias Ginter und Mats Hummels davon und köpfte unhaltbar für Manuel Neuer zum 0:1 ein. Schon wieder ein früher Schock für die DFB-Elf, die aber sofort probierte, den Fauxpas rückgängig zu machen und die Ungarn komplett in die eigene Hälfte drängte und Chance um Chance erspielte. Nur passierten ebenso viele Fehler auf Seiten der Deutschen, die wiederum Ungarn Konterchancen brachte.

Genau wie das Wetter wurde aber auch das Spiel der Nationalmannschaft bis zur Pause immer schlechter. Eines war zu diesem Zeitpunkt schon klar: Das 1:0 für Ungarn war ein Wirkungstreffer.

Ausgleich hält nicht mal eine Minute lang

Zur zweiten Halbzeit änderte Jogi Löw die Taktik und stellte auf eine Viererkette um. Das alleine brachte aber zunächst keine deutliche Besserung der Situation. Die Einwechslung von Leon Goretzka für den ideenlosen Ilkay Gündogan war die nächste Patrone vom Bundestrainer. Stattdessen kamen aber die Ungarn in der 55. und 61. Minute zu zwei guten Gelegenheiten.

In der 65. Minute meldete sich Deutschland mit einem Standard zurück. Kimmich brachte den Ball rein und ausgerechnet der sonst überragende Gulacsi flog am Ball vorbei und machte den Weg frei für Hummels der Richtung leeres Tor köpfte, bevor Kai Havertz vollendete.

Lange hielt die Freude der deutschen Mannschaft nicht – sie dauerte, um genau zu sein, exakt fünf Ballkontakte. Nach dem Abstoß brachten die Ungarn die Kugel lang nach vorne, Ginter pennte bei einem weitergeleiteten Ball, was Andreas Schäfer gnadenlos ausnutzte und allein auf Neuer zulief, der den Power-Kopfball des Youngsters nicht mehr halten konnte. Wie gewonnen, so zerronnen für die DFB-Elf.

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Nach dem erneuten Rückstand hieß das Motto wieder "Alles nach vorne", weswegen Offensiv-Juwel Jamal Musiala und Stürmer Kevin Volland in die Partie kamen. Bei noch 10 Minuten auf der Uhr waren die Joker gezwungen, sofort zu zünden. Und tatsächlich sorgte ein Eingewechselter für den entscheidenden Moment. Nach einem Abpraller bündelte Leon Goretzka in der 84. Minute seine Kräfte und zog mit aller Gewalt aus der zweiten Reihe ab – und der Ball landete tatsächlich im Tor. Die Rettung. Mit dem letzten Angriff hätte die DFB-Elf in diesem verrückten Spiel sogar noch das Siegtor und damit auch den Gruppensieg holen können, doch Sané versemmelte passend zu seiner Leistung am Abend die Hereingabe.

So verhindert Deutschland eine erneute Auflage des WM-Debakels 2018 und bucht stattdessen last minute das Ticket für das Achtelfinale. Durch Platz zwei in der Gruppe kommt es nun zum Klassiker gegen England. Und das im legendären Wembley-Stadion. Dort wird eine Leistung wie heute sicher nicht ausreichen. (lde)

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