Affenlaute gegen den Stürmer

Frankreich-Star Mbappé im Stadion offenbar rassistisch beschimpft

Kylian Mbappe blieb gegen Ungarn torlos.
Kylian Mbappe blieb gegen Ungarn torlos.
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20. Juni 2021 - 9:58 Uhr

Pöbel-Attacken gegen Mbappé und Benzema

Eklat in Budapest: Während des EM-Gruppenspiels zwischen Ungarn und Frankreich sind französische Spieler von einigen Fans im Stadion offenbar rassistisch beleidigt worden.

Wenn der schwarze Stürmer Kylian Mbappé am Samstag beim 1:1 (0:1) gegen den Co-Gastgeber am Ball war, ertönten immer wieder Affenlaute von den Rängen. Dies berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur aus der Puskas Arena. Angreifer Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, wurde ebenfalls vereinzelt verbal angepöbelt.

Schon beim ersten Gruppenspiel in Budapest hatten portugiesische Medien berichtet, dass Superstar Cristiano Ronaldo von manchen Zuschauern im Budapester Stadion übel angefeindet wurde. Jeweils mehr als 55.000 Besucher, mehrheitlich ungarische Fans, waren bei den beiden Spielen im Stadion.

Banner gegen Anti-Rasssimus-Geste

Darunter soll Medienberichten zufolge die Gruppe "Carpathian Brigade" sein, die vorrangig aus ungarischen Neo-Nazis besteht. Bilder vom Samstag zeigen, wie auf dem Fan-Marsch Richtung Stadion einige Fans ein Banner gegen kniende Spieler bei sich tragen. Bei dieser EM protestierten einige Mannschaften, zum Beispiel die belgische oder englische, mit einem kurzen Knien vor Anpfiff gegen Rassismus.

Was ist die "Carpathian Brigade“?

Das Onlinemedium "Vice" hatte sich bereits 2016 mit der "Carpathian Brigade" beschäftigt. Der damals Interviewte war Balint Josa, Gründer der Organisation"Szubjektív Értékek Alapítvány" ("Stiftung für subjektive Werte"), die eng mit dem von UEFA und FIFA anerkannten europäischen Netzwerk FARE - Football Against Racism in Europe - kooperierte.

Josa bezeichnete die Gruppierung als "eine paramilitärische Gruppe, die aus Neonazis besteht. Sie sind die gewalttätigste und auch einflussreichste Gruppe in der Kurve. Wie der Name schon verrät, wünschen sie sich die alten Territorien und Grenzen von Großungarn zurück". Zwar teile längst nicht die Mehrzahl der Fans dieses Denken, so Josa: "Es sind, denke ich, weniger als zehn Prozent rechtsradikal", aber "das große Problem ist, dass die lautesten, die stärksten und die sichtbarsten Hooligans und Ultras alle Neonazis sind". Eine Minderheit also, aber offenbar eine einflussreiche und öffentlichkeitswirksame. (msc/tsi/dpa)